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Lesen und lauschen #19: „Antigone“ von Zofia Górska-Romanowiczowa

Zofia Górska-Romanowiczowa (Quelle: culturave.com)

Anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar habe ich „Antigone“ eingelesen – ein Gedicht der polnischen Schriftstellerin Zofia Górska-Romanowiczowa, das sie 1943 im Konzentrationslager Ravensbrück verfasste.

Geboren wurde wurde Zofia Górska-Romanowiczowa 1922 in Radom im südöstlichen Polen. Nach der Besetzung ihres Heimatlands durch die Nationalsozialisten im September 1939 war sie im polnischen Widerstand als Verbindungsoffizierin tätig. Als sie die Gestapo im Januar 1941 verhaftete und in einem Gefängnis in Kielce festhielt, war sie gerade einmal 18 Jahre alt. Im Frühjahr 1942 wurde Zofia Górska im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert. Sie bekam die Häftlings-Nummer 10 218 und musste unter anderem in der Kürschnerei Pelze verarbeiten.

1944 wurde sie in ein Fabrikkommando nach Neu-Rohlau in die Nähe von Karlsbad verschleppt, wo sie bis zu ihrer Befreiung Zwangsarbeit für die Firma Messerschmidt leisten musste. Zofia Górska überlebte die KZ-Haft und ging anschließend nach Paris, wo sie 1946 ihr Abitur nachholen und dank eines Stipendiums der polnisch-katholischen Mission an der Universität Sorbonne Romanistik studieren konnte. Zusammen mit Kazimierz Romanowicz, den sie 1948 heiratete, unterhielt Górska eine Buchhandlung und einen Verlag. Die von ihnen gegründete Galerie Lambert entwickelte sich zu einem der wichtigsten Zentren polnischer Exilanten in Paris.

Zofia Górska-Romanowiczowa veröffentlichte Artikel in Zeitschriften und übersetzte und schrieb Romane, für die sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt. 1976 unterzeichnete sie das Memorandum 59 – einen offenen Brief polnischer Intellektueller, mit dem die Unterzeichner gegen die Kommunistische Partei in Polen protestierten, die sich mit ihren Änderungen an der polnischen Verfassung Menschenrechtsverletzungen schuldig machte. Am 28. März 2010 starb Zofia Górska-Romanowiczowa im Alter von 87 Jahren in Lailly en Val bei Orleans.

Im Jahr 1975 fand eine spektakuläre Ausgrabung von Dokumenten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs statt. Polnische Mädchen und Frauen, die im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert waren, hatten in den Jahren 1942 und 1943 Briefe, Gedichte und Informationen über die Verbrechen aus dem Lager geschmuggelt – darunter auch die Werke von Zofia Górska-Romanowiczowa. Die Verbündeten der Frauen waren polnische Männer, Ärzte und Fähnriche, die die Nationalsozialisten in einem Kriegsgefangenenlager in Mecklenburg-Vorpommern festhielten.

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