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DAS VERMÄCHTNIS am Residenzteater München

© Sandra Then/ Bayerisches Staatsschauspiel

Ein Theatererlebnis, das mich emotional mitgenommen hat wie lange kein anderes mehr: Gestern hatte ich endlich die Gelegenheit, Philipp Stölzls vom Publikum gefeierte und 2023 zum Berliner Theatertreffen eingeladene Inszenierung DAS VERMÄCHTNIS im Residenztheater zu sehen.

Selten habe ich ein so hochkonzentriertes und sich mit dem Schicksal der Figuren auf der Bühne verbundenes Publikum in einem Zuschauersaal erlebt wie während dieser siebenstündigen Aufführung im Residenztheater.

Der US-amerikanische Dramatiker Matthew Lopez hat mit seinem Drama DAS VERMÄCHTNIS ein zeitloses Stück geschrieben, in dem es gleichsam um Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsbewältigung geht. Lopez verwebt in seinem Stück Motive aus E. M. Forsters 1910 erschienenem Roman „Howards End“ mit der Geschichte einer Gruppe Männer aus der queeren Community im New York der 2010er-Jahre. Die verheerenden Folgen der Aids-Epidemie, welche die LGBTQ-Community von Beginn der 1980er-Jahre an erschütterte, und der Umgang einer jungen Generation homosexueller Männer mit diesem Erbe sind dabei nur ein Teil von DAS VERMÄCHTNIS: Matthew Lopez erzählt in seinem Drama vor allem von Klassenunterschieden und dem individuellen Umgang seiner Figuren mit familiären Traumata.

 

Dass die Inszenierung von Philipp Stölzl im Residenztheater eine derartige Sogwirkung erzeugt, liegt vor allem an dem überragenden Spiel des Residenztheater-Ensembles, dem es gelingt, ihren bisweilen sehr amerikanisch-klischeehaft gezeichneten Figuren ein zutiefst menschliches Seelenleben einzuhauchen – dabei beweisen die Schauspieler ein außerordentliches Gespür dafür, die Zuschauer*innen den Schmerz und die Sehnsucht ihrer Figuren nach Anerkennung und Liebe spüren zu lassen. Vielen Dank lieber Oliver Stokowksi, lieber Florian Jahr, Simon Zagermann, Moritz Treuenfels, Vincent von der Linden, lieber Nicola Mastroberardino, Vincent Glander, Patrick Bimazubute, lieber Max Rothbart und lieber Thiemo Strutzenberger für diese einzigartigen 7 Stunden im Residenztheater. Und liebe Nicole Heesters: Alleine wegen Ihrem Gastauftritt am Ende des 2. Teils der Inszenierung sollte man sich die Produktion unbedingt ansehen!


DAS VERMÄCHTNIS (Teil I und II): 

https://www.residenztheater.de/stuecke/detail/das-vermaechtnis
https://www.residenztheater.de/stuecke/detail/das-vermaechtnis-the-inheritance-teil-2

 

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