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Allgemein Kunstgeflüster

Kulturtipps Juni 2020

Endlich gewinnt das öffentliche Kulturleben wieder an Fahrt: Meine Kulturtipps für den Juni 2020!

1. About Us. Junge Fotografie aus China in der Alexander Tutsek-Stiftung

Foto: Yang Fudong © Image courtesy of the artist and ShanghArt Gallery

Zuletzt war ich im vergangenen Jahr in der Ausstellung PRIMÄRE GESTEN in den Räumen der der Alexander Tutsek-Stiftung zu Gast. Die gemeinnützige Stiftung, die in einer Jugendstilvilla in Schwabing untergebracht ist, wurde 2000 von dem 2011 verstorbenen Unternehmer Alexander Tutsek und seiner Frau Eva-Maria Fahrner-Tutsek in München gegründet und fördert Projekte aus den Bereichen Wissenschaft und Kunst.

Am 4. Juni 2020 fand unter dem Titel About Us. Junge Fotografie aus China die Eröffnung einer sehr spannenden Ausstellung der Stiftung statt. Bis 29. Januar 2021 werden siebzig Fotografien junger chinesischer Künstlerinnen und Künstler präsentiert, die man in den vergangenen zwei Jahren für die Sammlung angekauft hat. Nachdem im Rahmen der Schau PRIMÄRE GESTEN im vergangenen Jahr Robert Rauschenbergs Fotografien und sein westlicher Blick auf das China der 1980er Jahre im Fokus standen, liefert About Us nun eine spannende Innenschau aus diesem Land. 

About us handelt von den hierzulande oft noch unbekannten, jungen chinesischen Künstlern, deren Werke in den Ausstellungsräumen der Alexander Tutsek-Stiftung zu sehen sind. In ihren Fotografien beschäftigen sie sich nicht nur mit alltäglichen Lebensformen, sondern auch mit dem Verlust ihres kulturelle Erbes, dem explosionsartigen sozialen Wandel in China und den neuen Lebensbedingungen in den Metropolen und auf dem Land. In ihrem Ansatz folgen sie einer Generation von Kunstschaffenden, die in den 1980er und 1990er Jahren nach dem Ende der Kulturrevolution in China einen fundamentalen Wandel innerhalb der künstlerischen Produktion vollzogen hatte. Nach sozialem Realismus, Ideologie und Propaganda entwickelte sie neue Konzepte, Stile und Techniken. Der Begriff „Experimentelle Fotografie“ ist bis heute ein Versuch, die komplexen und sehr unterschiedlichen experimentellen und konzeptuellen Arbeiten, die seit den 1990er Jahren bis heute entstanden sind, zusammenzufassen.

Die Ausstellung About us versteht sich als ein Beitrag zum Diskurs über die gegenwärtige Fotografie in China. Ein Land, das vor allem als globale politische und wirtschaftliche Macht in Erscheinung tritt, dessen fotografische Bildwelten in der westlichen Hemisphäre jedoch im Westen bisher kaum bekannt sind.

Mich beeindruckt vor allem das Werk des Fotografen und Journalisten Chen Ronghui, der derzeit seinen MFA an der Yale School of Art absolviert.

About us: Eine Ausstellung mit Arbeiten von Adou, Birdhead, Cai Dongdong, Chen Ronghui, Chen Wei, Gao Mingxi, Jiang Pengyi, Liang Xiu, Ren Hang, RongRong, RongRong & Inri, Wang Ningde, Yang Fudong und Zhang Xiao.

ABOUT US. JUNGE FOTOGRAFIE AUS CHINA

Alexander Tutsek-Stiftung
Karl-Theodor-Straße 27
80803 München

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag: 14 – 18 Uhr
Feiertags geschlossen

Eintritt frei.

Hinweis: Aufgrund der aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 sind Gruppenbesuche momentan nicht möglich. Anmeldungen und Buchungen von Führungen werden nicht entgegengenommen. Für den Besuch gelten die derzeit üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Eine Übersicht über die Maßnahmen findet ihr hier.


2. Amish Quilts meet Modern Art im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg

Seit 2010 gibt es in Augsburg ein Museum, dem ihr unbedingt einmal einen Besuch abstatten solltet: Die Ausstellungsräume des staatlichen Textil- und Industriemuseums befinden sich in einer Produktionshalle der ehemaligen Augsburger Kammgarn-Spinnerei im Augsburger Textilviertel. Noch bis 25. Oktober läuft dort die spannende Sonderausstellung Amish Quilts meet Modern Art, in der historische Amish Quilts aus der Zeit von 1890 bis 1950 auf die Werke 22 internationaler zeitgenössischer Künstler treffen.
In 14 Kapiteln widmet sich die Ausstellung grundlegenden Fragen der menschlichen Existenz, indem sie auf mehr als 1.000 Quadratmetern Fläche gesellschaftliche Werte wie Ordnung und Chaos, Gemeinschaft und Individualität, Arbeit und Müßiggang oder Demut und Hochmut kontrastiert und miteinander in Einklang bringt.
Julius von Bismarck, Punishment #1, 2011-2012, Amish Quilts meet Modern Art, Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg © Felix Weinold
Die Schau zeigt unter anderem hochklassige Werke von Winfred Gaul, Arne Quinze (Belgien), Jan Kuck, Sophia Süßmilch, Urs Lüthi (Schweiz), Miro Craemer, Andrea Büttner, Julius von Bismarck, Adeela Suleman (Pakistan), Beate Passow oder Wade Guyton (USA).
Eine der insgesamt größten Präsentationen mit 7 Werken wurde dem monochromen Maler Manfred Mayerle gewidmet, der in den Sammlungen wichtiger Museen wie der Pinakothek der Moderne in München oder dem Münchner Lenbachhaus vertreten ist. Seit den 1960er Jahren hat er zudem 800 architekturbezogene Projekte realisiert und schuf zum Beispiel zwischen den Jahren 1985 und 1990 bildhauerische Arbeiten für das Amtsgericht in Ansbach sowie 1999 für Privatgebäude wie das Münchner Haus Denk. Im Augsburger Textilmuseum sind derzeit mehrere Leinwandarbeiten aus Mayerles Werkgruppe „Goldbergvariationen“ und Zeichnungen aus der Folge „Between“ zu sehen.

AMISH QUILTS MEET MODERN ART 

tim | Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg
Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS)
Provinostraße 46
86153 Augsburg

Dienstag bis Sonntag
9 – 18 Uhr
Montag geschlossen

Preise Dauerausstellung

Regulär: 5 Euro
Ermäßigt: 4 Euro
Sonntag: 1 Euro

Preise Sonderausstellung Amish Quilts meet Modern Art

Regulär: 6 Euro
Ermäßigt: 4 Euro

An allen geöffneten Sonn- und Feiertagen steht von 14 – 16 Uhr ein Kunstvermittler*in zum Dialog mit den Besucher*innen bereit. Keine Anmeldung nötig, Zusatzkosten fallen nicht an.


3. Die Musikapp NomadPlay

Auch wenn erfreulicherweise schon wieder erste Live-Konzerte stattfinden: Von Normalität kann man im Klassikbetrieb vermutlich noch lange nicht sprechen. Umso wichtiger sind Projekte wie die einzigartige Musikapp NomadPlay, deren deutsche Version Anfang März gelauncht wurde. Sie macht das möglich, was derzeit nur in eingeschränkter Form möglich ist: Gemeinsam zu musizieren.
Das französische Start-up um Clothilde Chalot und Hannelore Guittet entwickelte 5 Jahre lang eine Technologie, die eine immersive Musikpraxis ermöglicht. Dank eines Schallquellentrennungsalgorithmus kann innerhalb eines Katalogs aus klassischen Werken in jedem Stück jedes einzelne Instrument stumm geschaltet werden, damit sich der Musiker oder die Musikerin selbst dazu einspielen kann. So erzeugt man auch in Zeiten von Corona ganz einfach den Sound eines Sinfonieorchesters im heimischen Wohnzimmer. 

Die NomadPlay App ist für passionierte Laien genauso geeignet wie für Berufsmusiker. 15 Tage lang kann man sie kostenlos testen – danach ist sie für 12,99€ im Monat erhältlich.

Weitere Informationen findet ihr unter:

https://www.nomadplay.fr/de/

Instagram @nomadplay_app


4. „And the FORESTs will echo with laughter…“  in der ERES STIFTUNG von 27. Juni 2020 bis 27. März 2021

© ERES-Stiftung, Design: strobo B M

Vom Weltall in den Wald: Nachdem sich die ERES-Stiftung bis Anfang diesen Jahres in einer sehr beeindruckenden Schau mit dem 50. Jubiläum der Mondlandung auseinandergesetzt hatte, erobert ab dem 27. Juni die Natur die Ausstellungsräume der Stiftung in München Schwabing. Der Titel der Ausstellung „And the FORESTs will echo with laughter…“ bezieht sich auf eine Zeile aus dem Led Zeppelin-Song Stairway to Heaven und gibt bereits eine Vorahnung auf den künstlerisch-abstrakten Waldparcours, der die Besucher erwarten wird.

Im Fokus der Ausstellung „‚And the FORESTs will echo with laughter‘. Wald ohne Bäume in Kunst + Wissenschaft“ steht der Wald als sozialer Raum, dessen Ökosystem auf der Basis von Vernetzung, Austausch und Symbiose funktioniert. Denn der Wald ist wesentlich mehr, als eine Ansammlung von Bäumen, mit der vor allem wir Deutschen diesen Sehnsuchtsort gerne assoziieren: Er ist Wirtschaftsgut, Lebensraum, Sauerstoffproduzent, CO2- und Wasserspeicher, aber mystischer Raum und Gegenentwurf zur urbanen Zivilisation.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 vermittelt die ERES-Stiftung an ihrem Standort in München naturwissenschaftliche Fragestellungen durch die Mittel von Kunst und Kultur. Im Rahmen von „And the FORESTs will echo with laughter“ sind ab Ende Juni unter anderem Arbeiten von John Baldessari, Persijn Broersen & Margit Lukács, John Cage, Miriam Ferstl, Fischli / Weiss, Martin Kippenberger, Antje Majewski, Albert Oehlen, Michael Sailstorfer und Hans Schabus zu sehen.

Ein umfangreiches Wissenschaftsprogramm beleuchtet den Wald mit Blick auf Klimawandel, Zoonosen und als faszinierendes Kommunikationssystem.

Montag, 06. Juli 2020, 19 Uhr

Waldsterben – Rückblick auf einen Ausnahmezustand
Dr. Roderich von Detten, Professur für Forstökonomie und Forstplanung, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Der Vortrag wird auch online übertragen.

Montag, 20. Juli 2020, 19 Uhr

Der Wald ist mehr als lauter Bäume
Vernetzte Systeme in einem bedeutungsvollen Lebensraum
Prof. Dr. Hansjörg Küster, Institut für Geobotanik der Leibniz Universität Hannover

Montag, 14. September 2020, 19 Uhr

Wälder, Böden, Klimawandel
Prof. Dr. Winfried E. H. Blum und Prof. Dr. Manfred Lexer, Universität für Bodenkultur Wien

Anfang Dezember 2020

Schwindende Lebensräume, mehr Pandemien?
Zoonosen wie SARS, FSME, Zika oder Ebola im Anthropozän, N. N.

 

„And the FORESTs will echo with laughter…“ 

Laufzeit: 27.6.2020 – 27.3.2021

ERES-Stiftung
Kunst + Wissenschaft
Römerstr. 15
80801 München

Öffnungszeiten: Samstag, 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei

Einlass nur nach Online-Voranmeldung unter www.eres-stiftung.de/besuch möglich – diese wird 14 Tage im Voraus freigeschaltet. Zur Registrierung benötigen die Mitarbeiter der Stiftung den Vornamen, Nachnamen sowie die Telefonnummer der Besucher.

Von Die Kulturflüsterin

PR-Managerin I kulturbegeistert I Theater, Film, Fernsehen, Kunst I Social Media I Digitale Geschichtenerzählerin

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