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Adventsflüsterei 2021: HOFFNUNG

© Georg Gaigl

“auch immer”: So lautet der Titel eines Bildes des Künstlers Georg Gaigl, das er mir für die zweite Adventswoche meiner Adventsaktion 2021 zur Verfügung gestellt hat.

Sie steht ganz im Zeichen der Hoffnung – ein Gefühl, das viele von uns inmitten all der derzeitigen Schreckensszenarien, der Verzweiflung, Panik und Mutlosigkeit nicht mehr zu spüren wagen.

Hoffnung – auch immer

von Georg Gaigl

“Ich sitze in der U-Bahn und scrolle durch die Nachrichtenforen meines Smartphones: Die Welt am Abgrund, heißt es da. Was sind wir doch für eine hoffnungslose Spezies! An der Station „Münchner Freiheit“ springt ein Mann im letzten Moment durch die sich schließende Tür, seine Begleitung dagegen weicht im letzten Moment zurück und bleibt draußen. Beide zerren von außen und von innen an den Türgriffen. Nichts zu machen, die Tür ist zu. Verzweifelt gestikulieren sie Zeichen, aber verstehen sich nicht. Plötzlich ertönt durch den Lautsprecher eine Stimme: „Dann san ma halt net so!“ Die Tür entriegelt sich und die beiden umarmen sich erleichtert. Die Leute in der U-Bahn freuen sich, ich mich auch.

Dann sind wir halt nicht so! Eine kleine Geste und die Welt ist für die beiden wieder in Ordnung. Mit ein wenig Großmut – könnte das auch für die ganze Welt gelten? Wie auch immer.

„auch immer“ heißt es auf meinem ausgewählten Bild. Was auch immer? Ein Art Schleier verweht die freie Sicht. Ein rotes Kanu scheint im Wasser zu liegen. In Gedanken stoße ich es vom Ufer ab und steige ein. Ich lasse mich treiben, hinein ins Bild, in sein Geheimnis, wohin auch immer”

Den Künstler Georg Gaigl lernte ich als äußerst engagierten Lehrer und sehr vielseitigen Künstler während meiner Schulzeit am Schyren-Gymnasium Pfaffenhofen an der Ilm kennen. Georg hat mit der Décalcage eine sehr individuelle künstlerische Arbeitstechnik entwickelt, die es ihm auf außergewöhnliche Art und Weise ermöglicht, die bewusste Komposition und den Zufall in seinen Bildern zu vereinen. Er entwirft seine künstlerischen Werke zunächst als Collagen am Computer und setzt sie dort wie eine Art Komposition aus Texturen, Worten, Landschaften und zeitgenössischen und historischen Fotografien von Personen, Häusern und Gegenständen zusammen. Die digitalen Bilder lässt Georg Gaigl anschließend in der gewünschten Größe auf einem für den nächsten Arbeitsschritt geeigneten Papier mit UV-beständigen Farbenseiten verkehrt plotten und klebt den Ausdruck mit der Bildseite auf eine Holzplatte.

Während der Klebstoff austrocknet, verbindet sich die Farbe des Ausdrucks mit dem Holz. Den Zellstoff entfernt Georg Gaigl anschließend von der Rückseite des aufgetragenen Papiers und löst die Papierschichten mit Flüssigkeit an. Anschließend trägt er sie mit einem Schwamm und den Fingern ganz behutsam wieder ab. Jedes Mal, wenn er ein Bild über viele Stunden hinweg freilegt, lässt sich nicht mit absoluter Bestimmtheit vorhersagen, was nachher darauf zu sehen ist: Zufällige weiße Schrammen. Risse. Ritzen. Kleinste Papierreste. Die Décalcage ist ein spannender künstlerischer Prozess, der seine Kraft aus dem Vertrauen in die Schönheit des Zufalls speist.

Wer Georg wie ich auf seinen Instagram-Kanälen folgt, wird dort auch auf seine grandiose Medienkunstwerke aufmerksam: Auf  phasetrace präsentiert er aktuell anhand von 12 Bildern in jeweils zwei Sekunden seine „two-second-flicks“ im Format minimalistischer Filmskizzen. Die handelnden Figuren wurden vor einem monochromen Hintergrund freigestellt. Als Titel seiner „two-second-flicks“ dienen Georg Gaigl oft verfremdete Zitate wie “saying alive”, die auf einer begleitenden Tonspur eingesprochen und manchmal auch grafisch im Film wiedergegeben werden. In seinen Kurzvideos nimmt Georg Gaigl Bezug zu aktuellen Themen, die sich mit unserer gegenwärtigen Medienlandschaft und mit der Rezeption von Medieninhalten beschäftigen.

Im Rahmen meiner Adventskalender-Aktion hat Georg Gaigl übrigens eine besondere Spendenaktion gestartet: Auf seiner Website verkauft er eine signierte Künstleredition seines Fine Art Pigment-Prints auch immer.

“auch immer”, signierte Künstleredition,
Auflage 50, 30 x 21 cm,
Fine Art Pigment-Print,
lichtbeständige Farben,
auf Hahnemühle Büttenpapier, 308 g,
70 €, ohne Rahmen, zzgl. Versandkosten

Der Erlös des Editionen-Verkaufs geht an
den gemeinnützigen Verein KulturRaum München e.V,
der Kindern aus einkommensschwachen Familien
kostenfreie Karten für Kulturerlebnisse vermittelt.

Hier könnt ihr die Edition bestellen.

*Update: Ein ganz herzliches Dankeschön für eure Teilnahme an der Spendenaktion und die 560€, die dabei zusammen kamen! 


Weitere Informationen zu Georg Gaigl: 

https://www.georggaigl.de/

georggaigl 

phasetrace

metamorph.diar

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