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#Interview mit Lilith Häßle

Lilith Häßle in Amélie Niermeyers Inszenierung „Gloria“, © Adrienne Meister

Sie lässt sich auf keine Rolle festlegen und läuft in jeder Inszenierung, in der sie zu sehen ist, zur Höchstform auf: Am 05.05.2019 erhielt die Schauspielerin Lilith Häßle einen der beiden diesjährigen Förderpreise der Freunde des Residenztheaters. Ein Gespräch über Fotografie, die eigene Selbstvermarktung und das Ideal des Ensembletheaters…

Ich traf Lilith Häßle an einem Montagvormittag im März 2019 in der Brasserie Oskar Maria im Münchner Literaturhaus. Sie hatte gerade probenfrei und stand am selben Abend in Tina Laniks Inszenierung Marat/Sade auf der Bühne des Residenztheater. Dort spielte sie Charlotte Corday, die den radikalen Journalisten, Politikers und Naturwissenschaftler Jean Paul Marat in seiner Badewanne ersticht. Mit einer ironischer Distanz, die Lilith Häßle nie dazu verleitet, die Grenze zur Überzeichnung ihrer Figur zu überschreiten, verlieh sie der ehemaligen Klosterschülerin Corday ebenso komische wie tragische Züge.

Norman Hacker als Kreon und Lilith Häßle als Antigone in Hans Neuenfels‘ gleichnamiger Inszenierung am Residenztheater, ©Thomas Dashuber

Dass diese junge Schauspielerin eine große Entdeckung ist, war mir sofort klar, als ich Lilith Häßle im Februar 2018 zum ersten Mal auf der Bühne des Residenztheaters in Mateja Koležniks Ein Volksfeind sah. Wer Lilith bei ihrem klugen, differenzierten Spiel beobachtet, spürt, wie intensiv sich die Schauspielerin zuvor in den Proben mit ihrer Rolle und ihrer Beziehung zu den anderen Figuren auseinandergesetzt hat. Seit der Spielzeit 2017/18 ist sie am Münchner Residenztheater beschäftigt, an das die in Berlin geborene Lilith Häßle nach drei Spielzeiten als festes Ensemblemitglied am Staatstheater Mainz wechselte. Nach dem Abitur studierte sie Schauspiel an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart Schauspiel und war währenddessen in Produktionen am Schauspiel Stuttgart, am Theater Freiburg sowie am Landestheater Tübingen zu sehen. Darüber hinaus wirkte sie an zahlreichen Hörspielproduktionen des SWR mit. Nach ihrer Zeit am Staatstheater Mainz begeistert Lilith Häßle seit nun fast zwei Spielzeiten die Zuschauer des Residenztheaters. Unter anderem war sie als Elisabeth von Valois in Martin Kušejs Don Karlos-Inszenierung, als Antigone in Hans Neuenfels‘ gleichnamiger Inszenierung des Klassikers von Sophokles oder als Chrysothemis in Ulrich Rasches Elektra-Inszenierung, die im Februar 2019 Premiere feierte, zu erleben.

Lilith Häßle verleiht all ihren Figuren eine innere Stärke, die diese selbst in Momenten tiefster Verzweiflung als moralische Sieger hervorgehen lässt. Auch im Privatleben strahlt sie eine Selbstsicherheit und Gelassenheit aus, für die man sie in diesem noch frühen Stadium ihrer Karriere nur bewundern kann.

Ich habe mit der Preisträgerin des diesjährigen Förderpreises der Freunde des Residenztheaters über ihre Liebe zum Theater, das Thema in den sozialen Netzwerken und Liliths Freude an der Fotografie gesprochen.

 

Du nennst dich @reinerrambo auf Instagram: Was hat es mit diesem außergewöhnlichen Namen auf sich?  

Ach herrje, der stammt noch aus meiner Jugendzeit, als ich mich bei Instagram angemeldet habe. Irgendwann merkt man dann, dass man einen solchen Kanal plötzlich mit anderen Inhalten füllen sollte, als man das früher getan hat.

Bist du schon so lange bei Instagram angemeldet?

Ja, schon eine ganze Weile.

Ich habe Instagram erst vor wenigen Jahren für mich entdeckt und kenne die Plattform daher nur als erwachsene Person. 

Ich könnte gleich mal mein Handy rausholen und eine kleine Namensänderung vornehmen. Wobei, der kleine Reiner…

Sind die sozialen Netzwerke deiner Meinung nach eine Bühne des Lebens?

Mich überfordern sie im Moment vor allem ein wenig. Denn ich weiß noch nicht so ganz, wie ich sie sinnvoll für mich nutzen kann. Sobald ich ein Bild von mir poste, frage ich mich in dem Moment schon, warum ich das gerade tue. Das Foto hat doch eigentlich keinen Inhalt und drückt nichts aus außer der Tatsache, dass ich selbst auf dem Bild zu erkennen bin.

Aber ein Foto von dir zu posten, bedeutet doch immer auch, dass du andere Leute auf dich und deine Projekte aufmerksam machen kannst.   

Für mich stellt sich aber trotzdem die Frage: Was drücke ich mit dieser Werbung für meine Person aus? Es irritiert mich, wenn ich diese vielen Instagram-Kanäle sehe, auf denen die Leute das tausendste Bild von sich selbst veröffentlichen. Das Kuriose ist, dass ich mir diese Bilder aber trotzdem sehr gerne ansehe.

Aber sagen beispielsweise die sehr ausdrucksstarken Fotos von Stefan Klüter, die im Januar auf deinem Instagram-Feed zu sehen waren, nicht auch viel über dich als Menschen aus?

Sicherlich. Aber so sehr sie auch meine „private Persönlichkeit“ präsentieren sollen und ein „authentisches“ Bild von mir in unterschiedlichen Facetten abgeben, so sind sie doch gestellt und sollen einen Zweck erfüllen. Sie wurden ja gezielt für meinen Beruf gemacht. Ich scheue mich stets vor den gebuchten Fototerminen. Aber auf jeden Fall wird es immer entscheidender, wie man sich als Schauspieler in den sozialen Netzwerken präsentiert und man kann diese Plattformen sicherlich auch sehr klug und spannend für sich nutzen.

Setzt dich die Frage, wie man sich als Schauspieler auf den eigenen Social Media-Kanälen darstellen soll, unter Druck? 

Ja, manchmal schon. Auf der einen Seite versuche ich mir keinen Druck zu machen und poste sehr wenig. Auf der anderen Seite aber ist da immer dieses Fragezeichen in Bezug auf meine Social Media-Nutzung.

Muss man sich deiner Meinung nach in einer gewissen Weise anpassen, um als Schauspieler in den sozialen Netzwerken erfolgreich zu sein?

Ich glaube, wenn man seinen eigenen Weg gefunden hat, wie man diese ganzen Kanäle nutzen möchte, dann ist genau das der richtige Weg. Man kann sich ja eh nicht verbiegen!

Neulich habe ich dich mit einer sehr schönen Kamera in der Kantine des Residenztheaters gesehen.   

Mein Bruder hat mir vor einiger Zeit eine ganz tolle analoge Kamera geschenkt, die ich nun dauernd mit mir herumtrage. Es ist wirklich eine große Freude, wie früher in einen Drogeriemarkt zu gehen und dort seine entwickelten Fotos abzuholen!

Was oder wen fotografierst du am liebsten?

Ich finde absurde Wesenszüge an Menschen wunderbar oder absurde erscheinende Situationen, die ich auf der Straße beobachte. Aber sowohl im Urlaub, als auch zu Hause stelle ich mir immer die Frage, ob ich in bestimmten Situationen auf den Auslöser drücken darf. Man muss auf jeden Fall den Mut und die Chuzpe besitzen, in die Freiheit anderer Menschen einzugreifen.

Ich liebe es auch, zu fotografieren, weil ich dadurch Erinnerungen viel besser speichern kann.

Bei den ganzen Handyfotos geht es mir allerdings so, dass ich das Gefühl habe, in einer Bilderflut zu ertrinken. Deshalb finde ich meine analoge Kamera so wunderbar: Ich muss mir die Motive ganz genau überlegen und bekomme anschließend etwas Haptisches, das nicht als JPEG-Datei im hundertsten Ordner auf dem Computer verschwindet.

Wirst du eigentlich selbst gerne fotografiert?

Ich glaube, fast niemand wird gerne fotografiert.

Ich habe das Gefühl, gerade weibliche Schauspielerinnen sind ganz begierig darauf, vor der Kamera zu posieren.

Klar ist es schön, wenn man ein ansprechendes Foto von sich hat. Aber die Selbst- und Fremdwahrnehmung liegt bei Fotos oft sehr weit auseinander.

Fühlst du dich wohler, wenn du bei Shootings klare Ansagen bekommst oder frei vor der Kamera agieren kannst?

Teils, teils. Entweder man geht total in die Vollen und wählt einen Weg der Abstraktion, bei dem man Extreme ausloten kann. Oder man agiert ganz „natürlich“ vor der Kamera. Aber wie „natürlich“ kann eine Situation sein, wenn ich dabei beobachtet werde?

Sind Szenenfotos auf der Bühne so etwas wie dein Ideal eines perfekten Fotos von dir als Schauspielern?

Total! Während des Spiels muss ich nicht darüber nachdenken, dass gerade ein Bild von mir gemacht wird und in welche Richtung ich am besten schauen sollte.

Lilith Häßle als Antigone in antigone lebt* (Regie: Rikki Henry), © Konrad Fersterer

In all deinen Szenenfotos zu erkennen ist diese große Selbstsicherheit zu erkennen, die du auf der Bühne ausstrahlst – ohne dass du dabei im Entferntesten arrogant wirkst. Wie gelingt es einem in den ersten Berufsjahren, ein so ein positives Selbstbewusstsein als Schauspieler zu entwickeln?  

Sehr gut, dass das nach außen hin so wirkt! Eigentlich bin ich eine ganz schöne Grüblerin und Zweiflerin. In jeder Produktion kommt für mich der Moment, in dem ich alles in Frage stelle. Durch die Erfahrung, die ich in den letzten Jahren in diesem Beruf gesammelt habe, kann ich aber mittlerweile auf mein Bauchgefühl vertrauen. Das hilft mir sehr.

Stand für dich schon früh fest, dass du Schauspielerin werden möchtest?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin quasi in diesen Beruf hineingerollt und stehe ihm teilweise immer noch naiv und mit ganz vielen Fragen gegenüber. Im Gegensatz zu anderen Kollegen würde ich von mir behaupten, dass ich weniger verkopft, sondern sehr intuitiv an die Schauspielerei herangehe. Auf Proben bin ich eher der „Schweigetyp“, was ich oft gar nicht an mir mag. Statt mich in Bezug auf eine Sache zu äußern, fange ich lieber zu proben an und dann entwickle ich in Zusammenarbeit mit meinen Kollegen ein Gefühl für die Motivation und die Gedanken meiner Figur.

Vielleicht ist es manchmal besser, etwas abzuwarten und zu beobachten, bevor man die großen Reden schwingt. Ob dabei immer die klügsten Gedanken und Ideen herauskommen, wage ich zu bezweifeln.

Früher ist es mir schon oft schwer gefallen, dass ich mich in einer Menschengruppe nicht zum Wortführer aufschwingen wollte. Heute versuche ich, das mehr als Stärke zu sehen und es gehört nun mal zu meiner Persönlichkeit, dass ich viel über bestimmte Dinge nachdenke. Aber ich liebe meiner Kollegen dafür, dass sie in den Proben so leidenschaftlich argumentieren und diskutieren. Das sauge ich alles sehr gerne in mir auf.

„Ich verstehe jetzt erst, wie die Theaterwelt wirklich ist. Mit meinen naiven Traumvorstellungen von vor vier Jahren hat das nichts mehr zu tun“, hast du 2014 in einem Interview gesagt. Was waren diese naiven Vorstellungen, von denen du damals gesprochen hast?  

Damals sprachen wir vor allem darüber, dass mir die Schauspielerei nicht in die Wiege gelegt wurde. Ich war Mitglied in einem Theaterclub und erfuhr dort, dass man Schauspiel auch studieren kann. Ich begann also mein Studium und dachte, dass ich danach noch etwas anderes machen werde. Das Bewusstsein, dass die Schauspielerei nun tatsächlich mein Beruf ist, kam erst vor wenigen Jahren.

Vielleicht eine ganz gesunde Einstellung…

Am Anfang war da der diffuse Wunsch, einfach spielen zu wollen. Was einen Theaterbetrieb ausmacht, wusste ich damals noch nicht.

Ich merke, dass es mittlerweile große Unterschiede darin gibt, wie junge Leute an einen künstlerischen Beruf herangehen. 

Ich selbst hatte wahnsinniges Glück, dass ich immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und dadurch immer eins zum anderen kam. Für mich gab es keinen Masterplan à la: „2020 muss ich an diesem und jenem Haus spielen“. Und ich weiß auch nicht, wohin mich meine Intuition in Zukunft noch führen wird. Aber gerade das ist doch das Spannende an der Schauspielerei.

Was hat sich innerhalb deiner ersten Jahre in diesem Beruf für dich verändert?

Man hat natürlich ein geschärftes Bewusstsein für bestimmte Themen und mit zunehmendem Alter hinterfragt man immer mehr, welches Leben man in der Zukunft führen will – beruflich wie privat.

Von links nach rechts: Meine Wenigkeit (stv. Vorsitzende der Freunde des Residenztheaters), Nils Strunk (Förderpreisträger 2019), Juliane Köhler (Preisträgerin Kurt-Meisel-Preis 2019), Lilith Häßle (Förderpreisträgerin 2019), Martin Kušej (Intendant des Residenztheaters), Marissa Biel (Vorsitzende der Freunde des Residenztheaters)

Welche positive Entwicklung war in den vergangenen Jahren besonders entscheidend für deinen Werdegang?

Ich hatte großartige Anfangsjahre in meinem Erstengagement am Staatstheater Mainz und wusste aber nach einiger Zeit, dass ich eine neue Herausforderung brauche. Auf Initiativbewerbungen hin hört man als Schauspieler oft wenig von den jeweiligen Häusern. Dann gab es aber diese entscheidende Hauptprobe von Die Unverheirateten, in der ich zusammen mit einer Studentin aus Salzburg spielte. Und in der saß die Regisseurin Amélie Niermeyer, die mir nahelegte, noch einmal eine Mail an das Residenztheater zu schicken. Ehe ich mich versah, wurde ich nach München zum Vorsprechen eingeladen und bekam das Engagement.

Ist es heute schwierig für einen jungen Schauspieler, als Ensemblemitglied an einem Haus, das nicht in einer der großen deutschen Städte liegt, auf sich aufmerksam zu machen?

Durchaus. Du kannst an den Theatern in der sogenannten Provinz die tollsten Sachen machen – aber oft bekommen nur wenig Leute etwas von den Inszenierungen mit. Es wird meiner Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit auf die kleineren Häuser gelenkt.

München und das Residenztheater waren daher die absolut richtige Entscheidung für dich, oder?

Definitiv! Ich mag die Vielfältigkeit der Inszenierungen, die an diesem Haus zur Aufführung gebracht werden. Denn als Schauspielerin habe ich für mich noch nicht den einen Theaterweg gefunden – als Zuschauerin dagegen schon eher.

Inwiefern?

Man merkt irgendwann, welche Themen man gerne auf der Bühne verhandelt sieht, weil sie einen auch im Privatleben gerade umtreiben.

Welche sind das in deinem Fall?

Ich beschäftige mich viel mit Geschlechterbildern und der Rolle der Frau. Es gibt aber auch Theaterabende, die mich deswegen begeistern, weil ich etwas Vergleichbares noch nie auf einer Bühne gesehen habe – so wie zuletzt Dionysos Stadt von Christopher Rüping an den Münchner Kammerspielen. Als ich zum ersten Mal in einem Theaterabend von Ulrich Rasche saß, war ich ebenfalls total überwältigt. Wenn ich selbst spiele, geht es mir um den Entstehungsprozess einer Inszenierung. Den kann ich als Schauspielerin auch sehr spannend finden, wenn mich die Art von Theater als Zuschauerin vielleicht nicht ganz so erreicht.

Deine letzten Inszenierungen am Residenztheater waren alle vollkommen unterschiedlich…

Ja, Regisseurinnen und Regisseure wie Mateja Koležnik, Martin Kušej, Ulrich Rasche und Andreas Kriegenburg haben alle so unterschiedliche Zugänge zum Theater – das finde ich großartig.

Hast du da bereits eine Vision von deiner Rolle und nimmst du das, was sich der Regisseur dazu überlegt hat, erst einmal an und entwickelst daraus im Laufe der Proben deine Rolle?

Ich bin erst einmal gespannt auf das, was sich der Regisseur oder die Regisseurin in Bezug auf die Inszenierung und den Stoff überlegt haben. Für mich ist es zu Beginn der Probenzeit spannend, viel zu beobachten und mich Stück für Stück in meine Figur hineinzudenken. In dieser Phase sind meine Ensemble-Kollegen für mich sehr wichtig.

Der Mythos um die Göttin Lilith wurde zum Symbol des Feminismus und des Versuchs der Männer, die Selbstständigkeit der Frauen mittels einer höheren Autorität zu unterdrücken. Verstehst du deinen Namen als eine Art Auftrag, als Schauspielerin und Frau im beruflichen wie privaten Umfeld Stellung zu bestimmten Themen zu beziehen? 

Wenn du wüsstest, dass sich meine Eltern wirklich überhaupt keine Gedanken über die Bedeutung dieses Namens gemacht haben! Sie wollten mit Lili nennen und dachten sich: „Naja, wenn das Kind irgendwann Bundeskanzlerin wird, ist Lili vielleicht nicht ganz so geeignet“. Auf jeden Fall aber interessiere ich mich heute sehr für die Rolle der Frau in der Gesellschaft und finde es spannend, einen Zugang zu den Frauenfiguren, die ich auf der Bühne verkörpere, zu finden. Natürlich möchte man immer am liebsten Frauen spielen, die die Welt um sich herum verändern. Aber ich versuche zunächst einmal zu begreifen, was das Anliegen meiner Figur ist. Und wenn sie wie Chrysothemis, die Tochter des Agamemnon in Elektra, vornehmlich Kinder in die Welt setzen möchte und keine „höheren“ gesellschaftlichen oder politischen Ambitionen hat, sondern für das schöne Leben plädiert, dann gilt es diesen Standpunkt zu vertreten.

Woher nimmt man als Anfängerin in deinem Beruf den Mut, trotz vieler Hürden seinen eigenen Weg zu gehen?

Für mich war immer klar: Ich bin fest am Theater, liebe den Ensemblegedanken und mag es, mich in einer gewissen Art und Weise zu verpflichten. Selbstverständlich glaube ich aber auch, dass wir an dem Theaterbetrieb einiges verändern können und müssen.

Und klar gibt es die Momente, in dem man einen Dreh absagen muss und sich über die Einschränkung in der eigenen Freiheit der Termine ärgert. Aber wenn ich irgendwann spüre, dass ich beispielsweise mehr drehen möchte, muss ich eben den Weg in die Selbstständigkeit wagen.

Du strahlst eine große Gelassenheit aus, was deinen Beruf angeht.

Als gelassen würde ich mich nicht unbedingt bezeichnen. Aber in einer Zeit, in der der Theaterbetrieb an sich sehr in der Kritik steht, versuche ich, innerhalb einer bestehenden Struktur mein Ideal von Ensembletheater zu leben.

Auch wenn es nicht einfach ist: Je mehr man sich als Schauspieler in ein Jammertal hineinbegibt, desto mehr reibt man sich meiner Meinung nach auf.

Das auf jeden Fall. Natürlich muss man Vieles in einem Theaterbetrieb immer wieder hinterfragen. Aber ich, die ich erst seit wenigen Jahren in diesem Beruf arbeite, staune und erfreue mich immer noch an sehr vielen Dingen.

Was liebst du am Theater?

Es ist für mich ein ganz besonderer Ort, an dem so vieles möglich ist. Die vielen Künstler*innen und unterschiedlichsten Abteilungen schaffen gemeinsam Gesamtkunstwerke. Es ist doch wunderbar, wie viele Menschen an einem Theater arbeiten und zu dieser Kunst beitragen. Wir können unterschiedlichste Welten erschaffen, einen Diskurs über ein Thema eröffnen oder einfach märchenhafte Geschichten erzählen.

Du hast es geschafft, dich bereits zu Beginn deiner Karriere nicht auf einen bestimmten Rollentypus festlegen zu lassen. Gab es eine Figur, an der du schauspielerisch besonders gewachsen bist?

Das war definitiv Elisabeth in Don Karlos. Ich habe das Gefühl, dass ich noch nicht vollständig hinter das Geheimnis dieser Figur gekommen bin. Das macht jede Don Karlos-Vorstellung für mich so spannend.

Am 05.05. wurde dir der Förderpreis der Freunde des Residenztheaters verliehen. Wie würdest du Erfolg für dich definieren?

Hm, gute Frage… Ich habe tatsächlich kein klares Bild vor Augen, wie Erfolg genau für mich aussieht beziehungsweise künftig aussehen sollte. Ich hoffe, dass mir die Freude an meinem Beruf weiterhin erhalten bleibt – denn genau deswegen liebe ich ihn so sehr.

 

Liebe Lilith: Ich freue mich sehr, dass wir uns durch dein Festengagement am Residenztheater kennengelernt haben! Ich danke dir sehr für dieses wunderbare Interview und bin überzeugt davon, dass du das Publikum am Wiener Burgtheater genauso durch dein Spiel begeistern wirst, wie die Zuschauer am Münchner Residenztheater in den vergangenen zwei Jahren!


Mehr Infos über Lilith Häßle: 

https://www.burgtheater.at/ensemble/lilith-haessle

F – Häßle, Lilith

 

 

2 Kommentare

    • Die Kulturflüsterin

      Lieber Stefan,

      vielen Dank für die Blumen 🙂 Ich glaube, jeder Interviewer ist auf seine ganz eigene Art und Weise einzigartig – deswegen lese ich die Interviews anderer Blogger und Journalisten auch so gerne!

      Einen schönen Abend und viele Grüße,

      Lena

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