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Digital durchs Museum: Zu Gast in der Ausstellung „August Macke. Paradies! Paradies?“

August Macke, Stillleben mit Apfelschale und japanischem Fächer, Detail, 1911 (Kunstmuseum Bonn)

Am 04.02.2021 verknüpfte das Museum Wiesbaden anlässlich seiner aktuellen Ausstellung „August Macke. Paradies! Paradies?“ eine digitale Ausstellungsführung mit einem Community-Event auf Zoom. Ein Rückblick auf den #ComMuWity-Abend mit dem Kurator Dr. Roman Zieglgänsberger, der Kunsthistorikerin Anke von Heyl und Daniel Altzweig aus der Abteilung „Bildung und Vermittlung“ des Museums.

Als uns Anke von Heyl kurz vor 18 Uhr auf Zoom willkommen hieß, war ich erfreut, so viele bekannte Gesichter unter den eingeladenen Gästen zu entdecken. Unter anderem hatten sich folgende spannende Kunstliebhaberinnen und -kennerinnen in unserem digitalen Meeting-Raum versammelt:

  • Wibke Ladwig, Autorin, Moderatorin und Mitbegründerin des Kölner Kulturkollektivs Die Herbergsmütter
  • Ihre Herbergsmütter-Kollegin, die Grafikdesignerin, Social Media- und Radio-Autorin Ute Vogel
  • Wera Wecker, die seit Juli 2015 für die Online-Kommunikation der Historischen Museen Hamburg zuständig ist und auf ihrem Blog Kultur und Kunst regelmäßig spannende Artikel veröffentlicht.
  • Die Journalistin Maria-Bettina Eich, die mit Kind am Tellerrand einen außergewöhnlichen Reise- und Kulturblog für Familien betreibt.
  • Laura Dresch und Julia Stellmann, die auf ihrem Instagram-Kanal Artverwandt seit Ende des vergangenen Jahres Themenwochen über Kunst & Kultur veranstalten.
  • Kai Eric Schwichtenberg, der sich auf seinem Blog Retrospektiven besonders mit der Kunstszene in der Region um Münster befasst.
  • Die Kunsthistorikerin, Autorin und Kulturbloggerin Ines Stadie

Um 18 Uhr startete das #ComMuWity-Event mit einer sehr interessanten und lehrreichen Online-Führung des Kurators Dr. Roman Zieglgänsberger durch die Ausstellung „August Macke. Paradies! Paradies?„, die wenige Tage vor dem zweiten Lockdown des Jahres 2020 am 30. Oktober eröffnet worden war. Eine beeindruckende Anzahl von 1.000 Besuchern hatten die Gelegenheit, die Schau bis zu der Corona-bedingten Schließung des Museums live vor Ort zu sehen. Wie groß das Interesse an dem Künstler, der zu den bekanntesten deutschen Maler des Expressionismus zählt, ist, zeigte sich auch bei der Online-Führung am 04.02.: Über 500 kunstbegeisterte Zuschauer folgten Herrn Zieglgänsberger auf seinem Weg durch eine Ausstellung, die ausgehend von einem der wichtigsten Bilder von August Macke – dem „Seiltänzer“ aus dem Jahre 1914 aus dem Kunstmuseum Bonn – 84 Werke August Mackes und 20 weitere der anderen Rheinischen Expressionisten wie Hans Thuar, Heinrich Campendonk, Helmuth Macke und Carlo Mense umfasst. Eine überwältigende Reaktion auf eine virtuelle Ausstellungstour, die das Bedürfnis vieler Menschen nach Kunst und Kultur in einer Zeit wie dieser sehr eindrücklich widerspiegelt.

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Der Ausstellungstitel Paradies! Paradies? führt hinein in das schöpferische Universum eines Künstlers, dessen Werk nicht durch vordergründige Radikalität auffällt. Bei genauerer Betrachtung weist Mackes zunächst so lieblich erscheinender Blick auf die Welt jedoch Brüche auf.

1887 in Meschede im Sauerland geboren, zeigte Macke bereits mit rund vierzehn Jahren ein enormes zeichnerisches Talent. Der in Köln aufgewachsene Künstler malte seine Hauptwerke in Bonn und fiel 1914 im Alter von erst 27 Jahren im Ersten Weltkrieg. Nach nur 10 Jahren künstlerischer Aktivität hinterließ er zu diesem Zeitpunkt ein erstaunlich umfangreiches Œuvre.

https://www.youtube.com/watch?v=EJx-r5rzbIs

Die Ausstellung „Paradies! Paradies?“ gliedert das expressionistische Werk des Malers, der als Mitglied der 1911 in München gegründeten Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ um Wassily Kandinsky und Franz Marc einen entscheidenden Beitrag zum künstlerischen Aufbruch nach der Jahrhundertwende beitrug, in fünf Kapitel: Auf „Familie und Freunde“ folgen „Stadt/Landschaft“, bevor der Besucher in „Akte“ mehr über Mackes Sicht auf den menschlichen Körper erfährt. In „Zwischen Kunsthandwerk und Abstraktion“ werden Mackes Bezüge zur Kunst des Jugendstil thematisiert und „Paradiese“ nimmt Bezug auf seine Entdeckungsreisen durch das Rheinland, die Schweiz und Tunesien.

August Macke schrieb einst an Franz Marc, dass die Bilder der Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“ für ihn zu sehr durch das Ringen nach Form und zu wenig durch Menschliches geprägt seien. Daher bliebe die Aussagekraft hinter der ausgefeilten Form und Ausarbeitung zurück. Diese Kritik offenbart Mackes Interesse an alltäglichen Szenen und Begebenheiten. Landschaften, Stillleben und Porträts bestimmen sein schöpferisches Werk. Ein besonderes Augenmerk der Ausstellung „Paradiese? Paradise!“ liegt daher auf dem positiven Menschenbild des Künstlers, das sich vor allem in Mackes Akten offenbart.

Zu einem meiner Lieblingsbilder der Ausstellung zählt „Nacktes Mädchen mit Kopftuch“ aus dem Jahr 1910. Es zeigt einen entblößten Frauenkörper, der von Macke aus einer respektvollen-distanzierten und gleichzeitig sehr ästhetischen Perspektive betrachtet wurde.

Nach dem virtuellen Rundgang durch das Museum Wiesbaden, dem ich sehr gerne bald einen analogen Besuch abstatten würde, ging es am Abend des 04. Februar 2021 zurück auf Zoom, wo uns der Kurator Dr. Roman Zieglgänsberger Rede und Antwort auf unsere zahlreichen Fragen stand. Souverän und sehr sympathisch bewegte sich Zieglgänsberger auf dem digitalen Parkett – der versierter Macke-Spezialisten war ein idealer Gesprächspartner für unsere rund 25-köpfige Gruppe.

Und Anke von Heyls sehr professionellen Moderationsfähigkeiten und ihrer charmanten Art war es zu verdanken, dass sich an diesem Abend trotz der fehlenden persönlichen Nähe ein Gemeinschaftsgefühl zwischen den Beteiligten einstellte. Komplementiert wurde das #ComMuWity-Event durch einen Kreativ-Worskshop mit Daniel Altzweig aus der Abteilung „Bildung und Vermittlung“ des Museums Wiesbaden. Dazu hatte uns die Presseabteilung des Hauses im Vorfeld ein Paket mit Basteln-Utensilien zukommen lassen. Kreativ sein unter Zeitdruck war schon zu Schulzeiten nicht meine Stärke – deshalb sollte es bei dieser Skizze bleiben, die ein Versuch ist, mein persönliches Paradies künstlerisch darzustellen:

Vielen herzlichen Dank für den informativen Abend, liebe Anke von Heyl und liebes Team des Museums Wiesbaden! Ich hoffe, dass ich der Ausstellung „Paradies? Paradies!“ bis Anfang Mai 2021 noch einen analogen Besuch abstatten kann. 


August Macke
Paradies! Paradies?

30. Oktober 2020 — 9. Mai 2021

Museum Wiesbaden
Friedrich-Ebert-Allee 2
65185 Wiesbaden

https://museum-wiesbaden.de/august-macke

Facebook @museum.wiesbaden, Instagram @museumwiesbaden

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