#Interview mit Langston Uibel

© Phillip Helmke

Ein Interview mit dem Nachwuchsschauspieler Langston Uibel über Interviews, Komödien und den Wert von Bildung…

Manchmal sind es schöne Zufälle, die eine Bloggerin wie mich zu ihrem nächsten Interviewpartner führt. Nachdem ich mit Helena Hufnagel über ihren Debütfilm Einmal bitte alles gesprochen hatte, recherchierte ich für meinen Artikel über den Film auch auf der Website der PR-Agentur 17durch2, die unter anderem Helenas Hauptdarstellerin Luise Heyer in PR-Angelegenheiten vertritt. Dabei wurde ich auf den 19-jährigen Langston Uibel aufmerksam, der seine Karriere 2008 als Kindersoldat in dem Kurzfilm The String Puppet begann und danach unter anderem 2015 in dem preisgekrönten Drama Freistatt über die folterähnlichen Erziehungsmethoden in einem Erziehungsheim der BRD zu sehen war. Langston wurde 1998 in London geboren und lebt seit 2006 in Berlin. Neben seinen Rollen in Filmen wie Hanni&Nanni 3 konnte man ihn in den vergangenen Jahren auch immer wieder auf verschiedenen Theater- und Opernbühnen in Berlin erleben – unter anderem 2013 in Der Ring: Next Generation, einer Produktion der Deutschen Oper Berlin für Jugendliche, oder 2016 in Herr der Fliegen: survival mode am Deutschen Theater Berlin.

Ab 14. September ist Langston Uibel in Anika Deckers Komödie High Society neben Emilia Schüle, Jannis Niewöhner, Katja Riemann und Iris Berben zu sehen. Ich habe anlässlich des Kinostarts mit ihm über Interviews, Komödien, Klischees und den Wert von Bildung gesprochen.

Ich bin im Juli 2017 unter anderem durch die Deutsche Welle-Sendung DER TAG  auf dich aufmerksam geworden, wo du als als Talk-Gast eingeladen warst. Gibst du gerne Interviews?

Im Prinzip schon. Ein Interview ist für mich ein bisschen wie das echte Leben – wenn jemand sich Gedanken macht und ernsthaft an dir interessiert ist, kann sich ein sehr interessantes, spannendes Gespräch ergeben. Weniger Spaß macht ein Interview, wenn man in eine Art Frage-Antwort-Routine verfällt, weil man immer wieder auf dieselben Fragen antworten muss.

Welche Fragen wären das zum Beispiel?

Ganz typische wie: „Wann hast du mit der Schauspielerei angefangen?“ oder „Worum geht es in deinem neuen Film?“. Ich finde diese Fragen wichtig, schließlich findet man über ein neues Projekt auch immer einen Einstieg in ein Gespräch. Aber ich freue mich, wenn das Interesse eines Interviewers auch darüber hinausgeht.

Um welche anderen Themen geht es häufig noch in deinen Interviews?

Die Frage „Mit welchen Probleme sehen sich farbige Schauspieler in Deutschland konfrontiert?“ taucht natürlich immer wieder auf. Ich finde sie schwierig, weil sie ja impliziert, dass es tatsächlich Probleme gibt.

Also lieber nicht darüber sprechen?

Nein, ich finde es wichtig, mich zu diesem Thema zu äußern – aber vor allem dann, wenn die Frage danach relativ offen gehalten ist. Anstatt mich auf die eventuellen Probleme für farbige Schauspieler anzusprechen, könnte man mich zum Beispiel im Interview nach meinen eigenen Erfahrungen fragen.

Lehnst du Rollenangebote ab, wenn darin deiner Meinung nach zu viele Klischees bedient werden?

Ich sehe mir grundsätzlich alle Rollenangebote sehr genau an, bevor ich zu- oder absage – nicht nur diejenigen, in denen meine Hautfarbe eine Rolle für die Besetzung spielt. Ein Film wird schließlich nicht dadurch interessanter, dass ein Schüler farbig ist, ein Lehrer im Rollstuhl sitzt oder eine Frau als Wissenschaftlerin arbeitet.

Du bist in London geboren und aufgewachsen, wo man meiner Meinung nach in Sachen Casting und Besetzung schon einige Schritte weiter ist. In England wurde der Begriff des „colour-blind casting“ geprägt – das heißt, es wird dort unter Umständen ohne Rücksicht auf die „stimmige“ Hautfarbe besetzt.

 Das stimmt, in England hat man tatsächlich schon fast den Punkt erreicht, wo man sich als Zuschauer nicht mehr Gedanken darüber macht, warum eine Rolle mit einem schwarzen Schauspieler besetzt wurde.

Du hast deine Karriere 2008 als Kindersoldat in dem Kurzfilm STRING PUPPET gespielt, warst 2015 in dem Drama FREISTATT über die folterähnlichen Erziehungsmethoden in einem Erziehungsheim der BRD und 2016 auf der Bühne des Deutschen Theaters Berlin in der Dramatisierung von William Goldings HERR DER FLIEGEN am Deutschen Theater Berlin zu sehen. War es dir wichtig, dich nach so vielen ernsten Rollen in HIGH SOCIETY auch einmal von deiner komischen Seite zu zeigen?

Ich habe 2013 in HANNI NANNI 3 mitgespielt, aber in HIGH SOCIETY bin ich tatsächlich mal in einer klassischen Komödie zu sehen! Das Gesamtpaket hat bei diesem Film einfach gestimmt: Eine tolle Regisseurin, großartige Schauspielkollegen wie Katja Riemann, Iris Berben, Emilia Schüle und Jannis Niewöhner und die Gelegenheit, einen ganzen Sommer über in Berlin drehen zu können.

Die Story von HIGH SOCIETY hat durchaus Ähnlichkeiten mit HANNI UND NANNI: Zwei Mädchen – die eine reich, die andere aus ärmeren Verhältnissen – werden bei der Geburt vertauscht und treffen im jungen Erwachsenenalter auf ihre eigentlichen Familien.

Genau, HIGH SOCIETY ist eine Verwechslungskomödie zwischen Ost- und Westberlin. Ich spiele Siddharta Schlonz, den Sohn von Carmen (Katja Riemann). Während Emilia Schüle als Anabel von Schlacht ein Luxusleben führt, lebt Mama Schlonz zusammen mit ihren Kindern in einer chaotischen Plattenbau-WG.

Du bist wie die beiden jungen Frauen im Film in Berlin aufgewachsen. Wie würdest du dein eigenes Familienumfeld beschreiben?

Ich bin weder in einem besonders reichen, noch in einem besonders benachteiligten Milieu großgeworden. Meine Eltern haben meinen Geschwistern und mir ein Bewusstsein für den Wert von Bildung vermittelt, für das ich ihnen sehr dankbar bin. Wenn man in einem ärmeren Milieu aufwächst, muss das die Lebensqualität eines Menschen meiner Meinung nach nicht zwangsläufig beeinträchtigen. Aber deine Eltern müssen dich auf dem Weg nach oben, der eben nur über Bildung möglich ist, unterstützen. Ansonsten ist die Gefahr, dass man auf die schiefe Bahn gerät, groß.

Haben dich deine Eltern zu hundert Prozent in deinem Wunsch, Schauspieler zu werden, bestärkt?

Ich glaube, es wäre ihnen egal gewesen, für welchen Beruf ich mich letztendlich entschieden hätte – Hauptsache, ich verfolge mein Ziel konsequent. Meine Eltern arbeiten beide nicht in einem künstlerischen Beruf, haben aber immer sehr viel Interesse an meinen Projekten gezeigt.

© Oliver Bloom

Würdest du es als eine glückliche Fügung beschreiben, dass du 2008 für eine Rolle in dem Kurzfilm STRING PUPPET vorgeschlagen wurdest?

Definitiv! Ich hatte damals die große Chance, in die Welt eines gleichaltrigen Jungen einzutauchen, der sein Leben nicht wie man selbst mit Spielen verbringt, sondern gezwungen ist, zu kämpfen und zu töten.

Waren deine Eltern beim Dreh mit am Set?

Nein, und dafür bin ich ihnen bis heute sehr dankbar. Sie hatten immer ein großes Vertrauen in mich und haben mich daher früh zur Selbständigkeit erzogen. Der Ernst der Geschichte, die wir in STRING PUPPET erzählt haben, war mir bewusst – aber ich war eben auch ein kleiner Junge, der eine gute Zeit am Set haben wollte. Wir haben die einzelnen Szenen in den Proben mit dem Regisseur Alexander Frank so erarbeitet, dass sie sich für mich natürlich angefühlt haben.

In einem deiner aktuellsten Projekte, FINITO BABY, hast du mit einem sehr jungen Regisseur Adrian Schwartz zusammengearbeitet. Ein Beziehungsdrama in 7 Kurzfilmminuten, das klingt sehr sportlich.

Adrian habe ich in Berlin kennengelernt – das Drehbuch zu seinem Film hat mich davon überzeugt, dass ich sehr gerne bei diesem Projekt dabei sein wollte. Ich mache keine Unterscheidung zwischen der Arbeit mit einem bereits etablierten und einem Nachwuchsregisseur.

Du warst in den vergangenen Jahren nicht nur in diversen Filmen, sondern auch immer wieder auf der Theaterbühne zu sehen. Was muss in Bezug auf ein neues Projekt gegeben sein, damit du zusagst?

Vor allem muss ich mich mit dem jeweiligen Inhalt identifizieren können. Natürlich hat das Komödie-Genre absolut seinen Platz in der deutschen Filmlandschaft verdient und man kann damit sehr viele Menschen erreichen. Mich reizt es allerdings noch mehr, Teil einer Produktion zu sein, in der ein gesellschaftsrelevantes Thema im Vordergrund steht.

Du bist auf Facebook, Twitter und Instagram aktiv. Welches Bild von dir möchtest du deinen Followern vermitteln?

Ich verfolge keine bestimmte Strategie in Bezug auf meine Social-Media-Aktivitäten, sondern versuche einfach, sehr ehrlich zu sein. Meine Kanäle sind mein Sprachrohr. Während ich bei einem Interview nicht weiß, wie die vor mir gesagten Dinge draußen ankommen, bekomme ich auf meinem Facebook,- Twitter- und Instagram-Kanal ein direktes Feedback von den Leuten, die meine Arbeit verfolgen. Das empfinde ich als etwas sehr Wertvolles.

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Äußerst du dich auch zu aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Entwicklungen auf deinen Accounts?

Auf jeden Fall, denn ich interessiere mich sehr für Politik. Aber ich versuche in den sozialen Netzwerken nicht, meine eigene Meinung mit der einer Partei zu verknüpfen. Ich möchte weniger missionieren, als die Leute zum Denken anregen.

Welches politische Thema ist dir selbst besonders wichtig?

Die Chancenungleichheit in Deutschland. Es darf nicht sein, dass der Bildungsstand der Eltern über die eigene Zukunft entscheidet. Als Schauspieler hat man glücklicherweise eine gewisse Öffentlichkeit. Die sollte man nicht nur zur eigenen Selbstvermarktung nutzen, sondern die Menschen auch für wichtige Themen sensibilisieren.


Langston Uibel auf

Facebook: https://www.facebook.com/langstonuibel/ 

Twitter: https://twitter.com/langstonuibel

Instagram: https://www.instagram.com/langstonuibel/

 

Mehr über ihn erfahrt ihr auf: 

http://www.schwarzberlin.com/schauspieler/langston-uibel/

http://www.17durch2.de/talente/schauspieler/langston-uibel/

Die Kulturflüsterin

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