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Kultursommer in Wien

 

Eine Lesung, viel Kunst und leckeres Essen: Zu Besuch in Wien….

Wenn man die österreichische Schauspielerin Stefanie Reinsperger auf der Bühne erleben kann, ist das immer ein sehr guter Grund für einen Kurzurlaub. Gerade steht sie den ganzen Sommer über als Buhlschaft im „Jedermann“ auf der Bühne der Salzburger Festspiele. Vor einigen Monaten sah ich, dass Anfang August eine Lesung mit Steffi und ihrem von mir sehr geschätzten Kollegen Noah Saavedra im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Schwimmender Salon“ im Thermalbad Vöslau geplant war. Eine wohltuende Sommerfrische als Kontrast zur glühenden Hitze im 35km nördlichen gelegenen Wien, wie sich am vergangenen Wochenende herausstellen sollte. Seit sieben Jahren organisiert Angelika Hager als Intendantin des Schwimmenden Salons an diesem außergewöhnlichen Ort Lesungen mit so renommierten Künstlern wie Manuel Rubey, Philipp Hochmair oder Harald Schmidt. Hager leitet seit 1997 das Gesellschaftsressort des unabhängigen österreichischen Nachrichtenmagazins profil – und erfand für das samstäglich erscheinende Magazin der Tageszeitung Kurier die fiktive Figur Polly Adler, unter deren Namen sie seither die humoristische Kolumne Chaos de Luxe veröffentlicht. Für ein wenig verrückt habe man sie schon gehalten, als sie vor einigen Jahren beschloss, auf einer Freilichtbühne inmitten des feudal angelegten Thermalbads ein Literatur-Festival abzuhalten, erzählt mir Angelika Hager. Die erste Badeanlage wurde ab 1822 in der Kleinstadt betrieben, 1904 wurde Vöslau zum Curort ernannt. 

Was Stefanie Reinsperger und Noah Saavedra ihrem Publikum am vergangenen Freitag auf der Bühne in Bad Vöslau präsentierten, war weit mehr als eine schöne Lesung vor spektakulärer Kulisse. Eine Mischung aus Lesung, Performance, Revue und Konzert hatte Angelika Hager für diesen Abend konzipiert. Durch ihr schauspielerisches Können und ihre Emotionalität vermochten es Reinsperger und Saveedra, den Zuschauern einen sehr guten Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der drei weltberühmten österreichischen Maler Egon Schiele, Oskar Kokoschka und Gustav Klimt zu vermitteln. Nicht nur als Künstler lernte man Schiele, Kokoschka und Klimt anhand der vorgetragenen Briefe und Lieder kennen – sondern auch als Menschen, deren Leben von einem innigen, aber oftmals sehr spannungsreichen Verhältnis zum anderen Geschlecht geprägt war. Egon Schiele verließ beispielsweise seine emanzipierte, fortschrittlich denkende und handelnde Lebensgefährtin Wally Neuzil im Jahre 1915, um die bürgerliche Edith Harms zu heiraten. Die tragische Liebesgeschichte zwischen Wally und Egon Schiele wurde 2016 zum Gegenstand des Spielfilms Egon Schiele – Tod und Mädchen, in dem mir der Schauspieler Noah Saveedra zum ersten Mal auffiel. Mit welcher Intensität er den impulsiven, faszinierenden Künstler Egon Schiele in all seinen Facetten zwischen genialer Schöpfungs- und grenzenloser Zerstörungskraft darstellte, hat mich damals sehr beeindruckt.

Hier ein paar fotografische Eindrücke vom Abend des 03.08. in Bad Vöslau:

Noah Saveedra hat in diesem Jahr sein Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ abgeschlossen, Stefanie Reinsperger ist seit Beginn der letzten Spielzeit Teil des renommierten Berliner Ensembles. Nun der erste gemeinsame Auftritt der beiden Freunde auf der Bühne in Bad Vöslau – welch eine Freude! Fließend und spielerisch gelingt ihnen der Wechsel zwischen den ersten, manchmal tieftraurigen, manchmal urkomischen Textpassagen und ihrer ganz eigenen Interpretation bekannter Liebessongs wie „You’re the One That I Want“ von Olivia Newton-John. Ich hoffe sehr, dass diese Ausnahmetalente bald wieder eine Gelegenheit bekommen, zusammen aufzutreten!

„Wenn die Welt einmal untergehen sollte, ziehe ich nach Wien, denn dort passiert alles fünfzig Jahre später“, hat Gustav Mahler einmal gesagt. Diesen Eindruck von Wien hatte auch ich lange – denn ich besuchte als Kind und Jugendliche lediglich jene Plätze der Stadt, an denen man dem Glanz vergangener Tage frönte. Im Gegensatz zu meinem Wohnort München aber nahm ich das Leben in Wien als wesentlich pulsierender wahr. Wohl auch deswegen, weil die Subkultur an diesem Ort viel stärker im Stadtbild erkennbar ist. Aufgrund der knapp bemessenen Zeit hatte ich dieses Mal keine Zeit, in das Wiener Bar- und Nachtleben einzutauchen. Dafür entdeckte ich untertags allerhand interessante Kunst an Hauswänden, den stillen Örtchen und in den Straßen der Stadt:

Den absolut schönsten und angenehmsten Ort, um zu verweilen, fand ich an dem schwül-heißen Samstag der vergangenen Woche in einem der Kunstmuseen der Stadt. Der Maler Carsten Fock, mit dem ich im letzten Jahr ein Interview für meinen Blog geführt habe, empfahl mir damals einen Besuch im Leopold Museum. Ein Traum, dieser lichtdurchflutete Bau – besonders im Moment, wo dort die große Jubiläumsschau der Werke von Egon Schiele zu bestaunen ist! Wäre der Künstler 88 und nicht 28 Jahre alt geworden, hätte man seine Gemälde wohl in allen Museen und Galerien Wiens Ausstellungen müssen – so unglaublich produktiv war der Expressionist in seinen wenigen Lebensjahren.

Mit mehr als 40 Gemälden und 186 Arbeiten auf Papier beherbergt das Leopold Museum heute die weltweit größte und bedeutendste Sammlung an Werken des Expressionisten Egon Schiele. Das „Bildnis Wally Neuzil“ von 1912 gehört zu meinen Favoriten der Jubiläumsschau, ebenso wie die Selbstbildnisse des Künstlers, die seltsam entmenschlicht wirken und gleichzeitig voller menschlichen Sehnsüchte und Abgründe stecken. Schieles Gedicht „Selbstbild“ und sein Gemälde „Versinkende Sonne“ von 1913 sind mir ebenfalls sehr im Gedächtnis geblieben. Die grandiose Reise durch die Bilderwelten dieses einzigartigen Künstlers war jedoch nicht das einzige Highlight des Leopold Museums: In der Ausstellung „Wow! The Heidi Horten Collection“ kam ich nicht mehr aus dem Staunen heraus.

Exponate von Marc Chagall, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Franz Marc, Henri Matisse, Joan Miró, Edvard Munch, Pablo Picasso, Francis Bacon, Georg Baselitz, Jean-Michel Basquiat, Roy Lichtenstein, Gerhard Richter oder Andy Warhol: Zum ersten Mal präsentiert Heidi Goëss-Horten, die Witwe des 1987 verstorbenen Kaufhaus-Unternehmers Helmut Horten, Kunstliebhabern ihre umfangreiche, seit den 1990er-Jahren sorgfältig zusammengestellte Privatsammlung. Besonders die Expressionisten sowie die Vertreter der amerikanischen Pop-Art wie Roy Lichtenstein oder Andy Warhol sind in der Ausstellung im Leopold Museum stark vertreten. Meine Favoriten aus der Heidi Horten Collection: Der surreale Monsteraffe des Künstlerpaars Les Lalanne (2005/08), die Gemälde von Marc Chagall, das Werk „Forest Scene“ von Roy Lichtenstein aus dem Jahre 1980 und „Collaboration“ von Andy Warhol and Jean-Michel Basquiat aus den Jahren 1984/85.

Zum stundenlangen Flanieren war es in Wien an diesem Augustwochenende definitiv zu heiß. Doch um manche Sehenswürdigkeiten am Wegesrand genauer zu betrachten, stellte ich mich gerne in die pralle Sonne. Besonders, wenn es sich dabei um so schöne Blumen wie die Rosen im Volksgarten und im Schönbrunner Schlosspark handelt. Dort kann man übrigens für einmalig € 350,– die Patenschaft für eine Rosenpflege von fünf Jahren übernehmen. Auf Wunsch wird an der jeweiligen Pflanze ein Schild mit einer persönlichen Widmung des Paten angebracht. Eine sehr schöne Idee! Wem der Sinn an warmen Tagen wie am vergangenen Wochenende eher nach einem kühlen Getränk und sehr gutem Essen steht, dem sei nach dem Sightseeing ein Besuch im Café ULRICH in Wien ans Herz gelegt. Ein sehr guter Tipp von Stefanie Reinsperger 🙂

 

Ich freue mich auf meine nächste Stippvisite in der Stadt und auf eure Tipps, was ich dann auf keinen Fall verpassen sollte!


Weitere Infos findet ihr unter: 

https://www.leopoldmuseum.org/

http://www.thermalbad-voeslau.at/sommerfrische.php

http://hortencollection.com/

https://www.pollyadler.at/

http://www.agenturvogel.de/vita.php?uid=93 (Stefanie Reinsperger)

Die Kulturflüsterin

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