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Zauberbühne

Am vergangenen Sonntag, 08.07. verlieh der Verein der Freunde des Residenztheaters den Kurt-Meisel-Preis für herausragende künstlerische Leistungen, die beiden Förderpreise und – zum ersten Mal – einen Ehren-Freundschaftspreis für den Schauspieler Alfred Kleinheinz im Residenztheater. Ein kleiner Rückblick auf einen der intensivsten, emotionalsten und schönsten Tage in meinem ganzen Leben. 

© Judith Buss

Wie eine furchtlose Löwin fühlte ich mich eher weniger, als ich am vergangenen Sonntag das erste Mal an diesem Tag die Bühne als Moderatorin betrat. Eher wie ein nervöses Pferd, das vor lauter Aufregung nicht aufhören kann, hinter der Bühne hin und her zu laufen. Dass der Zuschauersaal von der Bühne des Residenztheaters aus betrachtet beeindruckend groß wirkt, konnte ich schon am Tag davor feststellen, als ich die Gelegenheit hatte, auf Einladung von Sophie Fleckenstein aus der Presse- und Marketing-Abteilung des Residenztheaters gemeinsam mit anderen Bloggern und Instagrammern hinter die Kulissen von Frank Castorfs Don Juan-Inszenierung zu blicken. 

Seit 1997 vergibt der Verein der Freunde des Residenztheaters, zu dessen Vorstand ich seit 2014 gehöre, jedes Jahr den sogenannten Kurt-Meisel-Preis für herausragende künstlerische Leistungen an ein Ensemblemitglied des Hauses. Der 1994 verstorbene Schauspieler und Regisseur Kurt Meisel wurde ab dem Beginn der Spielzeit 1960 Oberspielleiter und Schauspieler am damaligen Bayerischen Staatsschauspiel, dem heutigen Residenztheater, in München. Zwischen 1972 und 1983 war er Intendant des Hauses. In seiner Ära inszenierte unter anderem ab 1976 der Filmregisseur Ingmar Bergman, der vor dem schwedischen Fiskus nach Deutschland geflohen war, am Bayerischen Staatsschauspiel. Die erste Preisträgerin des zu Ehren von Kurt Meisel vergebenen Preises war 1997 Elisabeth Rath. In den Jahren danach zählten unter anderem so renommierte Schauspieler wie Oliver Stokowski, Jan-Gregor Kremp, Cornelia Froboess, Tanja Schleiff, Bibiana Beglau, Shenja Lacher oder Thomas Loibl zu den Ausgezeichneten.  

1983 folgte dann die erste Verleihung des Förderpreises im Rahmen der Preisverleihung des Kurt-Meisel-Preises an den Jungschauspieler Peter Pius Irl.  Und nun, 25 Jahre später, gab es 2018 ein absolutes Novum in unserer Vereinsgeschichte: Wir verliehen erstmals einen Ehrenpreis für besondere freundschaftliche Verdienste an den Darsteller Alfred Kleinheinz, der 2018 sein 25-jähriges Jubiläum als Ensemblemitglied des Hauses feiert. 

Die Vorsitzende der Freunde des Residenztheater, Marissa Biebl (r.) und ich bei der Verleihung des Förderpreises an Mathilde Bundschuh

Seit der Verein der Freunde des Residenztheaters 1976 gegründet wurde, hat es in seiner 42-jährigen Geschichte keine einzige Frau an die Vereinsspitze geschafft. Ich sprach als Moderatorin der Preisträger-Matinée mit einigem Stolz auf der Bühne des Residenztheaters davon, dass das Publikum im Saal mit der neuen Vorsitzenden Marissa Biebl und mit mir als stellvertretender Vorsitzenden nun zum ersten Mal geballte Frauenpower bei einer Verleihung des Kurt-Meisel-Preises und der Förderpreise erlebt. Großer Applaus im Saal – und im Anschluss an die Matinée gleich eine Feminismus-Rüge von Bibiana Beglau. Ich verstehe ihre Argumente – aber gleichzeitig stehe ich zu den Worten, die ich auf der Bühne gesagt habe. Es ging uns nicht darum, die Frauenquote des Vorstands der Freunde des Residenztheaters zu erhöhen. Marissa Biebl und ich sind einfach zwei Menschen, denen das Haus, sein Ensemble und die Mitarbeiter hinter der Bühne in besonderem Maße am Herzen liegen. Es mag eine Randnotiz sein, dass ab nun zwei Frauen die Geschicke des Vereins der Freunde des Residenztheaters lenken – aber es ist eben doch eine kleine Sensation. 

Mit Marissa Biebl und einer wunderbaren Frau, die an diesem Theater arbeitet: Die Dramaturgin Laura Olivi

Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern, hat Aristoteles gesagt. Kein Zitat könnte mein Zusammenarbeit mit unserer Vorsitzenden besser beschreiben. Ich schätze das respektvolle, konstruktive und herzliche Miteinander, das ich seit Marissas Amtsantritt im Mai 2018 innerhalb unseres Vorstands erlebe, sehr.

Meine Anspannung war groß zu Beginn der Matinée am 08.07. im Residenztheater. Auf einmal saß ich nicht mehr im Zuschauerraum wie sonst, sondern stand hinter der Bühne mit all jenen Schauspielern, die ich seit Jahren bewundere und deren Schauspielkunst mich in jeder Inszenierung aufs Neue begeistert. Thomas Lettow und Thomas Gräßle waren da, Arthur Klemt und Paul-Wolff Plottegg, Wolfram Rupperti und die ehemaligen Ensemblemitglieder Friederike Ott und Katrin Röver. Die größte mentale Stütze aber war mir während dieser zweistündigen Matinée Gunther Eckes, der mir gleich nach meinem ersten Auftritt als Moderatorin zurief: „Als hättest du schon immer auf dieser Bühne gestanden“. Inmitten der ganzen Aufregung und des Gewusels hinter der Bühne taten diese Worte von Gunther sehr gut. Wie ich im Gespräch mit unserer wunderbaren Requisiteurin erfuhr, ist die Verleihung des Kurt-Meisel-Preises und der Förderpreise auch für die Mitarbeiter und Ensemblemitglieder des Residenztheaters jedes Jahr aufs Neue eine spannende Angelegenheit. Umgeben von roten Rosen, Blumensträußen und Konfettikanonen spürte ich, wie meine Aufregung mit jedem Mal, als ich die Bühne betrat, immer mehr einer großen Vorfreude wich. 

© Judith Buss

Es gab viele großartige Gesangs- und Redeeinlagen an diesem Vormittag im Residenztheater. Paul-Wolff Plottegg und Arthur Klemt überraschten ihren Kollegen Philip Dechamps, einen der Preisträger der beiden Förderpreise, mit einem Jodler aus der Inszenierung The Land. Wolfram Rupperti gab einen Song für seine ebenfalls mit dem Förderpreis ausgezeichnete Kollegin Mathilde Bundschuh zum Besten. Emotional, sehr reflektiert, ehrlich und ohne falsches Pathos sprachen die beiden jungen Darsteller über das Schauspielerleben an sich und über die derzeitigen Umbrüche am Residenztheater – die Reden von Mathilde und Philip zählten für mich zu den Highlights der Matinée.

Nach den Ferien bricht die letzte Spielzeit unter der Intendanz von Martin Kušej an diesem Haus an –  ab Herbst 2019 wird er das Wiener Burgtheater leiten. Abschiede und Neuanfänge: Sie prägen ein gesamtes Schauspielerleben und sind die logische Konsequenz aus jedem Intendantenwechsel. Man weiß es und beginnt doch an sich und seiner Eignung für den Beruf zu zweifeln, wenn der eigene Vertrag an einem Haus nicht verlängert wird. Es ist das Los des Schauspielerdaseins, immer wieder von Vorne zu beginnen zu müssen und zu dürfen – an einem Tag diesem schmerzte diese Erkenntnis für viele Ensemblemitglieder auf der Bühne und im Saal sehr.  

Viele ehemalige Kurt-Meisel-Preisträger und ehemalige Ensemblemitglieder wie Oliver Stokowski, Barbara Melzl, Jan-Gregor Kremp, Bibiana Beglau oder Shenja Lacher kamen an diesem Tag an ihre alte Wirkungsstätte, weil ihr Kollege und guter Freund Alfred Kleinheinz auf der Bühne geehrt wurde. Am 08.07. wurden im Residenztheater mit Franz Pätzold, Philip Dechamps, Mathilde Bundschuh und Alfred Kleinheinz nicht nur vier Darsteller für ihre künstlerischen Verdienste ausgezeichnet. Es ging vor allem darum, was die Theaterwelt in Zeiten großer Veränderungen zusammenhält. Dass Ensemble-Liebe, die Freude am Beruf und vor allem die Freundschaft zu den Kollegen und Mitarbeitern eines Theater über allem stehen, betonten die vier Darsteller während der zweistündigen Preisverleihungen immer wieder. Ja, und auch mir kamen die Tränen am Schluss meiner Moderation, als ich meiner Vorstandskollegin und Freundin Marissa Biebl danke. Ich bin überglücklich und sehr stolz , dass ich ausgerechnet an diesem Vormittag im Residenztheater das erste Mal hier auf der Bühne moderieren durfte. 

P.S. Vielen Dank lieber Marcel Heuperman und lieber Christian Erdt für die Gespräche im Schmuckhof des Residenztheaters nach der Matinée… Ich freue mich, euch beide bald wieder auf der Bühne zu sehen! 


Mehr Infos über unseren Verein:

https://www.freunde-des-residenztheaters.de/
https://www.facebook.com/Residenztheater.Freunde/

 

Die Kulturflüsterin

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2 Kommentare

  • Marissa Biebl

    Liebe Lena! Ich danke Dir sehr für Deinen berührenden, sehr privaten Bericht über „unsere“ Preisverleihung! Du bist ein Schatz und ich möchte Dich in meinem (Freundeskreis-) Leben ebenfalls nicht mehr missen! Du warst großartig an diesem Morgen und wir beide sind wohl ein bisschen über uns selbst hinausgewachsen… eine guten eine wichtige, eine interessante Erfahrung… Dank Dir dafür – mich hat es sehr beruhigt Dich in meiner Nähe zu wissen an diesem aufregenden, sehr emotionalen Vormittag! Ich freu mich auf die kommenden Jahre gemeinsam mit Dir im Vorstand!
    Alles Liebe, Marissa

    • Die Kulturflüsterin

      Liebe Marissa,

      vielen herzlichen Dank für deine lieben Worte und die viele Arbeit, die du in den letzten Wochen in die Organisation dieser Veranstaltung gesteckt hast! Ich freue mich sehr auf die kommenden Projekte des Freundeskreises!

      Liebe Grüße, Lena

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