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#Interview mit der Pianistin Mona Asuka

Mona Asuka © Marie Staggat

Sie beweist nicht nur am Klavier, sondern auch am Backofen ein großes Talent dafür, die Menschen um sich herum in Staunen zu versetzen: Ein Interview mit der Pianistin Mona Asuka über die Leidenschaft für ihr Instrument, ihre Beziehung zu Japan, den Traum vom eigenen Café und den ganz besonderen Klang der Waschmaschine in ihrer Wohnung.

Als ich Mona Asuka zu unserem gemeinsamen Interviewtermin traf, fiel mein Blick sofort auf den leckeren Schokoladenkuchen auf ihrem Esstisch. „Mein ganzes Zimmer ist voller Backutensilien“, meint die Pianistin lachend. Und tatsächlich wird sogar der große Flügel in ihrer Wohnung von einem Standmixer flankiert.

Kurz nach dem Beginn des Corona-Lockdowns wurde ich Ende März 2020 durch die Instagram-Story meines guten Freundes Clemens Nicol auf Mona Asuka aufmerksam. Clemens, der unter anderem als Moderator für BR-KLASSIK arbeitet, hatte an diesem Tag Monas Schokoladen-Notfallkuchen gebacken und machte seine Follower damit auf das gerade neu gestartete Format „Mona’s Cake Paradise“ aufmerksam. Jede Woche zauberte die deutsch-japanische Pianistin und leidenschaftliche Hobby-Bäckerin Mona Asuka bis Anfang Mai im Auftrag von SWEET SPOT, dem jungen Klassik-Magazin des Bayerischen Rundfunks, in insgesamt zehn Folgen einer Videoreihe auf dem Youtube-Kanal von BR KLASSIK ein neues Backkunstwerk für die Zuschauer. In jeder „Mona’s Cake Paradise“-Folge konnten sich die Zuschauer zudem auf ein musikalisches Intermezzo der Pianistin freuen.

Ich probierte Mitte April sofort Monas Blaubeermuffins und ihre Brombeer-Tarte. Als ich die Tortenbodenform aus PTFE antihaft-beschichtetem Stahlblech in Monas Wohnung sah, wurde mir klar, dass meine Quicheform aus Porzellan definitiv nicht den geeigneten Boden für diese Art der Tarte bildete. Dem unglaublich guten Geschmack des Kuchens konnten meine laienhaften Backkünste aber glücklicherweise nichts anhaben.

Eigentlich hätte sich Mona Asuka im Februar 2020 zu einer großen Tournée durch Japan aufgemacht. Sie war eine der ersten Künstlerinnen, die bereits vor dem Lockdown von einer noch nie dagewesenen Konzert-Absagewelle erfasst wurden. Ihrer positiven Energie und ihrer Lebensfreude konnte der Lockdown nichts anhaben – ich bewundere die renommierte junge Pianistin für ihre Ausdauer und für ihre Fähigkeit, das Leben so zu nehmen, wie es gerade kommt.

Bereits im Alter von zwei Jahren begann Mona Asuka, Klavier zu spielen – im Alter von vier Jahren gab sie ihr erstes Konzert. 1997 war sie mit gerade einmal sechs Jahren bereits Preisträgerin des Internationalen Wettbewerbs „Classica Nova In Memoriam Dmitri Schostakowitsch“ in Hannover. Seither hat sie zahlreiche weitere Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben gewonnen, unter anderen den ersten Preis beim Grotrian Steinweg Wettbewerb, den Publikumspreis bei der Bad Kissinger Klavierolympiade und den Festivalpreis der Sommets Musicaux in Gstaad für ihre herausragende künstlerische Leistung.

Zusammen mit ihrer Schwester, der Pianistin Alice Sara Ott, studierte Mona Asuka bei Karl-Heinz Kämmerling am Salzburger Mozarteum und ab 2009 bei Bernd Glemser an der Hochschule für Musik Würzburg. Sie erhielt mehrere Förderstipendien, unter anderem seitens der Degussa Stiftung und der Deutschen Stiftung Musikleben. In den vergangenen Jahren konzertierte die Musikerin, die vor allem das traditionelle Repertoire mit den Klavierwerken von Schubert, Liszt, Bach, Mozart, Beethoven oder Brahms pflegt, unter anderem mit den Stuttgarter Philharmonikern, den Münchner Symphonikern und den Hofer Symphonikern und trat mehrfach mit dem Musikkollegium Winterthur unter der Leitung von Thomas Zehetmair auf. Darüber hinaus führte sie eine ausgedehnte Tournee mit den Brüsseler Philharmonikern unter der Leitung von Stéphane Denève 2017 für zehn Konzerte nach Japan, wo sie zuletzt auch mit dem Mozarteumorchester Salzburg unter Riccardo Minasi große Erfolge feierte. Im Sommer 2017 erschien bei Oehms Classics ihre Solo-CD mit Werken von Schubert und Liszt. Im Frühjahr 2020 brachte sie eine CD mit Werken von Mozart bei Hänssler CLASSIC heraus.

Als mein Interview mit Mona Asuka im Juni 2020 begann, reichte sie mir ein Stück eines Schokoladenkuchens, den sie an diesem Tag gebacken hatte: Ein absoluter Hochgenuss…

Ich muss noch viel üben, um so gut wie du zu werden, wie du: Aber deine zehnteilige Youtube-Reihe Mona’s Cake Paradise, die von Ende März bis Anfang Mai 2020 auf dem Youtube-Kanal von BR KLASSIK zu sehen war, inspirierte mich dazu, meine Küche wieder regelmäßig in eine Backstube zu verwandeln!

Das freut mich zu hören! Ich habe damals meine Blaubeermuffins in deiner Insta-Story gesehen und mich sehr darüber gefreut. Die Idee zu Mona’s Cake Paradise hatte ich bereits vor drei Jahren. Da es damals schwierig war, das Projekt zu finanzieren, lag es erst einmal auf Eis. Kurz vor der Corona-Krise hatte ich noch einmal mit der BR-KLASSIK-Redakteurin Annekatrin Hentschel darüber gesprochen: Plötzlich rief sie mich an und fragte mich, wann wir mit dem Dreh beginnen können. Am Tag besuchte mich mein Klavierstimmer, einen weiteren Tag darauf ein VJ des BR Klassik-Teams und am Montag darauf wurde bereits die erste Folge von Mona’s Cake Paradise auf YouTube ausgestrahlt.

Inwiefern hat dir der Dreh dieser zehn Folgen durch die Hochphase des Lockdowns geholfen?

Meine Tage bekamen wieder eine Struktur, nachdem all meine Konzerte abgesagt worden waren. Sobald das Projekt beendet war, suchte ich nach einer neuen Herausforderung, für die ich unter normalen Umständen nie Zeit hätte. Seit Mai backe ich nun schon für das Café Heinrich Matters, den Kiosk Fräulein Grüneis im Englischen Garten und für die Dr. Lubos-Kliniken in Bogenhausen. Dort komme ich schon mal auf 170 Kuchenstücke am Tag, die an die Patienten verteilt werden!

Wie kamst du am Anfang mit dem Produktionsdruck in der Backstube zurecht? 

Es brauchte einige Tage, um mich an das enorme Pensum zu gewöhnen. Die Arbeit in einer Backstube ist schließlich weit davon entfernt, mit Muße und Ruhe einen Kuchen zu backen. Ich bin dankbar dafür, dass ich gerade die Chance habe, mich in der Gastronomie auszuprobieren. Denn ich plane seit langer Zeit, irgendwann mein eigenes Café zu eröffnen…

Würdest du in diesem Café auch Konzerte organisieren wollen?

Mittlerweile finde ich diese Idee sehr reizvoll. Mein Traumcafé soll relativ klein sein und idealerweise einen Außenbereich inklusive Konzertbühne haben. Tatsächlich würde ich das Projekt Café aber erst einmal in Japan und dann hier in München umsetzen wollen. Dort stell ich es mir leichter vor, Fuß zu fassen.

Welche Parallelen bestehen zwischen der Kunst, zu backen und der derjenigen, zu musizieren?

In beiden Fällen gibt es Regeln. Um einen Kuchen zu backen, benötigt man beispielsweise eine bestimmte Menge Mehl. Beim Klavier spielen ist es ratsam, sich mit dem Zugang eines Komponisten oder einer Komponistin zu seinem oder ihrem Werk zu beschäftigen, bevor man sich an eine eigene Interpretation wagt. Wenn man sowohl beim Backen, als auch beim Musizieren gewisse Grundregeln einhält, hat man anschließend die Freiheit, zu improvisieren.

Bedeutet Backen für dich im Normalfall Entspannung?

Seit dem Beginn der Corona-Krise stelle ich etwas sehr Interessantes fest: Früher habe ich gebacken, um mich von meinen oft langen Konzertreisen zu erholen. Nun, da das Backen vorübergehend zu einer Einnahmequelle für mich wurde, spiele ich Klavier, um zu entspannen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich zwei Leidenschaften im Leben habe, die ich abwechselnd intensiv betreiben kann.

Welchen Moment in deinen Konzerten und im Laufe des Backprozesses liebst du am meisten?

Wenn ich am Ende eines Konzertes spüre, wie viel Freude ich mit meinem Klavierspiel im Publikum ausgelöst habe. Und wenn ich bei der Überreichung eines Kuchens in die strahlen Augen meines Gegenübers blicke.

Es ist bekannt, dass Wolfgang Amadeus Mozart sich sehr gerne von seiner Mutter mit genialen Kompositionen aus ihrer Küche verwöhnen ließ. Besonders eine Torte hatte es ihm so angetan, dass er sie auf seinen Reisen als ständiger Wegbegleiter in Holzkisten mit sich führte. Hast du schon einmal einen deiner Kuchen mit auf eine Konzertreise genommen? 

Dem ein oder anderen Veranstalter bringe ich sehr gerne einen Kuchen mit (lacht)! Wenn ich allerdings zu einem Veranstaltungsort fliegen muss, wird es schwierig mit dem Transport…

Deine Verbindung zu Mozart wird mir immer klarer. Er hätte ruhig auch mal selbst in der Backstube stehen können – aber so emanzipiert war er vermutlich nicht.

Und er hatte auch wahrscheinlich nicht die Zeit dazu (lacht).

Mozartkuchen, Mozartkugeln, Mozartkrapfen, Mozarttaler: Gerade wenn es um das Thema Backen geht, ist die Marke Mozart seit jeher sehr gefragt. Wie empfindest du den bis heute andauernden Hype um einen der meistgespielten Komponisten der Welt?

Ich finde ihn absolut gerechtfertigt! Mozart stellt mich als Pianistin immer wieder vor große Herausforderungen und mir war bewusst, dass viele Menschen erstaunt darüber sein würde, dass ich in meinem jungen Alter eine CD mit einigen seiner Klaviersonaten einzuspielen. Aber Mozart ist und bleibt für mich einfach derjenige Musiker, der mich seit meiner frühesten Kindheit begleitet.

Deine erste Kassette war sogar eine mit Musik von ihm.

Ja, und ich dachte, indem ich sie abspiele, erwecke ich Mozart wieder zum Leben – so viel Power hatte seine Musik für mich.

Vor einigen Monaten erschien „Mozart: Piano Works“ bei Haenssler Classic. Warum hast du dich dazu entschieden, gerade seine Klaviersonaten Nr. 9,12,16 dafür neu einzuspielen?

Sie wurden alle zu einer Zeit geschrieben, in der Mozart mit großen Veränderungen in seinem Leben konfrontiert war. Die Klaviersonate Nr. 9 entstand, als seine Mutter verstarb. Die Sonate Nr. 12 verfasste er vermutlich Ende der 1770er Jahre in Paris. Sie wurde jedoch letztendlich auf das Jahr 1783 datiert, als Mozart nach Wien umgezog. Die Sonate Nr. 16 schrieb er kurz vor seinem Tod im Jahre 1791.

Die Corona-Krise bedeutete für vielbeschäftigte Musiker wie dich von einem Moment auf den anderen den absoluten Stillstand. Wie hast du den Beginn dieser einschneidenden Zeit erlebt?

Ehrlich gesagt nahm ich diese Krise am Anfang nicht ernst genug. Im März hatte ich noch zwei Konzerte in Deutschland gespielt und sollte kurz darauf nach Japan fliegen. Die ersten zwei der insgesamt neun Konzerte waren da bereits abgesagt. Als ich zwei Tage vor Abflug die Nachricht bekam, dass die komplette Konzertreise nicht stattfinden kann, hat mich das schon sehr mitgenommen.

Zwei Jahre hattest du auf die Japan-Tournée hingearbeitet…

Ja, und im Oktober und November 2019 war ich noch in Japan, um dort zum einen Konzerte zu spielen und zum anderen eine kleine Promo-Tour durch jede einzelne Stadt zu machen. Denn ich hätte in Japan ausnahmslos in großen Sälen gespielt, die es erst einmal zu füllen galt. Darüber hinaus arbeitete ich bis zum 23. Dezember mit Hochdruck daran, das Master zu meiner Mozart-CD abzugeben, die ursprünglich zum Beginn der Japan-Tournée hätte erscheinen sollen.

Was fehlt dir besonders, wenn du an dieses Land denkst? 

Alles. Die Menschen, die Konzertsäle und aber auch die Lebensmittel! Normalerweise reise ich 2-3 Mal pro Jahr nach Japan und habe immer einen Koffer mit Geschenken für alle möglichen Leute dabei. Der ist nachher leer und wird mit Essen gefüllt, wenn ich wieder zurückfliege.

Und deine Kleidung?

Die hat locker im Handgepäck Platz (lacht)!

Gestern habe ich die leckeren Dumplings in deiner Insta-Story gesehen…

Die kommen zwar streng genommen aus China, aber wir essen sie auch in Japan sehr gerne. Dort werden sie „Gyōza“ genannt.

Welche Bedeutung spielt Essen allgemein in Japan? 

Eine sehr große. So gut wie jeder Veranstalter lädt dich in ein wunderbares Restaurant ein. Ich schäme mich manchmal für den Gedanken, dass ich im vergangenen Jahr zwischendurch auch gerne mal wieder ein Stück Brot gegessen hätte.

Aber du konntest ja nicht ahnen, wie sehr der Corona-Virus deine Reisepläne nach Japan in diesem Jahr durchkreuzen würde.

Absolut, und ich finde es sehr gut, einmal zu spüren, wie sehr mir bestimmte Dinge fehlen. Und dass ich sie in dem Moment, in dem ich sie habe, noch mehr genießen sollte.

Setzt man sich in der ersten Zeit nach der großen Enttäuschung über die abgesagte Tournée überhaupt wieder mit Freude an sein Instrument?

In der ersten Zeit tatsächlich nicht. Denn man fragt sich immer: Wofür das Ganze? Wie gut, dass dann im März der Dreh von Mona’s Cake Paradise kam!

Abgesehen von den vielen Konzertabsagen: In welcherlei Hinsicht waren diese letzten Monate noch einschneidend für dich?

Ich musste mich sehr daran gewöhnen, plötzlich nicht mehr reisen zu können. Japan schien nie weit entfernt für mich. Gerade wirkt dieses Land so weit weg – selbst die Pakete, die ich nach Japan schicke, kommen zurück, weil sie derzeit dort nicht angenommen werden.

Du hast in den vergangenen Jahren weltweit Konzerte mit renommierten Orchestern wie den Münchner Symphonikern, dem Philharmonia Orchestra London, dem Hong Kong Philharmonic oder dem Mozarteum Orchester Salzburg gegeben. Was fehlt dir im Moment am meisten: Der Kontakt zum Publikum, deine Kollegen?

Beides gleichermaßen. Vor allem ist es ein ungewohntes Gefühl für mich, auf unbestimmte Zeit keine Konzerte geben zu dürfen. Ich habe mit zwei Jahren begonnen, Klavier zu spielen und hatte einen privaten Lehrer, der regelmäßig Schülerkonzerte organisierte. Auch wenn es manchmal nur fünf Minuten waren: Ich habe als Kind mindestens 6-8 Konzerte im Jahr gespielt. Dieses Jahr waren es genau… zwei (lacht)!

Wie viele Konzerte werden bei dir 2020 noch auf dem Programm stehen?

Die sind im einstelligen Bereich, aber sie finden alle in großen Sälen wie der Münchner Philharmonie oder der Liederhalle Stuttgart statt. Daher weiß ich nicht, ob sie nicht auch noch abgesagt werden müssen.

Wie kam es dazu, dass du dich als Kind für das Klavier entschieden hast?

Meine Schwester bettelte damals ein Jahr lang bei meiner Mutter darum, Klavierstunden nehmen zu dürfen. Da meine Mutter selbst Klavier studiert und immer als Lehrerin gearbeitet hatte, war sie gar nicht so erpicht darauf, dass auch wir mit diesem Instrument beginnen. Denn sie wusste, wie ehrgeizig wir sind. Sie hat also unser Klavier mit hohen Büchern abgedeckt, damit wir es dahinter nicht entdecken könnten. Ihre Bemühungen waren aber vollkommen umsonst (lacht). Als meine Schwester mit ihrem Unterricht begann, kam ich einfach mit, weil niemand zu Hause auf mich aufpassen konnte. Ich merkte, wie Alice plötzlich die volle Aufmerksamkeit bekam, sobald sie am Klavier saß. Dieses Instrument wollte ich daher unbedingt auch lernen!

Kleine Geschwister können sehr beharrlich sein, was ihre Wünsche betrifft. Das weiß ich aus eigener Erfahrung…

Meine Schwester ist bis heute ein großes Vorbild für mich und meine engste Vertraute. Wir werden oft in Interviews gefragt, ob es keinen Konkurrenzkampf zwischen uns gibt und wie es sich anfühlt, wenn zwei Schwestern dasselbe Instrument spielen. Ich bin sehr froh darüber, dass uns unsere Eltern als eigenständige Persönlichkeiten erzogen haben.

Wie viel Begabung und wie viel Fleiß sind nötig, damit man bereits in jungem Alter erfolgreich wird wie ihr beide?

Ich glaube, man braucht gar nicht so viel Begabung, sondern muss die Begabung haben, fleißig zu sein. Von dem Begriff „Wunderkinder“ halte ich daher nicht viel: Er impliziert für mich, dass sich ein Kind einfach an sein Instrument setzt und alles von alleine kann. Das ist ein absoluter Trugschluss.

Wirst du auch noch heute manchmal mit deiner Schwester verglichen?

Ja. Zu unserer Studentenzeit nannte uns zum Beispiel unser Professor „Ott 1“ und „Ott 2“. Als Geschwister stehen sich meine Schwester und ich nahe wie Zwillinge, aber musikalisch gesehen sind wir nicht miteinander verwandt. Daher habe ich mich vor drei Jahren dazu entschieden, meinen Nachnamen abzulegen. Meine Schwester unterstütze mich in dieser Entscheidung sehr.

Gibt es eine Sache, bei der es auch einmal unharmonisch zwischen euch zugeht?

Streit gibt es eigentlich nur, wenn es um Süßigkeiten geht (lacht)!

Dein Orchesterdebüt gabst du bereits mit 13 Jahren. Hast du in diesem jungen Alter nie einen Druck gespürt, als Musikerin eine bestimmte Leistung erbringen zu müssen?

Tatsächlich stand für mich seit dem Kindergarten fest, dass ich Pianistin werden möchte. Ich bin froh darum, dass es diese Phase nach dem Abitur, in der man sich aktiv mit seinen Berufszielen auseinandersetzen und das richtige Studienfach wählen muss, nie gab. Natürlich ist man als Musikerin immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen man einem gewissen Druck standhalten muss. Aber in welchem Beruf gibt es diese Momente nicht?

Der Unterschied zu einem „normalen“ Beruf ist allerdings der, dass ihr euch in diesen Stressphasen dem Licht der Öffentlichkeit stellen müsst. 

Oh ja, ich erinnere mich da besonders an dieses eine Konzert: Die Bühne war etwas rutschig und beim Versuch, sie zu betreten, knickte ich mit meinen hohen Schuhen um. Dadurch riss ich mir mein rechtes Knöchelband und hatte zu diesem Zeitpunkt ja noch keine Sekunde gespielt. Zeitweise drückte ich unter meinem langen Kleid mit meinem linken Fuß das rechte Pedal – denn mein rechter Knöchel wurde mit jeder Minute dicker.

Wie hast du das Konzert durchgehalten?

Mit sehr viel Adrenalin! Seitdem trage ich keine hohen Schuhe mehr auf der Bühne.

Konntest du dich überhaupt noch verbeugen?

Ja, obwohl es schwierig war, von meinem Klaviersitz aufzustehen (lacht). Zum Glück war es nicht eine meiner Hände, die durch den Sturz in Mitleidenschaft gezogen wurde.

(Es ertönt das Lied „Die Forelle“ von Franz Schubert im Hintergrund)

Entschuldige bitte, das ist meine Waschmaschine. Ein Modell einer koreanischen Samsung-Firma. Ich habe mir den Klingelton nicht selbst ausgesucht, ich schwöre es (lacht).

„Wenn ich mit einem Komponisten Essen gehen würde, dann wäre es Schubert“, hast du 2017 in einem Video anlässlich der Veröffentlichung deiner ersten CD gesagt. Du hättest nicht eher Lust, dich mit Mozart über seine Klaviersonaten zu unterhalten?

Nein, denn ich würde ihn gerne fragen, warum er keine Klavierkonzerte geschrieben hat.

Im Gegensatz zu Schubert, der das meiste Geld für seinen Schuldienst oder verkaufte Kompositionen für Abende im Freundeskreis in den Altwiener Gasthäusern ausgab, ist es dir ein großes Anliegen, deine Musik immer wieder in den Dienst der guten Sache zu stellen. So engagierst du dich beispielsweise seit Jahren für die Opfer der Katastrophe von Fukushima.

Ich war einen Monat danach in Japan und habe das stärkste Nachbeben überhaupt in einem Hotel im 37. Stock miterlebt! Der zerstörte Flughafen, die leeren Supermärkte und die Tatsache, dass man nur noch eine Flasche Wasser pro Person kaufen durfte, hat mich sehr mitgenommen. Obwohl es sogar während eines meiner Konzerte auf der Bühne bebte und ich wirklich zeitweise Panik vor dem nächsten Erdbeben hatte, sagte ich meine Konzerte nicht ab. Denn wodurch können wir Musiker in Krisenzeiten mehr helfen, als durch unsere Musik?

Was bedeutet es dir, immer wieder in Japan auftreten zu dürfen?

Sehr viel, denn man bekommt von den japanischen Fans sehr viel Liebe und Unterstützung. Sie reisen oft stundenlang für die Konzerte an und kaufen jedes Mal meine CDs, um eine Unterschrift von mir zu bekommen. Ein Großteil meiner Instagram-Follower sind übrigens Japaner: Daher fühle ich mich auch im Moment sehr mit diesem Land verbunden. Selbst wenn ich 2020 nicht dorthin reisen kann.

Vielleicht wird 2020 einfach das Jahr der Pausen und der inneren Einkehr.

Und 2021 hoffentlich wieder das Jahr, in dem wir Musiker frei reisen und unsere Musik mit vielen Zuhören teilen können.

Mona Asuka © Marie Staggat

Liebe Mona, ich danke dir für dieses wunderbare Gespräch und den fabelhaften Schokoladen-Kuchen! Ich freue mich sehr darauf, dich bald auf der Bühne erleben zu dürfen und wünsche dir alles Gute für die kommenden Monate! 


Mehr Informationen über Mona Asuka: 

https://www.mona-asuka.com/

Mona Asuka

Facebook @MonaAsuka

Instagram @monaasuka_official 

 

Von Die Kulturflüsterin

PR-Managerin I kulturbegeistert I Theater, Film, Fernsehen, Kunst I Social Media I Digitale Geschichtenerzählerin

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