#Denkanstösse im Kunstareal

Eine Entdeckungstour durch einen Teil von München, den ich eigentlich gut zu kennen glaubte…

Tweetups oder Social Media-Aktionen wie zum Beispiel #StadtLandBild anlässlich der Ausstellung „Albert Renger-Patsch. Ruhrgebietslandschaften“ in der Pinakothek der Moderne habe ich zwar immer mit großem Interesse verfolgt, aber mich davor gescheut, selbst daran teilzunehmen. Mit anderen Instagrammern, Twitterern und Bloggern Fotos um die Wette machen? Ich wollte bisher lieber selber auf Entdeckungstour gehen…

Doch am Freitagabend stieß ich durch Zufall auf das Angebot des Ägyptischen Museums München, den Bereich des Kunstareals München im Rahmen eines Social Walks zu entdecken. Das Projekt Kunstareal München erstreckt sich von der Heßstraße im Norden, der Türkenstraße im Osten, der Karlstraße im Süden und der Richard-Wagner-/Enhuberstraße im Westen. 18 Museen und Ausstellungshäuser, mehr als 40 Galerien und Kulturinstitutionen und sechs Hochschulen möchten durch ihr Engagement für das gemeinsame Projekt ihr vielfältiges Angebot noch bekannter machen. 2009 hat der Freistaat Bayern und die Landeshauptstadt München beschlossen, die Museums-, Kunst- und Wissenschaftslandschaft rund um die Pinakotheken und den Königsplatz miteinander zu vernetzen. Ende 2011 legte der Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung der TU München eine Gesamtstrategie mit Maßnahmenplan und Maßnahmenkatalog vor, seit 2015 gibt es zudem eine sogenannte Koordinierungsstelle Kunstareal, die von Alexandra von Arnim und Adele Kohout geleitet wird.

Da am 24. und 25. Juni das 3. Kunstarealsfest unter dem Thema „Denkanstöße“ stattfinden wird, hatte das Ägyptische Museum gestern rund 20 Instagrammer, Twitterer und Blogger vorab zu einer 90-minütigen Erkundungstour über das Gelände eingeladen. Unser Treffpunkt: Das 14 Tonnen schwere Kunstwerk „Der Ring“ in der Maxvorstadt Ecke Luisen-/Elisenstrasse. Die 1994 fertiggestellte Skulptur des italienischen Künstlers Mauro Staccioli an der Kunst-Plattform beim Alten Botanischen Garten beeindruckt mich jedes Mal, wenn ich von meiner Wohnung in Schwabing Richtung Bahnhof laufe. Als uns die Ägyptologin und Museumspädagogin Roxane Bicker vom Ägyptischen Museum am Ring-Kunstwerk in Empfang nimmt, ist sie mir mit ihrer kommunikativen, offenen Art auf Anhieb sehr sympathisch. Um uns so viele Denkanstöße wie möglich für unsere Social Media-Berichterstattung zu liefern, begleitet uns ein Mitarbeiter der Firma Stattreisen auf diesem etwas anderen Stadtspaziergang.

Streetart auf dem Weg zu unserem ersten Stop.

An der Städtischen Fachschule für Farb- und Lacktechnik München in der Luisenstrasse bin ich bereits unzählige Male vorbeigelaufen. Vor den künstlerisch gestalteten Fenster verweile ich immer lange – einen Blick auf die Inschriften der 16 Säulen gegenüber, auf denen die 19 Artikel des Grundgesetztes verankert sind, habe ich jedoch noch nie bewusst geworfen.

Die nächste Entdeckung: Ein Mural des in München lebenden Street Art-Künstlers L O O M I T an der Rückseite der Fachschule für Lack- und Farbtechnik! Ich kann es kaum glauben, dass ich das Kunstwerk BLU tatsächlich noch nie bemerkt habe… Das Projekt wurde 2013 von dem gemeinnützigen Kunstverein Positive-Propaganda initiiert, dem es in Zeiten zunehmender „Investitionsarchitektur“ ein Anliegen ist, durch die Zusammenarbeit mit Künstlern wie L O O M I T ein kreatives, avantgardistisches Zeichen zu setzen und sich den öffentlichen Raum Stück für Stück zurückzuerobern.

Ich bin etwas überfordert zu Beginn des Social Walks: Soll ich Fotos machen, zuhören oder die Follower auf meiner Instagram-Seite mittels Instagram Stories live an meinen Erlebnissen teilhaben lassen? Alle um mich herum scheinen bereits sehr erprobt in Sachen Social Media-Aktionen zu sein und wissen blitzschnell, was man unbedingt fotografieren sollte. Ich entschließe mich dazu, mich erst einmal die spannenden Erzählungen des Stattreisen-Mitarbeiters zu konzentrieren.

Ein paar Minuten später sind wir am Königsplatz angekommen, wo ich von Wolfram Kastners Aktion Brandfleck, Erinnerung an die Bücherverbrennung auf dem Münchner Königsplatz erfahre. Sie wurde 2013 wiederholt, nachdem frühere Forderungen des Künstlers nach einer Erneuerung des Brandflecks abgelehnt worden waren. 1995 und 2013 verbrannte Kastner ein Stück Rasen an der Stelle, an der am 10. Mai 1933 die Bücherverbrennung verfemter Autoren stattgefunden hat. Heute ist Gras über die Kunst gewachsen – schade, dass die Aktion nicht jährlich wiederholt wird…

Hier brannte der Aktionskünstler Wolfram Kastner 2013 einen Brandfleck in den Rasen am Königsplatz

Ein paar Meter weiter befindet sich ein Relikt aus der NS-Zeit, in dem heute das Haus der Kunstgeschichte untergebracht ist. Im ehemaligen NSDAP-Verwaltungsgebäude am Königsplatz wurde im Juni 1945 von der amerikanischen Militärregierung eine Sammelstelle für die Rückführung der von den Nationalsozialisten erbeuteten Kunstwerke eingerichtet: Der „Central Art Collecting Point“, aus dem das Zentralinstitut für Kunstgeschichte hervorging. 1947 nahm es seine Tätigkeit auf, seither versteht sich das einzige kunsthistorische Forschungsinstitut von überregionaler Bedeutung in Deutschland als Ort des wissenschaftlichen Austausches und internationaler Begegnungen. Im Haus der Kulturinstitute, das an diesem Samstag seine Türen für uns öffnet, ist neben dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte auch das Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke München untergebracht. Ausgestellt sind über 1700 Gips-Abgüsse von antiken Statuen und Büsten, die als Forschungsobjekte unter anderem für die Archäologie wichtig sind. Dieses skurrile Ensemble aus kleineren und größeren Statuen in diesen historisch aufgeladenen Räumen muss man gesehen haben!

Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke München
Haus der Kulturinstitute
Katharina-von-Bora-Straße 10
80333 München

Öffnungszeiten:
Mo. Di. Mi. Fr. 10 – 18 Uhr
Do. 10 – 20 Uhr
Sa/So/Feiertag geschlossen
Eintritt frei

Mittlerweile fühle ich mich wesentlich lockerer und entspannter auf diesem Spaziergang, weil ich beschlossen habe, die Fotos von meinem ersten Social Walk erst zu Hause zu posten. Ich finde es interessanter, vor Ort die anderen Instagrammer und Blogger kennenzulernen und mich mit ihnen über ihre Erfahrungen auszutauschen. Meiner Kollegin von my_munich_moments geht es da nichts anders – wir haben uns durch Instagram kennengelernt und sind nun zum ersten Mal im realen Leben gemeinsam auf Fotopirsch unterwegs. Nach dem Social Walk unterhalten wir uns bei Kaffee und Kuchen im Ägyptischen Museum mit Max und Conny von inside_munich. Mit dem Bloggen haben sie ähnlich spontan und ohne große Vorkenntnisse begonnen wie ich. Nun berichten sie auf inside-munich.de über all die wunderbaren Dinge, die es in München und Umgebung zu entdecken gibt – schaut unbedingt mal dort vorbei! Lena und ihren Kollegen vom Infopoint Museen & Schlösser in Bayern folge ich schon seit längerem auf Instagram und freue mich, endlich mal das Gesicht hinter dem Kanal kennenzulernen. Im Infopoint erhält man übrigens alle wichtigen Infos, die man zur Planung eines Ausflugs benötigt wie die Sammlungsschwerpunkte der Museen, Adressen, Öffnungszeiten, Sonderausstellungen, Führungen, Aktivitäten und vieles mehr.

Infopoint
Museen & Schlösser in Bayern

Alter Hof 1
80331 München

Am Ende des Nachmittags begebe ich mich noch mit meiner Kollegin von my_munich_moments auf eine kleine Entdeckungsreise durch das Ägyptische Museum München. Ich gebe ganz ehrlich zu, dass man mich normalerweise eher in Museen mit zeitgeschichtlichem Bezug findet – doch das Ägyptische Museum München ist schon allein wegen seiner Architektur ein besonderer Ort.

Acht Meter unter der Erde kann man in vierzehn Räumen unterschiedlicher Größe und Proportion nach Themenschwerpunkten unterteilt etwa 2.000 Exponate besichtigen. Ein in die Rasenfläche eingelassenes Atrium sorgt für natürliche Beleuchtung und ermöglicht trotz unterirdischer Lage einen Blick ins Freie. In dieser speziellen Atmosphäre verändert das unterschiedlich einfallende Tageslicht immer wieder den Blick auf die Kunstwerke. Das Ägyptische Museum ist weit mehr als ein Aufbewahrungsort für antike Exponate – durch die Verbindung von moderner Architektur mit den sorgfältige ausgewählten Ausstellungsobjekten wird die Geschichte des neuen Ägyptens für mich lebendig.

 

…. können wir so einen Social Walk jederzeit wieder machen! Danke, liebe Roxane vom Ägyptischen Museum für diesen grandiosen Nachmittag!!

Die Kulturflüsterin

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