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Adventsgeflüster #1: Ahrenshoop, mon amour

Meer, meilenweite Strände, Film und Kunst: Eine Liebeserklärung an das Ostseebad Ahrenshoop in fünf Kapiteln…

KAPITEL I: GUTEN MORGEN SONNENSCHEIN

  • „Wohin fährst du, an die Ostsee? Im November?“ (Diverse Bekannte und Freunde)
  • „In Ahrenshoop ist immer Nebel“ (Eine sehr gute Freundin)
  • „Dann bleibst du halt im Hotel und liest ein gutes Buch“ (Eine Arbeitskollegin)

13. November 2019: Ankunft im Künstlerdorf Ahrenshoop auf der Halbinselkette Fischland-Darß-Zingst. Strahlender Sonnenschein, keine Wolke am Himmel und der kilometerlange Sandstrand vor mir. Es scheint, als mache der Herbst eine Pause – und ich kann erst einmal stundenlang am Meer entlang spazieren. Direkt hinter meiner Unterkunft, der sehr empfehlenswerten Pension Nordlicht, beginnt der Strand, der westwärts auf der Steilküste des Hohen Ufers oder direkt am Wasser entlang Richtung Wustrow und ostwärts in Richtung des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft führt. Ich laufe an diesem ersten Nachmittag in Ahrenshoop Richtung Westen und erlebe einen der schönsten Sonnenuntergänge meines bisherigen Lebens: Wie ein Gemälde von Caspar David Friedrich liegt die Steilküste des 650-Seelen-Ortes im glutroten Schimmer vor mir. Es waren unter anderem die außergewöhnlichen Lichtstimmungen, die den Maler Paul Müller-Kaempff Ende des 19. Jahrhunderts dazu bewogen, an diesem unberührten Ort zwischen Meer und Bodden eine Künstlerkolonie zu gründen. Die Ursprünge der Kolonie liegen in einer europäischen Bewegung, die sich in den 1830er Jahren im französischen Barbizon formierte. Die Sehnsucht nach einem einfachen Leben im Einklang mit der Natur bewog viele Künstler dazu, den großen Städten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts den Rücken zu kehren und in die Provinz abzuwandern.

© Ostsee.de

Müller-Kaempff wurde bei einer Wanderung mit seinem Studienfreund Oskar Frenzel im Jahr 1889 zum ersten Mal auf Ahrenshoop aufmerksam. 1892 baute er sich ein eigenes Pensions- und Atelierhaus in diesem bis dahin von bäuerlichen Leben geprägten Umfeld und eröffnete 1894 die Malschule Sankt Lucas, die heute als Künstlerhaus Lukas bekannt ist und bildenden Künstler*innen, Autor*innen, Komponist*innen und Tanzperformer*innen sowie Kurator*innen aus ganz Deutschland und vielen Ländern Nordeuropas im Rahmen von Stipendien ein- bis zweimonatige Arbeitsaufenthalte in Ahrenshoop ermöglicht.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zogen der Ort und seine Umgebung zahlreiche Künstler wie Louis Douzette, Friedrich Grebe, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Elisabeth von Eicken oder Dora Koch-Stetter an. Am 11. Juli 1909 eröffnen Paul Müller-Kaempff und Theobald Schorn die erste Galerie von Ahrenshoop, den noch heute existierenden Kunstkaten. Das kleine Dorf an der Ostsee mag zwar damals weit weg sein von den Schauplätzen des ersten Weltkriegs – doch auch hier hinterließ der Krieg seine Spuren und viele Künstler verließen Ahrenshoop in den 1910er Jahren. Die Ausstellung im Kunstkaten wurde 1918 aufgelöst, erst 1946 begann dort der Kunstbetrieb wieder. Mit dem Ersten Weltkrieg fand die Vision einer Künstlerkolonie in Ahrenshoop ein jähes Ende.

Heute kann man auf dem Kunstpfad Ahrenshoop, der anlässlich des 125jährigen Jubiläums der Künstlerkolonie Ahrenshoop im Jahr 2017 errichtet wurde, auf den Spuren der Maler, die sich hier in den Anfangsjahren des Künstlerdorfes niederließen, wandeln und zehn Werke namhafter Künstler am Standort ihres Entstehens bestaunen.

 

KAPITEL II: „NEUE WEGE ENTSTEHEN, INDEM WIR SIE GEHEN“ (FRIEDRICH NIETZSCHE)

Zugegebermaßen ist der Weg von München nach Ahrenshoop nicht gerade der kürzeste und einfachste. Die benötigten 14 Stunden Bahnfahrt waren der Grund dafür, mich trotz schlechten Gewissens letztendlich für einen rund einstündigen Flug nach Rostock-Laage zu entscheiden. Von dort aus geht es mit einem Shuttlebus weiter zum Rostocker Hauptbahnhof, anschließend mit der Regionalbahn nach Ribnitz-Damgarten und zuletzt mit dem Bus in das von dort aus rund 30km entfernte Ahrenshoop. Einen halben Tag kann man für die Anreise aus München nach Ahrenshoop locker einplanen, denn der Regionalzug nach Ribnitz-Damgarten verkehrt tagsüber nicht jede Stunde. Ist man aber dann endlich in dem kleinen Ort an der Ostsee angekommen, entschädigen ein Spaziergang durch Ahrenshop und der erste Blick aufs Meer für alle Anreise-Strapazen. Auf rund 650 Einwohner kommen über das Jahr verteilt 365.000 Touristen – und viele Urlauber haben mittlerweile begriffen, dass die Ostsee im Herbst und Winter ihren ganz eigenen Reiz hat. So sind die Straßen und Restaurants in Ahrenshoop Mitte November keineswegs gespenstisch leer, aber auch nicht überfüllt wie in den Sommermonaten.

Ahrenshoop liegt auf einer schmalen Landzunge: Nur 800 Meter trennen die Ostsee vom Bodden, der mit seinen Schilfflächen Rückzugsort und Lebensraum vieler seltener Tiere und Pflanzen ist. Auf der Boddenseite befindet sich der kleine Hafen von Ahrenshoop-Althagen mit seinen typischen, in das Wasser gebauten Bootshäusern.

Ich fühle mich vom ersten Augenblick an unglaublich wohl an diesem Ort. Stundenlang wandere ich an meinen ersten beiden Urlaubstagen entlang des Strandes Richtung Wustrow und Richtung Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und am dritten Tag über den Boddenwanderweg nach Born am Darß und zurück. Sich durch diese majestätische Landschaft zu bewegen, fühlt sich an wie eine intensive Meditation, durch die ich so viel Kraft und positive Energie tanke, wie selten zuvor auf einer Wanderung.

KAPITEL III: „WIE IST ER DENN NUN, DER OSTDEUTSCHE?“

„Wir sind damals nicht für die Wiedervereinigung, sondern für bessere Lebensbedingungen in der DDR auf die Straße gegangen“. Meine Beschäftigung mit der DDR-Vergangenheit in einer Region, die heute zu einem der beliebtesten Urlaubsziele in ganz Deutschland zählt, beginnt bereits kurz nach meiner Ankunft am Flughafen Rostock. „Wissen Sie, dass sie hier mit dem am besten bewerteten Taxiunternehmen des Nordens unterwegs sind?“, fragt mich mein Taxifahrer, der mir im Laufe der rund 35minütigen Tour vom Flughafen bis zum Rostocker Hauptbahnhof seine gesamte Lebensgeschichte erzählt. Wie die meisten männlichen Vorfahren in seiner Familie fuhr auch er zur See und arbeitete lange Zeit als Lotse, was, wie ich bei diesem Gespräch lerne, in Seefahrerkreisen eine große Ehre ist. Während der Kapitän eines Schiffes genaue Kenntnis über Mannschaft, Schiff und Ladung hat, bringt der Lotse das nötige Fachwissen über das zu befahrende Revier mit. Ähnlich wie bei den Fluglotsen unterliegt auch die Auswahl der Schiffslotsen hohen Anforderungen, die nur wenige Kandidaten pro Jahr erfüllen. Zum Taxi fahren kam mein Taxifahrer erst in der Rente, wie er mir erzählt. Untätig zu Hause sitzen, das sei nichts für ihn. Neben seinem Job als Lotse hat er früh damit begonnen, als Fotograf zu arbeiten. Er begleitete unter anderem 1989 die Montagsdemonstrationen in Leipzig mit seiner Kamera. Mir wird durch diese unerwartete Begegnung mit dem wohl auskunftsfreudigsten Taxifahrer des Nordens bewusst, was für einen großen Unterschied es als Tourist macht, ob man seinen Urlaub an der Ostseeküste in Schleswig-Holstein oder in Mecklenburg-Vorpommern verbringt. Während die Mecklenburgische Küste in der DDR-Zeit Sperrzone war und der Großteil später zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, strömten nach dem Zweiten Weltkrieg viele Touristen an die Lübecker Bucht, um sich rund um die „Badewanne Hamburgs“ zu erholen.

Urlaub am Meer gehörte in der DDR, die über 360 Kilometer Strand und Küste verfügte, zu einem seltenen Luxus. Höchstens alle vier Jahre konnten die DDR-Bürger auf ein Urlaubs-Quartier in einem der Ostseebäder hoffen. Durch die staatsgesteuerte Total-Erfassung aller Quartiere in den Orten entlang der Ostseekünste und die Regelung, dass Einheimische nur einmal im Jahr privaten Besuch beherbergen dürfen, lag die Entwicklung des Tourismus in dieser Region allein in der Hand der DDR-Führung. Alle übrigen privat untergebrachten Gäste benötigen einen von den Gemeindeverwaltungen ausgestellten Quartierschein. der in der Urlaubszeit wichtiger war, als der eigene Personal- oder Parteiausweis.

Wer diesen beispielsweise auf der Insel Hiddensee nicht vorweisen konnte, zahlte 500 Mark Strafe und musste die Insel mit dem nächsten Schiff verlassen. Diejenigen Urlauber, die es ans Ziel ihrer Träume von Strand und Erholung geschafft hatten, erwartete dort allerdings nicht immer eine Entspannung vom DDR-Alltag. Versorgungsmängel und Verteilungspannen gab es auch am Ostsee-Strand – und auch auf das Schlangestehen vor überfüllten Restaurants und belagerten Kiosken musste man sich als DDR-Bürger im Urlaub einstellen.

Aus dem Künstlerort Ahrenshoop sollte nach 1947 ein „Bad der Intelligenz“ werden. Bekannte Autoren wie Johannes R. Becher, Bertolt Brecht oder Christa Wolf begaben sich damals hierhin in die Sommerfrische. Schließlich erklärte die DDR-Führung das Künstlerort zum „Bad der Kulturschaffenden“, in das vor allem linientreue, aber auch aber auch dem System gegenüber kritisch eingestellte Künstler kamen. Diese allerdings mussten ihren Aufenthalt meist geheim halten und konnten sich häufig nur deshalb länger in Ahrenshoop aufhalten, weil es engagierte Bürger gab, die sie trotz der zu befürchtenden Repressalien heimlich privat bei sich unterbrachten.

Dass man weder damals, wie heute über „den Ostdeutschen“ oder „die Ostdeutsche“ sprechen kann, macht ein außergewöhnlicher Dokumentarfilm, der in diesem Jahr im Rahmen der 15. Ahrenshooper Filmnächte gezeigt wurde, mehr als klar: Die renommierte Filmemacherin Annekatrin Hendel, die selbst im Osten aufgewachsen ist, beobachtet in Schönheit&Vergänglichkeit unter anderem Sven Marquardt, den wohl bekanntesten Türsteher der Welt, bei seinem Tagesgeschäft: Denn er bewacht nicht nur die Tür des Berliner Technoclubs Berghain, sondern arbeitet parallel seit vielen Jahrzehnten als Fotograf. Lange vor der Wende begann Marquardt damit, die Ostberliner Subkultur und ihre Protagonist*innen in seinen beeindruckenden schwarz-weiß Bildern festzuhalten. Er war jedoch kein reiner Beobachter, sondern zählte auch selbst zu einer Punkszene in der DDR, die eine Gruppe von rund 150 Mitgliedern umfasste. Genau so spannend wie Marquardts Leben ist das eines seiner früheren Lieblingsmodelle, Dominique Hollenstein – genannt Dome. Und das des Punk Robert Paris, der wie Marquardt selbst fotografierte und ihm immer wieder Modell stand.

Schönheit&Vergänglichkeit ist nicht in erster Linie ein Film über den Osten, sondern das Porträt dreier unangepasster, außergewöhnlicher Künstlerpersönlichkeiten, die nach der Wende unterschiedliche Wege fanden, mit dem Verlust ihrer Heimat umzugehen. Während sich Sven Marquardt und Dome sehr gut in dem turbokapitalistischen System eingerichtet haben, ohne ihre anarchische Lebenseinstellung dabei komplett zu verraten, spürt man bei in den Interviews mit Robert Paris, der Anfang der 1990er Jahre nach Indien floh und heute den wohl konventionellsten Lebensweg der drei ehemaliger Punker eingeschlagen hat, eine große Melancholie. Für Paris war es weniger der Verlust des DDR-Systems, als die radikale Veränderung seiner Stadt Berlin, mit der er im Zuge der Wiedervereinigung zu kämpfen hatte. Am 05.12.2919 startet Schönheit&Vergänglichkeit in den deutschen Kinos: Ich hoffe, dass dieser Film gerade in westdeutschen Schulen zum Schulstoff wird, weil er in einer sehr unprätentiösen Art und Weise eine Welt zeigt, die es neben Stasi, Intershops und der Mauer eben auch gab in der DDR.

© Real Fiction Filme

KAPITEL IV: FILME SCHAUEN IM GRANDHOTEL

Was macht man, wenn man in einem kleinen Dorf ein Filmfestival etablieren will, aber meilenweit kein Kino zu finden ist? Richtig, man geht einfach in den Veranstaltungssaal eines Grandhotel! Schließlich können hier alle Festivalgäste quasi direkt vom Hotelzimmer in den Kinosaal und zurück gehen – und um die exzellente Verköstigung der Filmliebhaber braucht man sich ebenfalls nicht zu sorgen. Zum 15. Mal haben in diesem Jahr die Ahrenshooper Filmnächter stattgefunden – erstmalig im November, anstatt wie üblich im September. Lange Zeit dienten die Ahrenshooper Strandhalle und das Kurhaus-Hotel einmal im Jahr als Treffpunkt für Cineasten in Ahrenshoop, bis 2012 der Umzug des Festivals in das The Grand Ahrenshoop erfolgte.

Volker Kufahl, künstlerischer Leiter der Ahrenshooper Filmnächte und Geschäftsführer der FILMLAND MV GmbH, hat auch 2019 wieder ein außergewöhnliches, vielfältiges Programm für dieses kleine, sehr feine Festival zusammengestellt. Sechs deutsche Filmproduktionen sind im Wettbewerbsprogramm zu sehen gewesen, dazu kommen drei Filme von Stipendiaten des Künstlerhauses Lukas, die im Sonderprogramm liefen. Mich begeistert die Offenheit, mit der sich die Zuschauer auf jeden der in ihrer Machtart, Dramaturgie und Figurenentwicklung oft sehr ungewöhnlichen Filme einlassen. Wenn man im Veranstaltungssaal des „The Grand Ahrenshoop“ um sich herum blickt, wird einem klar, dass man es hier mit einem kulturell interessierten und sehr anspruchsvollen Besucher-Klientel zu tun hat. Ich freue mich vor allem darüber, dass ich im Rahmen dieses Festivals auf die Münchner Regisseurin Mariko Minoguchi treffe, die ich während meines Studiums an der Hochschule für Fernsehen und Film kennengelernte. Eine Frau mit Migrationshintergrund, die gerade ihren ersten Langspielfilm realisiert und keine Filmhochschul-Ausbildung absolviert hat: Mehr Vermarktungspotential geht kaum, meint Mariko scherzhaft über sich selbst, als ich am Rande der Filmnächte mit ihr ins Gespräch über Filmmarketing und die derzeitigen Herausforderungen, mit denen sich Filmverleiher konfrontiert sehen, komme. Vor wenigen Tagen ist ihr Film Mein Ende. Dein Anfang in den deutschen Kinos gestartet: Wie kaum eine andere Regisseurin ihrer Generation vermag es die 31-jährige, Geschichten zwischen Fantasie und Realität auf der Leinwand zu erzählen und die inneren Empfindungen ihrer Protagonisten auf eine ganz eigene, sehr intensive Art und Weise für den Zuschauer spürbar zu machen. Vor allem aber sind Marikos Werke wie der Kurzfilm Karlstod mit Juliane Köhler und Matthias Brandt aus dem Jahr 2011 immer ein Ausdruck von Marikos herausragendem Talent, Schauspieler so zu führen, dass sie in ungeahnte emotionale Tiefen abtauchen können.

Mit Saskia Rosendahl als Nora, Julius Feldmeier als Aron und Edin Hasanovic als Natan hat Mariko in Mein Ende. Dein Anfang drei herausragende junge Darsteller für ihre tragische Dreiecksgeschichte gefunden. Dieser Film erzählt eine Geschichte über Zufälle und Schicksal, über die ganz große Liebe und ihren Verlust. Und über die Fähigkeit, eine schreckliche Erfahrung durch eine großherzige, mutige Entscheidung in etwas Positives umzukehren. Nachdem Nora und Aron sich zum ersten Mal in der U-Bahn gesehen haben, ist es um sie geschehen. Auf eine Zeit der Unbeschwertheit folgt das tragische Ende ihrer noch jungen Liebe: Aaron kommt bei einem Banküberfall ums Leben. Saskia findet in ihrem grenzenlosen Schmerz bei Natan Halt – bis ihr klar wird, dass sie sich schon einmal in einem anderen Zusammenhang begegnet sind… Mein Ende. Dein Anfang ist ein kluger, philosophischer und sehr emotionaler Film, der lange nachwirkt. Gefühlskino der wahrhaftigen Art, beeindruckend und unverkitscht erzählt. Zu Recht gab es für Marino Minoguchi und Saskia Rosendahl, die zusammen mit der Regisseurin in Ahrenshoop anwesend war, den Publikumspreis der 15. Ahrenshooper Filmnächte.

P.S.: Das The Grand Ahrenshoop hat übrigens mit Oliver Schmidt den coolsten Hoteldirektor überhaupt! Die langen Haare, der Bart, die Tattoos und das Motorrad als Dienstfahrzeug sind jedoch nicht das einzige, was den Chef diesen renommierten Hotels auszeichnet: Mit derselben Energie und Leidenschaft, mit der Oliver Schmidt seinen Betrieb führt, gibt er auch alles dafür, dass die Ahrenshooper Filmnächte jedes Jahr zu einem großen Erfolg werden können. Gerade ist eine Doku über den ungewöhnlichen Hoteldirektor in der NDR-Mediathek zu sehen.

KAPITEL V: EINE TOUR DURCH DEN ORT

An meinem letzten Tag in Ahrenshoop wartete noch ein ganz besonderes Highlight auf mich: Eine Ortsbesichtigung mit Andrea Krüger, die als Pressesprecherin bei der Kurverwaltung Ahrenshoop beschäftigt ist. Die Kurverwaltung kümmert sich um alle touristischen Belange rund um den Ort und bietet unter anderem jeden Mittwoch um 10 Uhr einen zweistündigen Rundgang mit den Mitarbeitern der Gästeinformation an. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Angebote für die Besucher von Ahrenshoop wie einen sehr spannenden Audioguide: Denn als ehemalige Künstlerkolonie, Grenzort zwischen Mecklenburg und Pommern sowie Kulturbund-Standort in der DDR hat das Dorf so einige Geschichten zu erzählen. Ich laufe mit Andrea Krüger hinauf zum Grenzweg, der gemeinsam mit dem Grenzgraben die ehemalige Grenze zwischen Mecklenburg und (Vor-)Pommern bildet. Heute verbindet der Grenzweg als Promenade die Ortsteile Ahrenshoop und Althagen.

Wir laufen wieder Richtung der Hauptstraße von Ahrenshoop und machen Halt in einem der schönsten Künstlerhäuser, die ich je gesehen habe: In der Galerie des Dornenhaus werden seit 1998 wechselnde Ausstellungen von meist zeitgenössischen bildenden Künstlern präsentiert. Darüber hinaus verkaufen die Besitzer des wohl ältesten Rohrdachhauses von Althagen, Friedemann und Renate Löber, im Atelier im Vorderhaus des Dornenhaus Kunstobjekte und einzigartige Keramikgegenstände an. Erfunden wurde die sogenannte „Fischlandkeramik“ 1955 von den Eltern des Keramikers Friedemann Löber, der Malerin Frida Löber und dem dem Bildhauer und Keramiker Wilhelm Löber sowie dem Maler Arnold Klünder. Die unverwechselbare, blaugraue Gebrauchskeramik zeichnet sich durch ihre aufwändige Aufglasurmalerei mit Ritztechnik aus. Als Dekor zieren die Vasen, Gläser oder Teller meist ein Fisch, eine Mücke/ Libelle, ein Dreiblatt, eine Spirale oder ein Motiv, das von der Landschaft des Nordens geprägt ist wie ein Kranich, Zeesen oder Blüten. Ich nehme an diesem Vormittag einen wunderschönen Engel mit nach Hause.

Vorbei am Kunstmuseum von Ahrenshoop, das einen sehr interessanten Einblick in die Entwicklung der Künstlerkolonie gewährt und wechselnde Ausstellungen präsentiert, geht es zurück in die Ortsmitte von Ahrenshoop – welch ein toller Rundgang bei strahlendem Sonnenschein!

Ahrenshoop, du hast mein Herz im Sturm erobert! Wären mir die Berge nicht so wichtig, würde ich sofort an die Ostsee ziehen. Zumindest werde ich ab jetzt jedes Jahr mindestens einmal im Jahr in diese Gegend reisen – versprochen.


Weitere Infos unter: 

https://www.ostseebad-ahrenshoop.de/

Facebook @ostseebad.ahrenshoop

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