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#Interview mit dem Schauspieler Gunther Eckes

©Julian Baumann

Ein Interview mit Gunther Eckes, Ensemblemitglied des Residenztheaters, über Fußball, Erfolg und Jack Nicholson…

Was macht ein Schauspieler, wenn er gerade probenfrei hat? Richtig, er puzzelt. Aber nicht irgendein Puzzle, sondern das 9.000-teilige „Bombardement von Algier“ aus dem Hause Ravensburger. Eine ebenso große Herausforderung, wie in einem Solostück über Philipp Lahm die Hauptrolle zu spielen, in dem der Fußballstar eine bloße Projektionsfläche ist. 

Aber Gunther Eckes wäre nicht Gunther Eckes, wenn er sich nicht genau diesen Herausforderungen in seinem Leben stellen würde. Im Dezember 2017 feierte das Publikum ihn für seine eineinhalbstündige Solo-Performance in Robert Gerloffs Inszenierung „Philipp Lahm“ im Marstall des Münchner Residenztheaters. Dieser Abend ist so mitreißend und spannend wie ein richtig gutes Fußballspiel – denn Gunther Eckes ist ein geborener Entertainer, der es aufs Vortrefflichste versteht, sein Publikum zu begeistern und zu verführen. Das Ensemblemitglied des Residenztheaters muss dazu nicht mit einem Ball über die Bühne jagen, noch Fußballparolen zum Besten geben – sondern er lädt das Publikum dazu ein, mit ihm NICHTS zu tun. Der Autor Michel Decar wirft mit seinem Stück „Philipp Lahm“ einen liebevoll-ironischen Blick auf die Wohlstandsgeneration der Generation 30+ mit ihren ganz eigenen Durchschnittsproblemen und Sorgen.

Gunther Eckes hat mich am Residenztheater schon immer begeistert – ob als Flibbertigibbitt in „Pinocchio“ 2015, als Sheriff von Nottingham in „Robin Hood“ 2016, als Modertor mit Schwimmflossen und Schnorchel bei dem Gesangsabend „Im wunderschönen Monat Mai“ 2014 oder im selben Jahr als einer von drei Darstellern in „Urteile“, einem dokumentarischen Theaterprojekt über die Opfer des NSU in München. Seit dem Beginn der Intendanz von Martin Kušej im Jahre 2011 ist Eckes Ensemblemitglied am Münchner Residenztheater, 2016 habe ich ihn nach einer Vorstellung von „Wir sind Gefangene“ im Rahmen der Bayerischen Theatertage 2016 am Theater Regensburg persönlich kennengelernt.

 

Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Preisverleihung des Kurt Meisel Preises der Freunde des Residenztheaters im Jahre 2013 erinnern, als Miguel Abrantes Ostrowskis in der Rolle seiner Kunstfigur Hans-Peter Grothe einen „Guuuunther Eckes“-Fangesang auf der Bühne anstimmte. Hast du dich damals gefragt, warum du Schauspieler und nicht lieber Fußballer geworden bist? 

Die war ja mal schön peinlich! Ich habe mir gewünscht, den Fahrstuhl bis ganz nach unten nehmen, direkt hier unter meinem Sitz…

Du hast dir nicht gedacht: Wäre ich doch mal lieber Fußballspieler geworden? 

Ich bin ja nah dran: Der Beruf des Schauspielers hat extrem viel Ähnlichkeit mit dem Beruf des Fußballers. Du führst ein Leben, das zu weiten Teilen in der Öffentlichkeit stattfindet. Es gibt viele Leute, die dir leidenschaftlich gerne bei deinem Spiel zusehen. Und du hast immer Menschen da unten sitzen, die es besser wissen – Trainer, Regisseure, das Publikum. Du kannst mal ein Formtief haben und dann läuft es nicht rund für eine gewisse Zeit. Die Karten werden einfach vor jedem Spiel, jeder Produktion neu gemischt. Und du hast ein bestimmtes Repertoire an Fähigkeiten – aber es kommt darauf an, dass diese Fähigkeiten von den richtigen Leuten erkannt und entsprechend eingesetzt werden.

Das heißt, entscheidend ist vor allem der Trainer oder Regisseur. 

Das zum einen – vor allem kommt es aber auf das richtige Umfeld an. Nehmen wir Lukas Podolski: In Köln war er der absolute Prinz, aber er spielte natürlich nicht in einem Champions League-Verein. Dann ging er zum FC Bayern, was definitiv nicht die beste Entscheidung war. Genauso stehst du als junger Schauspieler vor der Entscheidung: Gehst Du an eine große Bühne und spielst dort erst einmal kleinere Rollen? Vielleicht startest du dort ja auch gleich total durch. Oder arbeitest du dich erst einmal in der sogenannten Provinz ab? Natürlich fallen immer wieder sehr gute durchs Raster, weil sie einfach nicht gesehen werden.

Hat sich der echte Philipp Lahm nach der Premiere deines Soloabends „Philipp Lahm“ bei dir gemeldet, um dir zu gratulieren? 

Er verhält sich absolut still, was sicherlich die beste Entscheidung ist. Denn er weiß, dass er jeden möglichen Prozess gegen das Theater verlieren würde – und es gäbe noch schlechte Presse obendrein.

Er verhält sich also genauso clever, wie er das auch sonst auch in seinem Leben tut? 

Das Problem liegt darin, dass wir alles Mögliche in einen Prominenten wie Philipp Lahm hineinprojizieren: „Da muss doch etwas dahinter sein, der Kerl hat bestimmt irgendwelche Leichen im Keller“ und so weiter. Vielleicht hat er das, vielleicht aber auch nicht. Wir müssen es einfach ertragen, dass er vor allem guter Fußballer ist und hart für seinen Erfolg gearbeitet hat.

Wird in euch Schauspieler nicht auch „alles Mögliche hineinprojiziert“? 

Selbstverständlich, dafür sind wir ja da.

Ist es schwer, ständig Erwartungen von außen erfüllen zu müssen? 

Ich bin ja jetzt noch kein Jack Nicholson, der die ganze Zeit seine Jack Nicholson-Haftigkeit kultivieren und pflegen muss. Der wacht bestimmt manchmal morgens auf und versucht kurz zu testen, ob er seinen typischen Gesichtsausdruck noch draufhat.

Bestimmt gibt es auch im Theater Regisseure, die gerne immer wieder dieselben Dinge von einem auf der Bühne einfordern. 

Die gibt es durchaus und diese Regisseure können dich auf durchaus raffinierte Art und Weise dazu bringen. Wenn dich als Schauspieler gerne innerhalb deiner Komfortzone bewegst, hat das oft auch mit der eigenen Unsicherheit zu tun. Die eigene Scham ist allgemein ein großes Thema in der Schauspielerei.

Aber ist man als Schauspieler nicht exhibitionistisch genug veranlagt, um die Scham zu überspielen?

Das ist ja wieder krank, oder? Die Angst, etwas falsch zu machen, ist einfach sehr groß. Dabei ist eine gewisse Schamlosigkeit das Wichtigste in unserem Beruf. Im besten Falle komme ich während dem Probenprozess zu einem Punkt, an dem ich mich vollkommen frei fühle.

Singen kann er auch noch! Gunther Eckes und seine Kollegin Genija Rykova bei der Verleihung des Kurt-Meisel-Preises der Freunde des Residenztheaters 2017

Es kommt doch vor allem darauf an, dass man versteht, warum bestimmt Entscheidungen wichtig für die Inszenierung sind, oder? 

Definitiv. Bevor ich mich auf der Bühne entkleide, möchte ich gerne den Sinn dahinter verstehen. Wenn ein Schauspieler nichts mehr hinterfragt, hat er meiner Meinung nach ein ernsthaftes Ego-Problem.

Welche Erwartungshaltungen gibt es deiner Meinung nach seitens der Residenztheater-Zuschauer an dich? 

Ich hoffe keine! Ich glaube, es war schon das ein oder andere Mal ganz lustig, wenn ich auf der Bühne stand. Aber ich bin nicht auf die lustigen Rollen abonniert.

Das hat man beispielsweise in dem beeindruckenden Dokumentartheaterstück „Urteile“ gesehen. 

Ich freue mich immer, wenn sich Regisseure trauen, komplett gegen alle Erwartungen zu besetzen und zu inszenieren. Im Rahmen einer meiner früheren Theaterengagements habe ich einmal mich selbst als Romeo und eine sehr burschikose Kollegin als Julia vorgeschlagen. Also definitiv keine Bravo-Starschnitt-Version des Romeo.

Das ist jetzt Koketterie…

Nein, ganz und gar nicht. Ich habe in Hamburg einen Kollegen gehabt, der die Romeo-Rolle spielte und sich voller Leidenschaft immer das Netzhemd vom Leibe riss. Die Mädchen im Saal sind ausgerastet vor Freude! Das würde mir vermutlich nicht passieren.

Wer weiß!

Nicht bei der Zielgruppe der 14- bis 22-jährigen, so viel ist sicher. Der Punkt ist aber ein ganz anderer: Vielleicht könnte man so häufig inszenierten Stücken wie „Romeo und Julia“ durch eine vollkommen unerwartete Besetzung noch einmal eine andere Dimension hinzufügen. Und vielleicht sehen die Zuschauer dieses „Außergewöhnliche“ auf der Bühne nachher als vollkommen normal an, weil es einfach gut gespielt ist. Während des Probenprozesses für Philipp Lahm haben wir darüber gesprochen, dass das Publikum gar nicht mitbekommen soll, dass im Grunde inhaltlich erst einmal nichts passiert.

Ich finde ja, dass sehr viel in der Inszenierung geschieht – auf einer ganz anderen Ebene, als ich es erwartet hätte. In der Presse war unter anderem von einer „Meditation über die Langeweile“ in Bezug auf „Philipp Lahm“ die Rede. 

Es gibt diesen Satz im Stück: „Ich bin so langweilig, dass es weh tut. Na und, ist doch geil!“ Die erste Zeitung, die den Satz aufgegriffen hat, war die Süddeutsche Zeitung, die geschrieben hat: „Michel Decar findet Philipp Lahm so langweilig, dass es weh tut“. Natürlich wurde Philipp Lahm auch vor unserer Inszenierung unzählige Male mit dem Begriff „kreuzlangweilig“ assoziiert. Uns ging es aber in unserer Inszenierung eher darum, eine Art „Konfliktlosigkeit“ auf der Bühne darzustellen. Langweilen wollten wir das Publikum nie – sondern es dazu einladen, mit uns gar nichts zu machen. 

Michel Decars Stück hat mich sehr an Samuel Becketts „Warten auf Godot“ erinnert. Ist „Philipp Lahm“ eine moderne Version des absurden Theaters? 

„Philipp Lahm“ knüpft tatsächlich an die Erzähltradition der Vertreter des absurden Theaters wie Beckett oder Eugène Ionesco an. Und – auch wenn es vielleicht etwas weit hergeholt erscheinen mag – auch an Dramatiker wie Heinrich von Kleist, der sich bekannte historische Figuren zum Vorbild nahm, um aus ihrem Schicksal seine eigene Geschichte zu entwickeln. Die Intention Kleists war aber nicht, das Leben dieser Figuren 1:1 in seinem Stück darzustellen, sondern anhand deren Geschichte auch einen Blick auf die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen im 18. Jahrhundert zu werfen. Michel Decar hingegen hat mit „Philipp Lahm“ einen noch lebenden Prominenten als Protagonisten seines Stückes ausgewählt und erzählt uns durch diese Projektionsfigur etwas über den Zustand unserer Gesellschaft in den Jahren 2017/18. 

Interessant fand ich ihn „Philipp Lahm“ vor allem, auf welche geschickte Art und Weise sich absurde Szenen mit einem teilweise absurd erscheinenden Realismus vermischen. 

Uns war von Beginn der Probenzeit an klar, dass wir das Stück sehr ernst nehmen und nicht versuchen, eine versteckte ironische Ebene in mein Spiel mit einzubauen. Der Text hat ja an sich eine gewisse Komik und zeichnet sich durch seinen trockenen Humor aus – sobald du die Sätze aber zu sehr ironisiert, hast du keine Chance mehr, Philipp Lahm als Projektionsfläche für dein eigenes Leben zu sehen. Viele Szenen sind wesentlich weniger absurd, als sie auf den ersten Blick erscheinen mögen: Natürlich habe ich mir selbst vielleicht noch nicht 100 Lieferoptionen des Online-Lieferdiensts deliveroo angesehen, bis ich dann doch wieder bei der Pizza Margherita gelandet bin – aber diese Situation ist mir durchaus vertraut.

Du hast bereits mehrere Male am Residenztheater mit dem Regisseur Robert Gerloff zusammengearbeitet. Was zeichnet ihn als Regisseur aus? 

Mit Robert zusammenarbeiten zu dürfen, ist jedes Mal ein Glücksfall! Denn es bedeutet, dass tolle Leute wie der Bühnenbildner Maximilian Lindner, die Kostümbildnerin Johanna Hlawica, der Musiker Cornelius Borgolte oder die Dramaturgin Angela Obst mit von der Partie sind – bei Philipp Lahm durfte ich auch noch den Videokünstler Florian Schaumberger kennenlernen. Ein wunderbares Team an Leuten, die auf Augenhöhe miteinander kommunizieren und einen Abend gemeinsam entwickeln. Für mich die ideale Art, zu proben!

Wie groß war deine Nervosität vor der Premiere der Inszenierung? 

Sehr groß! Schließlich bekommt man als Ensemblemitglied nicht oft die Chance geboten, einen Soloabend zu gestalten. Als klar wurde, dass ein gewisses Medieninteresse besteht, war da durchaus ein gewisser Druck zu spüren. Es klingt jetzt vielleicht etwas merkwürdig: Aber ich habe das Gefühl, dass es in meiner Schauspielkarriere ein vor Philipp Lahm gibt und ein danach. Daher war mir sehr daran gelegen, dass dieser Abend gut wird.

Was hast du mit Philipp Lahm assoziiert, bevor die Probenarbeiten im Residenztheater begonnen haben?

Natürlich ist es leicht, sich über ihn lustig zu machen. Er hat einen legendär langweiligen Twitter-Account und auch sein Instagram-Account wirkt irgendwie merkwürdig. Er füttert seine Social Media-Kanäle bestimmt nicht alle selber, das macht sein Management – aber da werden ab und zu seltsame Entscheidungen getroffen. Alles wirkt so wahnsinnig sauber und perfekt: Philipp Lahm wünscht sogar noch brav seinen chinesischen Fans auf Chinesisch ein schönes neues Jahr. Aber natürlich assoziiere ich mit ihm auch, dass ich 2006 in der Fanmeile stand, Lahm das entscheidende Tor gegen Costa Rica schoss und ich vor Begeisterung durchdrehte! Er ist einfach ein grandioser Fußballer, punkt.

Du guckst selber auch gerne Fußball?

Ja, definitiv! Auch wenn ich eigentlich keine Ahnung habe. Als Kind dürfte ich übrigens nie mitspielen. Du gehst ja bei uns auf dem Dorf ganz selbstverständlich in den Fußballverein und dort wird erst einmal aussortiert.

Wärst du gerne ein Teil der Mannschaft geworden? 

Und wie! Jeder dürfte da gefühlt mitspielen. Dann habe ich mich Richtung Tennisplatz bewegt, den Schläger in die linke Hand genommen und der Trainer so: Oh Gott…

Irgendwann hast du das Theater für dich entdeckt. Was war für dich während deiner Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg am entscheidendsten? 

Ich habe ganze vier Jahre lang an verschiedenen Schulen vorgesprochen, bevor es mit einem Studienplatz an der HfMT geklappt hat. Eigentlich war ich zu diesem Zeitpunkt schon zu alt, um als Student aufgenommen zu werden. Aber zu meinem Glück saßen Leute in dem damaligen Auswahlgremium, die mir meine Leidenschaft für diesen Beruf angesehen haben. Ich bin anschließend während meiner Ausbildung an sehr gute Leute geraten. Einer unserer Lehrer, Stefan Schad, bestärkte mich darin, mein eigenes Ding zu machen – dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Die Zeit meiner Schauspielausbildung war aber auch herausfordernd für mich, ich bin da keineswegs locker durchgesurft.

Hast du während der Schauspielschulzeit bereits einen Plan gehabt, wo es nachher für dich hingehen soll? 

Nein, ich habe ja auch jetzt keinen wirklichen Plan.

Das Angebot vom Residenztheater muss 2011 auch eine große Genugtuung für dich gewesen sein. 

Mir war klar: Entweder das oder gar nichts. Ich glaube, ein kleineres Theater braucht eher „klassischere“ Typen für sein Ensemble – an einem größeren Haus ist dagegen mehr Platz für spezielle Schauspieler.

Gunter Eckes und seine Ensemblekollegen des Residenztheaters sowie der Regisseur Robert Gerloff (4.v.l.), der Bühnenbildner Maximilian Lindner (2.v.r.) und einige Mitglieder des Freundeskreises des Residenztheaters nach dem Gastspiel von „Wir sind Gefangene“ im Rahmen der Bayerischen Theatertage Regensburg 2016

Was bedeutet Erfolg für dich? 

Es gibt den persönlichen Erfolg, der mir im Zweifel wichtiger ist – und den Erfolg, der außerhalb meines Einflussbereichs liegt. Wenn ich während einer Produktion an einem Punkt ankomme und merke, das ich ein gewisses Ziel, dass ich mir zu Beginn eines Probenprozesses gesetzt habe, erreichen konnte, macht mich dieser persönliche Erfolg sehr zufrieden. Wenn dich dann noch das Publikum frenetisch feiert und du merkst, dass deine Interpretation einer Rolle im Publikum ankommt, ist das umso schöner.

Gehört zu dem persönlichen Erfolg auch, dass man den anderen Ensemblemitgliedern ihre Erfolge gönnt? 

Ich gönne den anderen meinen Erfolg.

Was für ein schöner Freudscher Versprecher…

So, ich versuche es noch mal: Ich gönne den anderen natürlich ihren Erfolg.

Wie gehst du mit Niederlagen um? 

Die persönlichen Niederlagen sind die schlimmsten. Wenn man begreifen muss, dass man nicht hundertprozentig hinter dem steht, was man den Zuschauer an einem Abend vorspielt. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass alles, was ich bisher gespielt habe, sensationell gut war. Wenn ich mir Faulheit während der Proben oder eine gewisse Oberflächlichkeit in Sachen Rollengestaltung vorwerfen müsste, würde das sehr an mir nagen.

An welche Inszenierungen am Residenztheater erinnerst du dich in den vergangenen sieben Jahren besonders gerne zurück?

Alle Produktionen, die ich zusammen mit Robert Gerloff gemacht habe, kann ich da ausnahmslos nennen: „Wir sind Gefangene“, „Robin Hood“ und „Philipp Lahm“. Mit der Theaterfamilie, die der Herbert Fritsch in „Trilogie der Sommerfrische“ aus uns Ensemblemitgliedern formiert hat, besteht immer noch ein sehr enger Kontakt. Mit Marius von Mayenburg arbeite ich ebenfalls sehr gerne zusammen – zuletzt in „Lehman Brothers“ – ebenso wie mit Mateja Kolenik, die im vergangenen Jahr hier am Haus „Tartuffe“ inszeniert hat.

Es ist nicht nur für Fußballer ratsam, von Zeit zu Zeit das bekannte Terrain zu verlassen, um sich weiterzuentwickeln, sondern auch für Schauspieler. Wie schwer ist es, die Theaterfamilie bei einem Wechsel an ein anderes Haus zurücklassen? 

Es heißt ja nicht, dass man den Verein erst dann wechselt, weil etwas schlecht läuft – sondern weil es auch notwendig ist, um einem neuen Publikum vielleicht ganz andere Facetten von sich selbst zeigen zu können. Gerne dürfen die Zuschauer die Erwartung haben, dass da ein gutes neues Ensemblemitglied ans Theater kommt. Aber ansonsten ist man als Schauspieler in einem neuen Ensemble grundsätzlich viel freier, sich noch einmal neu aufzustellen und zu positionieren.

Ist das Theater der Ort, an dem du auch in Zukunft hauptsächlich arbeiten möchtest? 

Momentan ist es tatsächlich so, dass ich mich auf einer Bühne am wohlsten fühle – obwohl ich es auch interessant finde, Filme zu drehen oder Synchronsprecher-Jobs zu machen. Der Unterschied zu allem, was gefilmt wird oder von dem eine Aufnahme existiert, ist die Flüchtigkeit eines Theaterabends – eine große Qualität, wie ich finde. Auf der Bühne mache ich mir keine Gedanken, ob das nun „richtig“ war, was ich gerade gespielt habe oder ob es gut aussah. Dort fange ich die Stimmung des jeweiligen Abends ein und reagiere ganz im Moment.

 

Lieber Gunther, ich danke dir ganz herzlich für dieses Interview und freue mich auf das nächste Aufeinandertreffen in der Resi-Kantine!


Mehr Infos über Gunther Eckes:

https://www.residenztheater.de/person/gunther-eckeshttps://www.instagram.com/samuraidiner/

 

Die Kulturflüsterin

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