#Interview mit Verena Altenberger

© Raffael Stiborek
Am 28. September startet Die beste aller Welten, der Debütfilm des österreichischen Regisseurs Adrian Goiginger, in den deutschen Kinos – mit der 29-jährigen Verena Altenberger in einer beeindruckenden Rolle als starke junge Frau, die tagtäglich den Spagat zwischen Drogenabhängigkeit und Mutterrolle meistert. 

Abenteuer möchte Adrian (Jeremy Miliker) von Beruf werden, wenn er groß ist – dann könnte er die Welt von der Herrschaft der Dämonen, die seiner Mutter Helga das Leben schwer machen, befreien. Ein liebevolleres Zuhause wie das des kleinen Adrian kann sich ein Kind kaum wünschen. Und wenn sich die Erwachsenen um ihn herum wieder einmal seltsam verhalten, flüchtet er sich einfach in seine Phantasiewelt.

Der Alltag von Helga und ihrem Partner Günther (Lukas Miko) dreht sich um die Beschaffung ihrer nächsten Drogenrationen. Wie eine böse Macht beherrscht die Heroinsucht das Leben der Familie in Adrian Goigingers herausragendem Debütfilm Die beste aller Welten, der gerade mit dem FIRST STEPS Award 2017 als bester abendfüllender Film ausgezeichnet wurde.

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„Mit einer Kindheit voll Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt aushalten“, hat der deutsche Schriftsteller Jean Paul einmal gesagt. Fernab koventioneller Erzählmuster hat der 26-jährige österreichische Regisseur, der seine eigene Familiengeschichte in diesem Film verarbeitet, Die beste aller Welten größtenteils als faszinierendes Kammerspiel in Helgas Wohnung inszeniert. Auf den ersten Blick ist das Zuhause von Helga und Adrian nichts weiter als eine Messie-Bude. Nachts verwandelt sie sich in eine Drogenhölle, in der die Freunde von Helga und ihrem Lebensgefährten Günther ein- und ausgehen. Andererseits dient die Wohnung aber auch als Abenteuerspielplatz und Refugium für den kleinen Adrian.

Die österreichische Schauspielerin Verena Altenberger war für mich die große Entdeckung der Berlinale, wo Die beste aller Welten in diesem Februar seine Weltpremiere feierte. Wie sie die ganze Klaviatur einer Suchtkrankheit von absoluter Apathie bis hin zu grenzenloser Hysterie dazustellen vermag, ist großes Kino. Verena Altenberger reduziert ihre Rolle jedoch nicht nur auf die Heroinsucht, sondern zeigt die Zerrissenheit einer jungen Frau zwischen der Mutterrolle und ihrer Drogenabhängigkeit auf eine unpathetische, sehr berührende Art und Weise. Dafür bekam sie den Preis als beste Schauspielerin auf dem Moscow International Filmfestival und wurde im Rahmen der Diagonale – Festival des österreichischen Films für ihre herausragende schauspielerische Leistung ausgezeichnet.

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Wer Verena wie ich auf Instagram und Facebook folgt, bekommt eine Ahnung davon, wie gut beschäftigt die 29-jährige gebürtige Salzburger derzeit ist. Gerade hat Verena die zweite Staffel der RTL-Serie Magda macht das schon, in der sie als polnische Pflegekraft das Leben einer deutschen Familie aufmischt, fast abgedreht. Daneben diverse Fotoshootings, Interviewtermine, eine Kinotour zum Start von Die beste aller Welten in Österreich und und und… Ich freue mich daher sehr, dass sie sich die Zeit für ein kleines Interview mit mir genommen hat!

Immer wieder spielen sich in Helgas und Günters Wohnung extreme Szenen vor den Augen des siebenjährigen Adrian ab. Wie habt ihr erwachsenen Darsteller euch zusammen mit Jeremy an diese psychisch wie physisch sehr fordernden Szenen angenähert?

Regisseur Adrian Goiginger erzählt seine Geschichte aus der Sicht des 7-jährigen Kindes, das er damals war. Er selbst hat lange von der Heroinsucht seiner Mutter nichts mitbekommen – für ihn war es normal, dass sie ab und zu einfach so einschlief oder öfter „krank“ war, als andere Erwachsene. Eine gedrückte Stimmung hat sich bei ihm immer nur hinter der verschlossenen Schlafzimmertür eingestellt. Adrian Goiginger beschreibt seine Kindheit als einen großen Abenteuerspielplatz und als solchen haben wir auch das Filmset für Jeremy inszeniert. Ihm wurde nie langweilig, in jeder freien Minute waren wir draußen Fußball spielen oder haben herumgeblödelt. Die ein, zwei schlimmen Szenen, die in seiner tatsächlichen Anwesenheit spielen, waren sehr detailliert mit ihm abgesprochen. Zum Beispiel eine Szene, in der der „Grieche“ (Michael Pink) ihn zwingen will, Wodka zu trinken. Selbstredend war im Glas nur Wasser drin…

Deine Figur Helga hat einige Fehler und Schwächen – durch ihre Drogensucht gefährdet sie darüber hinaus immer wieder das Wohl ihres Sohnes. Warum ist sie deiner Meinung nach aber trotz allem eine gute Mutter?

Weil sie ihren Sohn bedingungslos liebt und wie eine Löwin für ihn und sein Wohl kämpft. Auch wenn ihr das letztendlich nicht immer gelingt.

DIE BESTE ALLER WELTEN beruht auf den wahren Kindheitserlebnissen des Regisseurs des Films, Adrian Goiginger. Kannst du dich noch an deine erste Begegnung mit ihm erinnern und hattest du das Drehbuch zu DIE BESTE ALLER WELTEN zu diesem Zeitpunkt bereits gelesen?

Der Regisseur Adrian Goiginger hat mich ja eher durch Zufall gefunden. Er brauchte für die Einreichung zur Förderung unbedingt eine Hauptdarstellerin und hat „Schauspielerin, Salzburg“ gegoogelt… Da ich Altenberger heiße, hat er mich als erste angesprochen 🙂 Als ich das Drehbuch gelesen hatte, wollte ich die Rolle unbedingt spielen! Dann erst haben wir uns in Salzburg auf einen Kaffee getroffen und sind so zusammengekommen.

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Dieser Film hat mich vor allem so berührt, weil Helga trotz ihrer schwierigen Situation immer wieder für zauberhafte Momente im Leben ihres Sohnes sorgt. Wie wichtig war es für dich vor dem Drehbeginn, dich mit dem Leben der wahren Helga Wachter zu beschäftigen?

Ich habe mich in der Vorbereitung sehr eng an der echten Helga Wachter orientiert. Viele Tagebücher, Briefe, Fotos, Videos und noch lebende Freunde und Verwandte und nicht zuletzt natürlich Adrian Goiginger haben mir dabei geholfen. In den Vorbereitungen zum Dreh kam dann der Momente, wo Adrian Goiginger sagte, jetzt müsse ich „meine Helga“ finden und er hat mich einfach spielen lassen. Das war ein großer Vertrauensbeweis und als er in einer Szene sagte, „so hätte Helga das auch gemacht“, war das das größte Kompliment für meine Arbeit.

Wie stark war die äußere Wandlung, die du vollziehen musstest? 

Sehr stark! Ich habe mich körperlich total vernachlässigt, bin nicht mehr zum Friseur gegangen, habe sieben Kilo abgenommen, mich so richtig „runtergerockt“. Mit meinem Filmsohn Jeremy zusammen habe ich sogar mal fürs Mittagsessen Flaschen gesammelt.

Du bist wie der Regisseur Adrian Goiginger in Salzburg geboren und aufgewachsen. Deine eigene Kindheit verlief aber vermutlich etwas anders. 

Ja, vollkommen anders. Die eintönigen, zum Teil heruntergekommenen Randbezirke von Salzburg sind aber damals wie heute Realität – und Menschen am Rande der Gesellschaft fallen dort weniger auf als in den schmucken Bezirken.

Was ist das Entscheidendste, das dir deine eigenen Eltern in deiner Kindheit und Jugend mit auf den Weg gegeben haben?

Sie haben mir Selbstvertrauen mitgegeben. Das elterliche Credo war immer: Wenn du etwas tust, dann tu es richtig. Und das habe ich beherzigt.

 

Liebe Verena, ich danke dir ganz herzlich für das Interview und hoffe, dass Die beste aller Welten überall auf so ein offenes, interessiertes Publikum trifft, wie ich es auf der Berlinale erlebt habe! 


Weitere Informationen zu Die beste aller Welten und zu Verena Altenberger: 

diebesteallerwelten.at/

Instagram: https://www.instagram.com/dbaw_film/

Facebook: https://www.facebook.com/DBAWFilm/ (dort findet ihr auch alle Kinotour-Termine in Deutschland in den nächsten Wochen)

http://verena-altenberger.com

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Magda macht das schon: http://www.rtl.de/cms/sendungen/comedy/magda-macht-das-schon.html

 

Die Kulturflüsterin

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