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Dortmund, #wieschön du bist!

Noch bis 23. Juni ist im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte mit „Rausch der Schönheit. Die Kunst des Jugendstils“ eine Ausstellung zu sehen, die einen umfassenden Überblick über die kunstgeschichtliche Epoche an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bietet. Ein Rückblick auf eine ganz besondere Blogger-Reise, zu der uns das Museum eingeladen hat…

„Dortmund, seien wir offen! Dortmund als Ganzes genommen ist keine schöne Stadt“

Besser als der Stadtbaurat Hans Strobel (1881-1953) hätte ich meine Gefühle nicht in Worte fassen können, als ich mich an meinem ersten Tag in Dortmund auf einen kleinen Spaziergang durch die Innenstadt begab. Hier also sollten irgendwo die schönen Jugendstil-Häuser sein, die das Museum für Kunst und Kulturgeschichte in seiner Einladung zu seiner ersten Blogger-Reise anlässlich der Ausstellung „Rausch der Schönheit. Die Kunst des Jugendstils“ erwähnt hatte. Ehrlich gesagt ließ mich diese Stadt auf den ersten Blick nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbrechen. Trotz des schönen Wetters wirkte Dortmund grau, eintönig und wenig einladend. Doch schon nach wenigen Minuten änderte sich meine Stimmung, als ich das erste Geschäft betrat. Die ungekünstelte Freundlichkeit der Kassiererin war mir sofort sympathisch – auch im nächsten und übernächsten Geschäft war ich von der Herzlichkeit der Dortmunder begeistert. „Wenn es um Fußball geht, zählen sich die Bewohner der Stadt ganz klar zum Ruhrgebiet“, sagt Sigrun Späte, Pressesprecherin der DORTMUNDtourismus GmbH, mit der ich am Abend ins Gespräch komme. „Sobald es aber um wirtschaftliche Belange geht, wird Dortmund gerne als Teil von Westfalen angesehen“. Die knapp 600.000 Einwohner zählende Stadt in Nordrhein-Westfalen ist Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr mit rund elf Millionen Einwohnern und nach Fläche und Einwohnerzahl die größte Stadt im Ruhrgebiet.

Als mich die Autorin und Kunstvermittlerin Anke von Heyl – in den sozialen Netzwerken besser bekannt als Kulturtussi – vor einigen Monaten anschrieb und mir von der geplanten Blogger-Reise nach Dortmund erzählte, habe ich sofort zugesagt. Ich war zwar schon in Neuseeland, Kanada und Kuba, aber noch nie in meinem Leben im Ruhrgebiet. Und das, obwohl hier mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen jährliches eines der wichtigsten deutschen Theaterfestivals stattfindet.

Eine Blogger-Reise ist immer ein Wagnis – sowohl für die Teilnehmenden, als auch für den Veranstalter. Schließlich weiß man auch bei der sorgfältigsten Auswahl der Eingeladenen nie, wie sich die Stimmung innerhalb der Gruppe entwickeln wird, ob das Programm den Schreiberlingen zusagt und wie offen diese auf die Mitarbeiter einer Kulturinstitution zugehen. Nachdem bereits meine erste Reise dieser Art zu dem in ostwestfälischen Stadt Herford gelegenen Museum Marta Herford ein voller Erfolg war und ich dort unter anderem Bekanntschaft von so spannenden Leuten wie Anke von Heyl machen durfte, freute ich mich umso mehr darauf, mich in Dortmund auf die Spuren des Jugendstil begeben zu dürfen.

Seit 2016 ist Dr. Jens Stöcker der neue Leiter des Museums im Herzen der Dortmunder Innenstadt, das seinen Ursprung im Jahre 1883 hat. Der erste Museumsleiter Albert Baum baute damals eine umfangreiche Sammlung auf. Ein wesentliches Ziel war die Dienstbarkeit des Museums für die Gegenwart und so kam es zum Wunsch nach der Errichtung eines „Gewerbemuseums für die Provinz Westfalen“. Diese Idee findet sich heute in der Namensgebung des Museums wieder. Seit ein großer Teil der Bestände in das ehemalige Reichsbankgebäude am Königswall umziehen musste, wurde es ab 1905 in „Städtisches Kunst- und Gewerbemuseum“ umbenannt. Nach mehreren Ortswechseln befindet sich das Museum für Kunst und Kulturgeschichte heute seit seinem hundertjährigen Bestehen im Jahr 1983 am heutigen Standort in der Hansastrasse 3.

Schon die erste Begegnung mit den anderen eingeladenen Bloggern an diesem Wochenende war sehr vielversprechend: Einige von Ihnen wie Kai Eric Schwichtenberg, der den Kunstblog Retrospektiven betreibt, oder Angelika Schoder von mus.er.me.ku kenne ich bereits aus den sozialen Netzwerken – auf die Accounts anderer Teilnehmern der Blogger-Reise wie Katharina, die mit @artnouveaukathi ein sehr beeindruckendes Profil auf Instagram aufgebaut hat, auf dem sie sich ihrer Jugendstil-Leidenschaft widmet, wurde ich erst durch das Wochenende in Dortmund aufmerksam. Welch ungeahnte berufliche Perspektiven sich durch die Begeisterung für den Jugendstil ergeben können, zeigt das Beispiel der Niederländerin Olga Harmsen, die auf ihrem Blog About Art Nouveau für ihre aussergewöhnliche Geschäftsidee wirbt: Olga machte sich vor Jahren als Innenarchitektin für Jugendstil selbstständig und entdeckte damit eine absolute Marktlücke. Heute stattet sie ganze Häuser oder Teile davon für ihre Kunden aus und hat sich in Europa ein breites Netzwerk an Lieferanten der entsprechenden Möbel und Wandverkleidungen aufgebaut. So viel Leidenschaft für eine kunstgeschichtliche Epoche, die ihren Höhepunkt an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert erlebte, fand ich zugegebenermaßen zunächst ein bisschen seltsam. Andererseits bewunderte ich Kathi und Olga für ihr umfangreiches Wissen über die Verbreitung des Jugendstil in anderen europäischen Ländern und ihren besonderen Blick auf die Eigenheiten eines jeden Gebäudes und einer jeden Hausfassade, die wir an diesem Wochenende auf unserem Streifzug passierten. Und es sollte nicht lang dauern, bis ich sehr genau nachvollziehen konnte, warum die beiden eine so große Leidenschaft für diesen Bau- und Einrichtungsstil empfinden.

Meine lebhafteste Erinnerung, die ich mit dem Jugendstil verbinde, stammt aus einem Urlaub in der lettischen Hauptstadt Riga 2016. Der russische Architekt Michail Eisenstein wurde 1893 Baustadtrat in Riga und ließ allein rund 50 Häuser mit wunderschön gestalteten Fassaden bauen. Heute zählt man rund 800 Jugendstil-Gebäude in der Stadt und rund um die Elisabethstraße befinden sich lange Straßenzüge mit prunkvollen Wohnhäusern. Das Riga Art Noveau Museum, zu dessen Interieur authentische Möbelstücke der Rigenser vom Anfang des 20. Jahrhunderts sowie Geschirr, Kunstwerke, Uhren, Kleidung, Stickereien und andere Gegenstände gehören, zählte für mich zu den absoluten Höhepunkten auf meiner Reise.

Jugendstil, das bedeutet Einfachheit, Komplexität und Schönheit und Extravaganz in einem. Der Ausdruck geht zurück auf die von Georg Hirth Ende 1895 in München gegründete illustrierte Kulturzeitschrift Jugend und ist zu verstehen als eine Gegenbewegung junger Künstler und Kunsthandwerker zum rückwärts gewandten Historismus, aber auch als Gegenbewegung zur Industrialisierung, in der nach Meinung der Jugendstil-Verfechter nur seelenlose Kunst entstehen konnte. Sie fokussierten sich Ende des 19. Jahrhunderts auf die Arbeit mit neuen Materialien wie Beton oder Eisen, und auf neue Baumethoden. Rein äußerlich zeichnen sich die Jugendstil-Architektur und -Einrichtungsgegenstände durch dekorativ geschwungene Linien, flächenhafte florale Ornamente und die Aufgabe von Symmetrien aus.

In Dortmund fand unsere erste Begegnung mit dem Thema Jugendstil am Freitagabend im historischen Hansa-Sudhaus statt. Bis 1984 war das 1912 von Emil Moog errichtete Gebäude in Betrieb. Es ist das einzige komplett erhaltene Zeugnis großindustriellen Brauwesens in Dortmund aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg – die heute erhaltene technische Einrichtung des Sudhauses stammt jedoch aus den 1950er und 1960er Jahren. Im April 2006 wurde es als Teil des Dortmunder Brauerei-Museums neu eröffnet und bot uns Bloggern und den Mitarbeitern des Museums für Kunst und Kulturgeschichte sowie dem Team von Dortmund Tourismus den idealen Rahmen für unseren ersten gemeinsamen Abend. Ich stellte schnell fest, dass mir die Dortmunder Biere – vor BRINKHOFF’s No. 1 und das Dortmunder Kronen – sehr zusagten. Hier probierte ich auch zum ersten Mal einen leckeren Salzkuchen – das mit Mett, Schwartemagen oder Käse belegten Kümmelbrötchen gilt als inoffizielles kulinarisches Wahrzeichen der Stadt.

 

Brauerei-Museum Dortmund
Steigerstr. 16
44145 Dortmund

Öffnungszeiten:

Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonntag 10:00 – 17:00 Uhr
Donnerstag 10:00 – 20:00 Uhr
Samstag 12:00 – 17:00 Uhr
Montag geschlossen

An diesem Abend stand fest, dass das Wochenende in Dortmund ein Fest werden würde! Ich war begeistert davon, mit welcher Offenheit die Mitarbeiter des Museums für Kunst und Kulturgeschichte vom ersten Moment an auf uns zugingen und welch großes Interesse sie an unserer Arbeit als Kulturblogger zeigten. Die Blogger-Reise ist eine von diversen Initiativen im digitalen Bereich, die das Museum in den vergangenen Jahren in seinem Haus umgesetzt hat. Gerade befindet es sich in einer spannenden Phase des Umbruchs, in der es gemeinsam mit der Diplom-Designerin Claudia Saar an der Weiterentwicklung seiner Online- und Social Media-Strategie arbeitet und neue Wege in Sachen Kunstvermittlung geht: So konzipierte Claudia Saar anlässlich der Ausstellung „Rausch der Schönheit. Die Kunst des Jugendstils“ einen digitalen Stadtspaziergang und eine digitale Schnitzeljagd, auf die der Museumsbesucher sich mithilfe der App „Actionbound“ begeben kann. Darüber hinaus werden reale Stadtspaziergänge, Bus- und Radtouren, Exkursionen sowie Vorträge und Tanzveranstaltungen als Teil des umfangreichen Begleitprogramms zur Ausstellung angeboten. Einen sehr guten Einblick in die Welt des Jugendstil gewährt das Museum seinen Besuchern auch auf seinen erst vor einiger Zeit eingerichteten Facebook– und Instagram-Seiten.

Am Samstagmorgen ging es für uns Blogger zu ausgewählten Jugendstil-Orten in Dortmund. Auf einmal hatte ich das Gefühl, mich in einer ganz anderen Stadt zu bewegen, als in derjenigen, durch die ich einen Tag zuvor spaziert war. An vielen Ecken spürt man die Wunden Dortmunds, dessen Zentrum in der Nacht vom 23. auf 24. Mai 1943 bei dem bis dahin schwersten Bombenangriff der Alliierten auf eine deutsche Stadt in Schutt und Asche gelegt worden war. Prägende Bauten wie das Alte Rathaus, die alte Bibliothek und die Propsteikirche wurden schwer getroffen, tausende Häuser zerstört. Bei Kriegsende 1945 hatte Dortmund rund 70 % seines Wohnungsraums eingebüßt, der Wiederaufbau ging insgesamt gesehen aber schneller voran, als zunächst gedacht. Um einen wahren „Rausch der Schönheit“ zu erleben, muss man sich jedoch von der Innenstadt weg in die umliegenden Bezirke der Stadt bewegen.

Der erste große Überwältigungsmoment des Tages trat für mich beim Betreten der Immanuel-Kirche in Marten ein. 1908 nach zweijähriger Bauzeit eröffnet, errichtete der Architekt Arno Eugen Fritsche einen Zentralbau mit innerer Kuppel im Stil des Historismus. Der Innenraum dieser außergewöhnlichen evangelischen Kirche ist im Sinne des Jugendstils gestaltet. Die vielen visuellen Eindrücke, die sich dem Betrachter hier bieten, beruhen auf einer geschickten Kombination einiger Grundformen des Jugendstils wie stilisierter Blumen und Blätter, Flechtwerke, griechische Kreuze, Spiralformen und Linien. Sie finden sich in einer auf die Wand gemalten, in Stein gehauenen, in Stuck gegossenen, in Eisen gehämmerten oder in Holz geschnitzten Form auf größeren Ornamenten innerhalb der Kirche wieder. Besonders beeindruckend fand ich ihren Altarraum – gemäß dem sogenannten Wiesbadener Programm, das eine Kirche als Versammlungsraum der Gemeinde begreift, wurden alle Prinzipalstücke so angeordnet, dass der liturgische Verlauf eines Gottesdienstes von fast jedem der knapp 1000 Sitzplätze verfolgt werden kann. Ein ungewöhnliches Ambiente wie dieses schafft den Raum für kreative neue Ideen in Bezug auf die Liturgie, wie man an dem Programm der Immanuel-Kirche sehen kann. Seit 2002 finden hier beispielsweise viermal im Jahr die sogenannten „Kino-Gottesdienste“ statt, bei dem ein Film präsentiert wird, der einen Bezug zu biblischen Texten erkennen lässt. Ein sehr positives Beispiel dafür, wie die Bedeutung der Kirche als Ort des Austausches und der Begegnung gestärkt werden kann.

Evangelische Elias Kirchengemeinde
Bärenbruch 17-19
44379 Dortmund

https://www.elias-gemeinde.de/

Unser nächster Stopp an diesem Tag war die Zeche Zollern, ein im Jahre 1955 stillgelegtes Steinkohle-Bergwerk im Nordwesten der Stadt Dortmund im Stadtteil Bövinghausen. Zollern 2/4 entstand zwischen 1898 und 1904 als Musterzeche der Gelsenkirchener Bergwerks-AG und zählt zu den architektonisch sehenswertesten Bergwerksanlagen des Ruhrgebietes. Nachdem sich in den 1960er Jahren ein heftiger Widerstand gegen den Abriss der Zeche formiert hatte, wurde sie 1981 vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe in das dezentrale Westfälische Industriemuseum integriert. Nach und nach wurden die umliegenden Gebäude restauriert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1999 eröffnete man die Dauerausstellung Musterzeche, in der man auf den Spuren der Sozial- und Kulturgeschichte des Ruhrgebiets wandeln kann.

Eines der beeindruckendsten Gebäude auf diesem Gelände ist die Maschinenhalle mit ihrem wunderschönen Jugendstilportal. In der Architektur der Tagesanlagen der Zeche Zollern wird der Übergang vom Historismus zum Jugendstil, der Anfang des 20. Jahrhunderts stattfand, sichtbar.

Gruppenbild vor dem Jugendstil-Portal der Maschinenhalle

Kathi von @artnouveaukathi führte uns vor dem Rundgang durch die Maschinenhalle zu einer anderen Jugendstil-Schönheit auf dem Gelände: Einer Treppe im Verwaltungsgebäude der Zeche mit einem wunderschönen Geländer. All die Eleganz dieser Gebäude kann jedoch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die Zeche Zollern vor allem ein Ort war, an dem unter extrem harten Bedingungen gearbeitet wurde – das macht ein Besuch in der Dauerausstellung mehr als klar.

LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5
44388 Dortmund

Geöffnet Dienstag-Sonntag sowie an Feiertagen 10-18 Uhr
Letzter Einlass 17.30 Uhr

https://www.lwl.org/

 

Nach dem Besuch in der Zeche Zollern suchten wir am Samstagnachmittag auch noch andere prägnante Orte der Jugendstil-Architektur in Dortmund auf, die zum Beispiel im Kreuzviertel oder im Kaiserstraßenviertel zu finden sind. Ich merke, wie ich all diese Gebäude plötzlich mit ganz anderen, wacheren Augen betrachte – und was für eine starke Sogwirkung ihre Betrachtung auf mich auswirkt.

Einer dieser besonderen Orte in Dortmund war auch der Ostfriedhof, der für seine zahlreichen historischen Grabstätten bekannt ist. 1876 wurde er als zweiter kommunaler Friedhof gegründet und befindet sich in einem Viertel östlich der Innenstadt, in dem damals vor allem die Dortmunder Industriellenfamilien lebten. Besonders sehenswert ist hier unter anderem die Gruft der Familie Bäumer mit den eindrucksvollen Schmiedearbeiten im Jugendstil.

Hier noch ein paar weitere Eindrücke von einem Friedhof, auf dem an diesem Tag bei klirrender Kälte und strahlendem Sonnenschein eine beinahe mystische Stimmung herrschte:

Mit den Kunst- und Kulturhighlights rund um den Jugendstil war es an diesem Samstagnachmittag aber noch lange nicht vorbei: Am Abend luden uns die Mitglieder des Museums zu einer exklusiven Führung durch die Ausstellung „Rausch der Schönheit“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte ein. Mit ihr feiern drei Institutionen Geburtstag, die diese umfassende Schau geplant, organisiert und zum Großteil finanziert haben: Das Museum wird 2019 135, die „Museumsgesellschaft zur Pflege der bildenden Kunst“ 110 und die „Stiftung für das Museum für Kunst und Kulturgeschichte“ 20 Jahre alt. Den Grundstein für die Jugendstil-Sammlung des Museums legte sein Gründungsdirektor Alfred Baum, der auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 erste wichtige Exponate kaufte. Heute umfasst die Sammlung des Museums unter anderem Werke und Möbel international renommierter Künstler wie Joseph Maria Olbrich, Peter Behrens oder Richard Riemerschmid. Der Titel der Ausstellung „Rausch der Schönheit“ ist Programm: Diese Kunst will aber nicht nur gefallen, sondern den Betrachter aufrütteln und sein Auge durch die außergewöhnliche Form- und Farbkonstellationen auf positive Art und Weise irritieren.

Bei dem anschließenden Empfang in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte konnte ich kaum glauben, wie viele Mitarbeiter aus dem Team von Dr. Jens Stöcker und der stellvertretenden Museumsdirektorin Gisela Framke uns dort begrüßten. Den ganzen Tag über hatten Jens Stöcker, Gisela Framke und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Joana Maibach uns bereits auf unserer Tour durch Dortmund begleitet. Ein einzigartiges Engagement und ein Interesse für die Arbeit eines Kulturbloggers, das ich mir in dieser Form auch ab und zu von anderen Kulturinstitutionen wünschen würde.

Zum Abschluss unserer Blogger-Reise erwartete uns am Sonntagabend noch ein besonderer Workshop mit dem Designer Guido Wessel, Ansprechpartner für die Urban Sketchers in Dortmund. Ich hörte dort zum ersten Mal von dieser weltweiten Gemeinschaft von Künstlern, die vor Ort die Städte, Orte und Dörfer zeichnen, in denen sie leben oder zu denen sie reisen. Die Bewegung wurde 2007 in Seattle von Gabriel Campanario ins Leben gerufen und umfasst mittlerweile tausende von Künstlern aus aller Welt. Über Blogs und soziale Netzwerke werden die in diesem Zusammenhang entstandenen Arbeiten anschließend geteilt. Das Besondere an dieser Bewegung ist, dass sich ihr sowohl professionelle Künstler oder als Amateure unabhängig von ihrem Können anschließen dürfen. Für mich, die seit Jahren keinen Zeichenstift mehr in der Hand hatte, fühlte es sich zunächst merkwürdig an, parallel zu dem sehr interessanten Gespräch mit Herrn Wessel etwas Schönes auf das Papier vor mir zu bringen – auch wenn es relativ klein war. Doch bereits nach wenigen Minuten bewegte sich meine Hand wie von selbst über den Block und die Motiv-Ideen sprudelten nur so aus mir heraus.

Meinen Vorsatz, ab jetzt jeden Tag ein kleines Bild zu malen, kann ich zwar aus Zeitgründen leider nicht durchhalten: Aber ich versuche so oft wie nur irgendwie möglich, einen visuellen Eindruck mit dem Zeichenstift, anstatt mit der Handy-Kamera festzuhalten.

Zurück in München habe ich in den letzten Wochen festgestellt, an wie vielen Jugendstil-Gebäuden ich in den vergangenen sechs Jahren, in denen ich im Stadtteil Schwabing lebe, vorbeigelaufen bin, ohne sie genauer zu betrachten. Meine Jogging-Strecke und mein täglicher Gang zur Arbeit entpuppt sich plötzlich als wahrer Schönheitsrausch – ich freue mich jedes Mal, wenn ich eine neue Häuserfassade in meiner Umgebung entdecke.

Liebes Team des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, liebe Anke von Heyl und meine lieben mitreisenden Blogger: Vielen herzlichen Dank für ein Wochenende, das nicht inspirierender hätte sein können für mich! 


Museum für Kunst und Kulturgeschichte

44137 Dortmund

https://www.dortmund.de/de/freizeit_und_kultur/museen/mkk/start_mkk/index.html

Öffnungszeiten:

Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonntag 10:00 – 17:00 Uhr
Donnerstag 10:00 – 20:00 Uhr
Samstag 12:00 – 17:00 Uhr
Montag geschlossen

 

Ein paar Blogs meiner Mitreisenden habe ich bereits in meinem Text erwähnt – diese hier möchte ich euch auch unbedingt noch ans Herz legen:

  • https://kindamtellerrand.de/: Ein Blog über Reisen, Kunst, Design, Architektur mit Kindern und Jugendlichen von der Journalistin Maria-Bettina Eich
  • http://www.kulturundkunst.org/: Der Kulturblog von Wera Wecker
  • http://www.ruhrpottroamers.de/: Ein junges Fotografenkollektiv, bestehend aus Fabian Tode, Carsten Deckert und Timo Wöstefeld, die den Ruhrpott auf ihren Bilder einmal aus einer ganz anderen Perspektive zeigen. Fabian war bei unserem Blogger-Wochenende mit von der Partie und ist auf Instagram auch unter dem Profil @schichtmeister unterwegs.
  • Bald wird die Historikerin Eva Muster auch wieder Artikel auf ihrem Blog „Museum&Mehr“ veröffentlichen. Bis dahin solltet ihr unbedingt auf ihrem Instagram-Profil @museumundmehr vorbeischauen.

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