Instagram goes Grüner Hügel: Der #BFinstawalk

Ein großartiger Blick hinter die Kulissen der Bayreuther Festspiele beim ersten #BFinstawalk…

Die Bayreuther Festspiele kannte ich bisher vor allem von Pressefotos. Angela Merkel mit festlicher Robe bei der alljährlichen Eröffnung der Festspiele, Promis wie Thomas Gottschalk beim Schaulaufen und Autogramme schreiben 2015 oder die „Suche Karte“-Bilder inklusive der dazugehörigen Berichterstattung über die vollkommen überteuerten Schwarzmarkt-Preise für Festspiel-Karten.

Es war eine kleine Revolution, als die Festspielchefin Katharina Wagner 2011 beschloss, ein gewisses Kartenkontingent online verkaufen zu lassen. Der Bundesrechnungshof hatte damals kritisiert, dass 2010 nur 40 Prozent der Karten in den freien Verkauf gingen, bei Premieren sogar nur 16 Prozent. Der Rest wurde als festes Kontingent an Sponsoren und Prominente aus Politik, Wirtschaft, und Gesellschaft vergeben.

2011 wurde auch der Facebook-Kanal der Bayreuther Festspiele eingerichtet, den man in den Jahren darauf vor allem nutzte, um auf Presseberichte rund um die Festspiele zu verlinken. Im März 2017 las ich auf Facebook, dass Bayreuth einen weiteren Schritt in Sachen Digitalisierung machen würde. Auf Wunsch von Katharina Wagner wurden Ingo Sawilla und Johannes Lachermeier damit beauftragt, den Online– und Social Media-Auftritt des vierwöchigen Wagner-Marathons neu aufzustellen. Während Ingo Sawilla gerade die Leitung der Kommunikationsabteilung des renommierten Berliner Ensembles übernommen hat, entwickelte Johannes Lachermeier zwischen 2008 bis 2015 als Referent für Online-Kommunikation an der Bayerischen Staatsoper eine digitale Strategie für das Haus, die bis heute die Grundlage für den exzellenten Online-Auftritt der Staatsoper ist. Seit Januar 2016 leitet er die Abteilung Kommunikation der Theaterakademie August Everding und auch in seiner neuen Tätigkeit hat Lachermeier wieder Pionierarbeit in Sachen Social Media-Arbeit geleistet.

Mit Hannes Richter, der bis zu dieser Spielzeit Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing am Staatstheater Wiesbaden war, haben Lachermeier und Sawilla eine sehr gute Wahl für die Stelle als Online-Redakteur der Bayreuther Festspiele getroffen. Am vergangenen Sonntag begrüßt uns Hannes um die Mittagszeit herum zum ersten #BFinstawalk auf dem Grünen Hügel.

Normalerweise herrscht im Festspielhaus striktes Fotografierverbot – darum wollte ich umso mehr bei diesem ganz besonderen Ereignis, von dem ich zwei Wochen zuvor dank der Facebook-Seite der Bayreuther Festspiele erfahren hatte, dabei sein. Wie bei meinem letzten Social Media Walk durch das Kunstareal in München war ich sehr gespannt, welche Leute ich an diesem Tag kennenlernen würde. Es stellte sich schnell heraus, dass sowohl begeisterte Wagnerianer als auch Instagram-Experten oder die Pressesprecherin der Komischen Oper Berlin mit von der Partie waren. Durch diese Auswahl der Instagrammer war der Grundstein dafür gelegt, dass der #BFinstawalk nachher so unterschiedlich und vielfältig auf den Profilen der Teilnehmer abgebildet werden konnte.

Vor dem Festspielhaus
1872 ließ Richard Wagner das Gebäude am nördlichen Stadtrand Bayreuths erbauen, um sich an einem Ort fernab jeglicher Ablenkung allein den Darbietungen seiner Werke widmen zu können. 1876 fanden hier die ersten Festspiele mit der erstmals vollständigen Aufführung des Ring des Nibelungen statt.

Von den ungepolsterten Sitzen in den Zuschauerreihen hatte ich bereits vor meinem Bayreuth-Besuch gelesen. Zugegeben, während der Generalprobe der „Götterdämmerung“ am späten Nachmittag sehne ich mich ein paar Mal nach ein wenig mehr Sitzkomfort – aber die außergewöhnliche Akustik des gänzlich mit Holz verkleideten Raums lässt mich alles andere vergessen. Durch die spärliche Bepolsterung wird wenig Schall geschluckt, zudem befinden sich keine Logen an den Seiten des Zuschauerraums. Ideale Voraussetzungen für ein besonderes Klangerlebis (auch wenn es darüber immer wieder geteilte öffentliche Meinungen gibt).


Ich bin erstaunt, wie frei wir uns in diesen heiligen Hallen bewegen können. Drei Stunden vor dem Beginn der Generalprobe herrscht hinter der Bühne rege Betriebsamkeit. Wir erkunden zunächst den Zuschauerraum, wo mein Blick hoch zu den schönen Lampen schweift. Sie scheinen beinahe im Raum zu schweben, wirken federleicht durch ihre filigrane Hängung.

Anschließend geht es ganz nach oben in die Logen des Festspielhauses. Dort, wo am Eröffnungstag der Bayreuther Festspiele Angela Merkel Platz nehmen darf, sitzt an diesem Tag Anja Sauer von igersmunich. Der Ausblick von den obersten Logenplätzen aus (über denen der Bundeskanzlerin) ist überwältigend!

Es ist 13.15 Uhr, als Hannes Richter uns zu einem der Highlights unseres Instawalks lotst: Dem 10-minütigen Rundgang hinter die Bühne des Festspielhauses! Amüsiert beobachten die technischen Angestellten des Hauses den fotografischen Backstage-Trubel – für uns gilt es derweil, in kurzer Zeit so viele spannende Requisiten hinter der Bühne zu entdecken, wie möglich. Da kommt es uns zugute, dass in den Inszenierungen des Regisseurs Frank Castorf ausstattungstechnisch nie gekleckert wird, sondern ordentlich geklotzt wird. 2013 hat der ehemalige Intendant der Berliber Volksbühne den aus vier Teilen bestehenden, rund 16-stündigen Opernzyklus „Ring der Nibelungen“ von Richard Wagner für die Bayreuther Festspiele neu inszeniert. Was gibt es da nicht alles im Bühnenbild von Aleksandar Denić zu entdecken! Eine Dönerbude hier, ein Schwimmbecken da, daneben ein Campingwagen und ein schwarzes Cabriolet.


Dort, wo ein Großteil der Kulissen gelagert wird, treffen wir Castorfs Regieassistenten Patric Seibert, der uns eine sehr interessante und kurzweilige Einführung in Castorfs Vision des „Rings“ und die Neuinszenierung von 2013 bietet.

Dass Castorf den Zuschauer in dieser Inszenierung ins Südstaaten- Amerika der 1950er und 1960er Jahre entführen möchte, ist in der Bar-Kulisse, wo wir Seibert treffen, nicht zu übersehen. Stundenlang hätte ich mich in diesem mit sehr viel Liebe zum Detail eingerichteten Raum aufhalten können!

Und schließlich geht es weiter in die Maskenabteilung, wo so kurz vor der Generalprobe der „Götterdämmerung“ die ersten Sänger für ihren Auftritt vorbereitet werden. Für mich ist und bleibt dieser Ort der faszinierendste in einem Theater- und Opernbetrieb überhaupt. Es freut mich, dass wir dort die Sängerin Stephanie Houtzeel treffen, die selbst in den Sozialen Medien aktiv ist und daher keine Berührungsängste mit unseren Kameras und Smartphones hat.

So viel Schuhwerk im Gang vor der Maskenabteilung…
Nach so vielen visuellen Eindrücken und gestärkt durch ein Mittagessen in der Kantine der Bayreuther Festspiele geht es um 16 Uhr in die Generalprobe der „Götterdämmerung“. Da ich am Tag nach dem Instawalk selbst bei einem Chorkonzert in München singen musste, war mein Bayreuth-Abenteuer leider bereits nach dem ersten Aufzug zu Ende … Meine Begeisterung und Freude über diesen einmaligen Nachmittag auf dem grünen Hügel wurde durch meine frühere Abreise aber in keinster Weise geschmälert!

Lieber Hannes, ich danke dir ganz herzlich für die grandiosen Erlebnisse im Rahmen des #BFinstawalks! Den Bayreuther Festspielen werde ich sicherlich bald wieder einen Besuch abstatten…


Der #BFinstawalk zum Nachlesen auf den Profilen der Teilnehmer:

@sonnemondundbrot @beverleyvong @deduitsekoerier @anja.sauer @spectacle_arts @le_grynszpan @helsinginfilharmoninenkuoro @joelunlimited @dr_acro & @komischeoperberlin @mrs_schlauchen @j.lachermeier

Mehr über die Bayreuther Festspiele auf der neugestalteten Website:

https://www.bayreuther-festspiele.de

Und auf Facebook, Instagram und Twitter: 

@wagnerfestival (Instagram)

@WagnerFestival (Twitter)

@WagnerFestival (Facebook)

Die Kulturflüsterin

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