Allgemein,  Buchgeflüster,  Lesestunde

Lesen und lauschen #8: Der Lenz ist da!

Hurra, der Frühling ist da: Zeit für eines meiner Lieblingsgedichte von Kurt Tucholsky….

Frühling? Dieser lange, etwas bleichsüchtige Lümmel,
mit einem Papierblütenkranz auf dem Kopf,
da stakt er über die begrünten Hügel,
einen gelben Stecken hat er in der Hand,
präraffaelitisch und wie aus der Fürsorge entlaufen;
alles ist hellblau und laut, die Spatzen fiepen
und sielen sich in blauen Lachen, die Knospen knospen
mit einem kleinen Knall, grüne Blättchen stecken
fürwitzig ihre Köpfchen… ä, pfui Deibel!…
die Erde sieht aus wie unrasiert, der Regen regnet
jeglichen Tag und tut sich noch was darauf zugute:
ich bin so nötig für das Wachstum, regnet er.
Der Frühling –?

Diese Worte über den Frühling stammen aus dem Essay „Die fünfte Jahreszeit“, den Kurt Tucholsky 1929 unter dem Pseudonym Kaspar Hauser veröffentlichte.

Sieh da: nun ist der fette Dichter wieder
von seinem Winterschläfchen aufgewacht,
und er entlockt der Harfe heitre Lieder,
ti püng – die Winde wehn, der Himmel lacht.

So heißt es 1914 in Kurt Tucholskys Gedicht „Vorfrühling“. Eines meiner Lieblingsgedichte des Meisters der spitzen Feder und der treffsicheren Menschenbeobachtung stammt aus demselben Jahr: In „Der Lenz ist da!“ kommentiert Tucholsky das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Männer und Frauen zur Paarungs(=Frühlings)zeit. Von Fräulein Adelgunde, vom Spitz und einer Pudelmaid ist dort die Rede – „und das geht alle, alle Jahre so“.

Viel Spaß mit einer neuen Runde lesen und lauschen!

Die Kulturflüsterin

PR-Managerin I kulturbegeistert I Theater, Film, Fernsehen, Kunst I Social Media I Digitale Geschichtenerzählerin

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: