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Adventsgeflüster #9: Die Candoco Dance Company

Gerade bin ich für eine Tage in London: Daher geht es in meinem heutigen Adventsgeflüster-Eintrag um eine integrative Tanzkompanie, die im Norden der britischen Hauptstadt beheimatet ist und die ich vor einigen Monaten entdeckt habe: Die Candoco Dance Company!

Ich lobe den Tanz,
denn er befreit den Menschen
von der Schwere der Dinge,
bindet den Vereinzelten
zu Gemeinschaft.

Dieses treffende Zitat stammt von Augustinus Aurelius (354 – 430), Bischof von Hippo. Mir fällt auf, dass viele andere Zitate zum Thema Tanz das Gefühl, als Tänzer von den eigenen Füßen getragen zu werden, in den Mittelpunkt stellen. Was jedoch ist mit diejenigen unter uns, die ihre Beine nicht zum Rhythmus der Musik bewegen können?

Bei der Londoner Candoco Dance Company wird mit den Füßen, den Ohren, den Augen, dem Mund und den Händen getanzt. Seit ihrer Gründung durch Celeste Dandeker and Adam Benjamin im Jahr 1991 werfen die Choreographen, die mit dem siebenköpfigen Ensemble aus Tänzerinnen und Tänzern mit und ohne Behinderung arbeiten, einen erfrischend anderen Blick auf den zeitgenössischen Tanz. Diversität und die Förderung der Stärken eines jeden Ensemblemitglieds bilden die Leitlinien der Candoco Dance Company, die dank eines umfangreichen Trainings- und Vermittlungsprogramms Künstler und Künstlerinnen mit unterschiedlichsten Ansätzen, Erfahrungen und körperlichen Voraussetzungen unter ihrem Dach vereint.

Im Aspire National Training Centre in Stanmore im Norden Londons proben die TänzerInnen Stücke wie die neue Produktion Hot Mess. Zusammen mit dem renommierten Choreographen und Designer Theo Clinkard stellen die Tänzerinnen und Tänzer die Bewusstmachung dessen, was jeder und jede einzelne von uns unbewusst wahrnimmt, als treibende Kraft des Lebens in den Fokus der Inszenierung. Hot Mess ist eine anarchische Performance, die den Begriff der Vollkommenheit neu bewertet und jeden Menschen in seiner Individualität und Unterschiedlichkeit feiert.

Rund 30 Produktionen mit international renommierten Choreographen wie Emily Claid, Javier de Frutos, Doug Elkins oder Siobhan Davies hat die Candoco Dance Company in den vergangenen 22 Jahren realisiert. Der künstlerischen Direktorin Celeste Dandeker – eine ehemalige Tänzerin, die seit einem schweren Sturz querschnittsgelähmt ist – ist es zu verdanken, dass das Ensemble seit seiner Gründung stets als Tanzkompanie und nicht als Therapieprojekt wahrgenommen wurde. Seit 2018 wird die Candoco Dance Company von Ben Wright and Charlotte Darbyshire, einem der Gründungsmitglieder, geleitet.

© Camilla Greenwell

Die Produktionen der Kompanie sind aufregend anders: Voll zärtlicher Poesie und sehr kraftvoll zugleich. Die Mitglieder der Candoco Dance Company ähneln in ihrer Fähigkeit, in ihren Produktionen die ganze Klaviatur menschlicher Gefühle und Sehnsüchte in Tanzbewegungen zu übersetzen, den Tänzern des legendären Pina Bausch-Ensembles. So viel Leidenschaft und Intensität, wie sich bei Candoco aus dem Zusammenspiel der TänzerInnen mit und ohne Handicap ergibt, würde man gerne öfter auf nationalen und internationalen Bühnen sehen. 


Mehr Infos über die Candoco Dance Company: 

Homepage

Facebook @candoco

Instagram @Candocodancecompany

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